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Der treue Zionswächter · 1845-09-30 · 14 (30.9.1845) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
14 (30.9.1845)
Date
1845-09-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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111 aber auch dem schmiegsamen Leben des indischen Volkes zuzuschreiben, vermöge welches es durch die Gnade Gorres als sichtbares Sraarswunder beinah zwei Jahrtausende den kommenden und vorgehenden Völkern der Geschichte sich anschlteßr, mannigfache Leben—wenn ich so sagen darf — mit ihnen lebt, und den einseitigen philosovdischen Lehrsätzen über Entstehen und norhwendiges Vergehen der Staaten trotzt. So erwarb sich die jüdische Nation ebensosehr den Ruhm lichtvoller -Forschung und sittlicher Lebensführung in den" Zeiten der Erleuchtung. als sie auch andrerseits den Abarten und Entsittlichungen in Ungebundenheic und Frivolität sich anschloß. Sie vermochten unter heidnischen Völkern dem unmenschlichen Mauiechdiensie nicht zu widerstehen, verfiel in Abstraktionen, als dergleichen griechische Schulen sich über Klein-Asien verbreiteten, gefiel sich mir den Alexandrinern an Gnostisch.-n Träumereien; übte ganz besonders an scholastischer Kasuistik den Geist zur Interpretation ihrer vielverzweigten Gesetzgebung; und glaubte endlich bei der neuesten Lage der intellektuellen Welt auch ihre ächt jüdische Scholastik mir sogenanntem vernünftigen Raisonnemenr u priori verrauschen zu der einen Seite, diese durch Jahrtausende bewährte Anschließungssucht unsers Volkes in unserer Zeit immer mehr und mehr um sich greift, je öfter sich die Vertreter der Nation in unserer Zeit mit der Verflachung ihrer Besonderheit und Eigenrhümlichkeic brüsten, und mir liebäugelnden Augen einherschreiten; je mehr man in unserer verhängnisvollen Zeit die curioseste und zugleich die bitterste aller Erfahrungen macht, daß die Lehrer und Wahrer unsers'Glaubens sich ganz dem Europäischen Sraarsglauben anzuschmiegen suchen, so daß sie nicht selten zu Lobrednern desselben und ihres Gründers "ausatten; desto mehr ist es unsere Aufgabe, uns uns selbst wiederzugeben und zu erhalten, dem jüdischen Volke jüdische Anschauungen vorzuführen, dem charakterlosen Treiben schnöder Volksführer charaktervoll entgegen zu treten, und deren verkapptes Betragen aufzudecken und zu beleuchten. Ich schließe für diesmal. Dein Jmonuel. Zweiter Brief. Wie glücklich mich Deine Antwort auf meinen jüngsten Brief machte, wirst Du. in Erinnerung unsers früheren »Freundschaftsbandes leicht ermessen können. Zum ersten Male hörre ich seit einem halben Jahre aus weiter Ferne einige herzliche Worte. Mit unsäglicher Freude nahm ich Deine Aufforderung entgegen, in meinem Thema fortzufahren. Für Heute muß ich jedoch ersuchen, mir ein Wenig in die Aeußerlichkeiten des Lebens zu folgen, und das Terrain zu cognosciren, auf welchen wir uns bewegen. Wenn von Vertretern der Orthodoxie die Rede ist; so müssen wir vor Allem diese kennen lernen, und nach der Behandlung unserer Differenz fragen. Behandlung der Differenz zwischen Lehre und Leben. Handelte es sich um eine aufrichtige Aussöhnung von Theorie und Praxis, von Lehre und Leben, so werden wir vom orthodoxen Standpunkte aus eine solche nicht zulassen und zulassen können, weil dieses (wie einer der, Eorrespondencen dieses Bl. aus dem Begriffe der Religion sehr richtig deducirre) letzterer grade widerstreitet. Allein es wäre dann ein Streik über Prinzipien, und wir würden muthig darüber kämpfen. Aber nur ebenbürtige Gegner dürfen in die Schranken treten, denen es Ernst um die Sache ist, die mir Gesinnungen und Charakter die heilige Gottessache aufnehmen. Es treten uns jedoch im Leben gar oft Gestalten entgegen, denen es gar nicht um e-n indisches, ächr religiöses Bewußtsein zu thun ist, die der religiösen Scheu schon lange entbehren, und dle überhaupt keinen höheren Sinn für Objektivität haben, sondern ihre ,ubjecl«ve Vergnügungssucht unumschränkt dominiren .lassen. Es ist dies erstens die große Schaar der indifferenten Kaufleute, deren Charakter ganz durch eine unfreie Thärigkeir, Erwerbungssucht, ausgemeffen wird, die zu sehr in diese ihre Fesseln geschlagen sind, als daß sie sich daraus zu einem Höheren. Allgemeinen, zur Gemeinschaft des Glaubens emporschwingen könnten, oder für letzteren auch nur Interesse hätten. Für sie kann von keiner Differenz zwischen Leben und Lehre die Rede sein; denn bei ihnen würde dieselbe sicb.anf Eins minus Null reduciren oder vielmehr in Bezug auf die unendliche Identität ihrer selbst mit den Geboren des Augenblicks auf Unendlich nüuu« Null. Differenz aber, wie überhaupt malhemariswe Operationen, kann ja nur zwischen gleichartigen Größen startfinden. Diese werden also, wenn sie aufrichtig sind, jene Frage über die Ausgleichung jener Differenz nichr aufnehmen; wir verlassen sie auch getrost, indem nur ihnen stete Ausdauer und bleibendes Glück im Erwerb, so wie leibliche Gesundheit zu Verwendung desselben wünschen. Neben diesen abstrakt-sinnlichen Glaubensbrüdern hat sich seit der neuesten Regeneration der Wissenschaft im Judenchume eine bereits nicht unbedeutende Zahl von Jüngern.herangebildet, denen es wiederum nicyc um ein religiöses Bewußtsein zu thun ist; diezwar erhaben über jene rein sinnliche Individuen, für alle übrigen Disciplinen sich interessiren; die mit der Schärfe der Dialektik allen metaphysischen Fragen sich zuwenden; die dem Tempel der Natur seine ewige Harmonie und Gesetzmäßigkeit abgelauscht; denen Licht geworden, von dem schwierigen, physiognomischen und psychologischen Organen der menschlichen Natur bis zum unendlichen Miniaturbau des Ameisengeschlechts; oder die mir anerkannter Genialität den Coryphäen der Medicin sich

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