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Der treue Zionswächter · 1845-10-14 · 16 (14.10.1845) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
16 (14.10.1845)
Date
1845-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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126 äuderlicher sein, als diese aus vergänglichem Stoffe gebildeten Wesen? Wendet euer Augenmerk der Erde zu, und ihr werdet erkennen müssen, daß so viel auch hier Menscheneinsicht und Macht für Umgestaltung und Veränderung schafft, doch diese Veränderungen allsammt nur die Oberfläche der Erde, berühren, ihre Urgestalt aber, und die in ihr wirkenden Kräfte seit ihrer Schöpfung keine wesentliche Veränderung oder Umgestaltung erlitten haben. Und ewige Wahrheiten sollten veränderlicher sein, als sie, sollten wie ein Gewand, dem Modewechsel unterliegen? Nein, Himmel und Erde zeugen dafür, daß Gottesschöpfung nicht dem Wechsel unterworfen ist, und daß darum auch sein ewiges Gesetz, das edelste und würdigste seiner Schöpfungen, das erhabene Modell, nach dem das All er gebildet, die Zeiten und ihre Einwirkungen überragr. * * » Aber auch der Nutzen, den die Erfüllung deS göttlichen Gesetzes schafft, der Segen, den sie bringt, ist angcdeutet in Himmel und Erde. Ueberall schon, wo die heilige Schrift Lohn verheißt, für die Beobachtung der göttlichen Vorschriften, wird dieser dahin ausgesprochen, daß der Himmel Thau und Regen giebt, und das Erdreich seinen Ertrag, so wie das Verschließen der Himmelsschleusen und das Versagen der Erdkraft als Androhung für die Uebertretung des Gesetzes darin ausgesprochen ist. Wenn Sättigung, als das nächste und unentbehrlichste Lebensbcdürfniß' auch den eigentlichen Sinn dieser Verheißungen ausmachen, so schließen sie doch bildlich auch den höheren geistigen Lohn in sich ein. Schon der Prophet bedient sich dieses Gleichnisses unzweideutig, wenn im Namen des Herrn er spricht: „So wie Regen und Schnee vom Himmel niederfällt, nie leer zurückkehrt, sondern die Erde wässert befruchtet und grünend macht, dem Säemann Saat und Speise zum Essen schafft, so der Ausspruch, der meinem Munde entströmt, nie kehrt er fruchtlos zurück, er vollbringt, woran ich Wohlgefallen habe, beglückt, wohin ich ihn gesandt." Mit Himmel ist sonach die Beseligung des göttlichen Worts, und der ewige Lohn, den dort die Frommen erndten, bildlich angcdeutet; mit Erde aber, das Mühewalten für seine Erfüllung, das Kämpfen für seinen Sieg, und der Segen, der schon hienieden dem frommen Kämpfer zu Theil wird. „Himmel und Erde sollen zeugen," spricht der große Prophet, „für das Gesetz des Herrn, welches ich euch verkündet"; sie geben euch Lohn, wenn ihr es erfüllt, sie entziehen euch ihren Segen aber, wenn ihr ihm abtrünnig seid. Himmel und Erdö sollen eüch Verkünder zeitlicher und ewiger Glückseligkeit sein, die ihr nur dann erndten könnt, wenn ihr nach göttlicher Vorschrift lebt. — In dieser ernsten Zeit, wo die Verführung in Israel so kühn ihr Haupt erhebt, uugescheut sich zur Meisterin der göttlichen Religion aufzuwerfen, wo von Eitelkeit und Genußsucht befangener Menschenverstand göttliche Vorschriften verdrängenmöchte, rufen Sie, Verehrte, den Gedanken an Himmel und Erde recht lebhaft vor ihre Seele, und lernen Sie darin göttliche Allweisheit verehren im Gegensätze gegen menschliche Beschränktheit und Unmacht. In ernster Zeit, wo, weil ein mächtiger Umschwung den gesellschaftlichen Verhältnissen geworden, man auch so gerne das Neligionsgebäude als veraltet und hinfällig bezeichnen möchte, richten Sie recht oft nach Himmel und Erde Ihren Geistesblick, um zu erkennen, daß Gottesschöpfung jeden Zeitwechsel überdauert. In ernster Zeit, wo Selbstsucht und Eigennutz als erstes Gesetz geltend gemacht werden, und man so leicht geneigt ist, diejenigen Religionsvorschriften besonders, welche der Befriedigung des Eigennutzes hindernd in den Weg treten, über den Haufen zu werfen, erkennen Sie recht lebhaft im Bilde von Himmel und Erde, daß nie Segen auf Erden ohne himmlische Bewässerung und Befruchtung gedeihet; daß nur Thau und Regen als Bild des göttlichen Worts, welches dem Himmel entströmt. Glück und wahren Segen auf der Erde schaffe. Besonders aber möge am heutigen Tage der Gedanke an Himmel und Erde Nutzen schaffend, recht lebendig Ihrer Seele vorschweben. Nennen wir auch den kommenden Festtag der Erinnerung im Gebete QP den Tag der Anfang der Gotteswerke, so gilt dies nur in so weit, als daß an demselben das wichtigste seiner Erdenwerke, der Mensch geschaffen worden. Fällt somit dieser Festtag mit dem sechsten Schöpfungstage zusammen, so ist der heutige Tag dem ersten Schöpfungstage gleich, und somit der Geburtstag von Himmel und Erde.

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