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Der treue Zionswächter · 1845-11-04 · 19 (4.11.1845) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
19 (4.11.1845)
Date
1845-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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153 mich einige Räthe dieses hohen Collegs ersuchten, lassen sich etwa in folgende zusammenfassen: 1) Die hebräischen Gebete stehen vermöge ihrer eigenthümlichen biblischen Ausdrücke und ihres traditionellen Inhalts mit der isral. Religionslehre in der engsten Verbindung, und sind somit die trefflichsten Mittel zur Wahrung und Festhaltung derselben, wogegen eine Übertragung ins Deutsche nicht nur dies vollends verfehlen, sondern auch alle dieser Sprache eigenen, dem Geiste des Judcnthumö aber fremden Vorstellungen und Begriffe unaufhaltsam ins Judenlhum einführen würde. 2) Die hebräische Sprache ist schon au sich tausendfach mehr, als andere Sprachen, zu religiösen Erhebungen geeignet. Hören wir den größten Reformator der neueren Zeit: „Es ist die hebräische Sprache so reich, daß keine Sprache sie mag genugsam erlangen. Denn sie hat viele Wörter, die da singen, preisen, freuen, betrüben u. s. w. heißen, da wir kaum eins baden. Und sonderlich in göttlichen, heiligen Sachen ist sie so reich an Worten, daß sie wol zehn Namen hat, da sie Gott mit nennen, da wir nicht mehr haben, denn das einige Wort Gott; daß sie wol billig eine heilige Sprache heißen mag, der keine Verdollmetschung so frei gehen kann, als es im Hebräischen selbst lautet; ohne was noch ist derer verblümten Worte, die man Fignrcn nennt, darinnen sie auch alle Zungen übcrtrifft (Luther's Werke, Theil 4, S. 342. Einleitung in die Psalmen). Dasselbe Zcugniß geben in noch beredtereren Worten die vorzüglichsten Kenner des Hebräischen unter den Christen in neuester Zeit, (es.Herders Fragmente, Band2, S.65; de Wette'ö Einleitung in Ps. S. 21-. 3) Die hebräische Sprache ist aber auch deswegen zu religiösen Erhebungen geeigneter, weil sie keine im Dienste des Irdischen und Gemeinen siebende Sprache ist, und somit den Betenden in eine Region versetzt, wo eine störende Erinnerung an die Außenwelt weit weniger stattfindct, als beim Beten in der gewöhnlichen Sprache, wo auch die heiligsten Ausdrücke gar leicht travestirt werden können. 4) Der hebräische Gottesdienst ist zu allen Zeiten als das vorzüglichste Eingangs- und Bildungs- Mittel der Synagoge in ihrer ohne alle bürgerliche Vder weltliche Föderation lebenden, über allpAheile der Erde zerstreuten Anhänger erkannt werden. Nur der hebräische Gottesdienst macht es dem Israeliten möglich, auch in fremden Landen seine Glaubensbrüder zu finden, sich ihnen zu nähern und mit ihnen gemeinschaftlichen Gottesdienst zu halten. Mögen nun auch diese angegebenen Gründe der hohen Behörde von weniger Autoritäterscheinen, unumstößliche Thatsache bleibt es immerhin, daß noch kein jüdisches Gotteshaus eristirt, in welchem nicht ein großer Theil der Gebete und die Vorlesungen der Thora in hebräischer Sprache verrichtet werden. Bei diesem Sachverhalt aber erscheint das durch den Unterricht in der Religionsschule zu bewirkende Lesen und Verstehen der hebräischen Gebete um so gewisser nothwendig, als beim öffentlichen Gottesdienst eine stumme Anwesenheit oder ein bloßer Lippendienst nicht genügen kann. Man könnte freilich einwendcn: dies werde selbst durch den Unterricht im Hebräischen in der Neligionsschule nicht verhütet, da die israel. Kinder nach ihrer Entlassung aus der Schule, für ihren künftigen bürgerlichen Beruf sich tüchtig zu machen strebend, sich nur mit Dingen beschäftigen, welche im Leben praktischen Nutzen darbieten, am wenigsten aber mit dem Hebräischen, das in der Conversation und im Commerce nicht den geringsten Vortheil verschafft, und es werde somit das Wenige, was sie von dieser Sprache in der Schule erlernt haben, oder besser, die von ihnen aufCredit nnd Glauben angenommene weniger grammatisch begründetere, als dem Gedächtniß anvcrtraute, Uebersetzung der Gebete nnd der heil. Schrift bald wieder aus demselben verschwinden. Dieser Einwand erscheint jedoch sowohl u priori, als auch r> posterior! völlig ungegründet; a priori; denn was einmal genau verstanden täglich oder bez. d. b. Schrift sabbatlich repetirt wird, nnd auf Herz und Geist des Repetenten eine wohlthätige Kraft äußert, dessen Inhalt, Sinn und Bedeutung kann demselben nicht leicht in Vergessenheit kommen. Dies Urtheil bestätigt aber auch die Erfahrung. Die meisten erwachsenen Israeliten die eine gehörig organisirte israel. Schule besucht haben, sind, selbst wenn sie nach ihrer Entlassung aus der Schule von ihrem bürgerlichen Berufe ununterbrochen in

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