Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 19 (4.11.1845)
- Date
- 1845-11-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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152 Moses ist in tiefes Nachdenken versunken. Er wandelt in abgemessenen Schritten über die bemoosten Steine, die noch hie und da Spuren vergossenen Blutes zeigen. Denn Schreckliches haben diese Mauern schon gesehen, und noch nicht gar lange ist das Wuthgeheul der September - Mörder in ihrem Bereiche verhallt. Maschicnenmaßig fuhr MoseS Hand oft an seine Brust. «Ja. du sollst nicht umsonst müssen gerettet sein, meine treue Waffe,« murmelte er, »denn des Herrn Stimme befiehlt mir, blutige Rache zu nehmen für die Häupter meiner Brüder. Steht es doch geschrieben: «wer Blut vergießt, deß Blut soll wieder vergossen werden!« — Er muß sterben, — denn das Wohl meiner Brüder fordert es noch lauter, als das Blut der Unschuldigen, daS schon gen Himmel schreit.'«— Jetzt öffneten sich die Thürcn die auf den Hof gingen, und Welt. Schweigend standen Alle da, — da ertönte plötzlich ein furchtbares, nur zu bekanntes Gerassel. — es waren die Hcnkerskarren, welche die Opi er dem Tode cntgegenführen sollten.— Unter lautem Geschrei der Henkersknechte ward das traurige Geschäft der Vcrtheilung ln die Wagen besorgt. MoseS wurde mit seinen Gefährten in Einen Wagen gesetzt. Bestimmung, da tauchte dicht neben Moses Wagen Meiers dämonisches Gesicht auf. dessen Blick mit teuflischer Freude auf den Gefangenen haftete. «Ach, meine Ahnung ist erfüllt,« murmelte Moses, und griff in den Busen.— »Nun, wer wird eher in Abrahams Schooß befördert, ich oder Du, Moses Bayle?« kreischte Meier höhnisch. »Du, Elender«, sprach Moses mit furchtbarer Kälte, :md seine Hand zog die Pistole hervor. Ein Moment — und Meier lag entseelt am Boden! Dieser Todesfall erregte keine große Sensation,— es war »Die Guillotine hat einen Kopf verloren«, murmelten Einige -Ich danke Dir, o Gott, daß Du mich mein schweres Richteramt vollbringen ließest,« sprach Moses - ich danke Dir. daß Du mir Kraft gabst, den Tod meiner Brüder zu rächen» Jetzr bin ich mit der Erde fertig!» Die Wagen hielten am Schaffst. — «Es ist die Zeit des KriaS-Schema.« flüsterte einer aus der Gemeinde Moses zu, und zeigte auf die Sonne, die jetzt eben mit strahlendem Glanze sich erhob, gleichsam, als nähme sie Abschied von den edlen Söhnen der Erde. «Ja, sie ist gekommen«, rief MoseS, der die Treppe der Guillotine hnraufftieg, und man hörte ihn, als er sein Haupt in die verhängnißvolle Vertiefung des HolzblockeS legte, mit vernehmlicher Stimme sprechen: «Höre o Israel, der Gott, unser Herr, istein einziger,ewiger.« Und mit dem letzten Worte schwang sich sein Geist zur Ewigkeit empor, denn das Beil hatte sein Haupt getroffen im Momente, wo er das * * * Als die Geschichte beendigt war, seufzte der dicke Fondsmakler sehr tief. Der Rabbinatscandidat war sehr nachdenklich geworden, und in seinem Auge glänzte eine Thräne, die mir stets unvergeßlich sein wird. Schulwesen. Aus dem Großherzogrhum Hessen. Vom Lehrer St. . . (Fortsetzung.) Man könnte jedoch aus der Einführung einzelner deutscher Gebete und Lieder in die Synagoge den Schluß ziehen, daß nach Verlauf eines Dezeniums der jüdische Gottesdienst ganz in deutscher Sprache abgehalten werde; es dürfte eine genaue Kenntniß der Liturgie und des jüdischen Lebens mit vollem Rechte diese Ansicht bewähren. Schon der Umstand, daß in den in der neueren Zeit gegründeten israel. Gotteshäusern zu Hamburg, Prag, Wien, Seesen rc. der bei weitem größere Theil der hebräischen Gebete bcibehalten wurde, zeigt zur Genüge, daß die Gründer dieser Gotteshäuser, obgleich anerkannte Feinde orientalischen Gepräges, von der Unthunlichkeit, den hebräischen Gottesdienst in einen purdeutschen zu verwandeln, überzeugt sein mußten. Ueberzeugender noch spricht dafür der gescheiterte Versuch des bekannten „Apostels des dünkelhaftesten Aufklärungsfanatismus" in Stadtlcngsfeld im Großherzogth. Weimar, wo selbst die von letzterem provocirten Polizeistrafen gegen hebr. Gottesdienst nicht vermochten, die eben so sehr von dem Gefühle heiliger Achtung vor den alten in hohem kirchlichen Ansehen stehenden Gebete, als von dem Bewußtsein des in der deutschen Bundesacte und der weimarschen Verfassung ihnen garantirten vollkommenen Genusses der Glaubens- und Gewissensfreiheit, durchdrungenen Juden davon abzuhalten, und dem Vernehmen nach, deshalb suspendier werden mußten. . Die vorzüglichsten Gründe zur Beibehaltung des hebräischen Gottesdienstes, um deren Erörterung x,