Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 13 (23.9.1845)
- Date
- 1845-09-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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105 Wie weit dieser Zwiespalt in den Gemeinden Kurhessens noch führen wird, und welche Folge diese Uneinigkeit für die emancipirten Israeliten herbeiführt, das vermag keiner zu berechnen, und wehe denen, die ihn hervorgerufen haben; dieselben werden sehen, daß das Ungeheuer nicht zu leicht zu beschwören ist. Wer hat aber diesen Zwiespalt veranlaßt? höre ich von beiden Seiten fragen. Die modernen Juden werden gewiß die ganze Schuld auf die Dunkelmänner, und diese auf die Aufgeklärten zu wälzen suchen. Wenn wir unparrhciisch diesen Gegenstand betrachten, so werden wir leicht einsehen, daß die jüdische Resource zu C. ganz allein die Veranlassung gegeben hat. diesen Partheien-Kampf zu erwecken. Denn, obgleich die Besetzung der Land- Rabb.-Stelle mit einem Stein, Holdheim, Herzfeld, die das V.-A.. als Cand., dem Kurf. Minist, in Vorschlag gebracht hat, einem jeden Israeliten, der fest an den dreizehn des Maimonides oder an den sieben Glaubenslehren, die sich im Leitfaden zum Religionsunterricht vom seligen vr-. Büdinger befinden, hielt, nicht gleichgültig sein konnte, hatte. es dennoch keiner unternommen. Unterschriften gegen diese vorgeschlagenen Candidaten, die in ihren Schriften die Autoritär der Tradition resp. die Göttlichkeit der Bibel leugnen, zu sammeln. Kaum hat aber F. mit Beifall gepredigt, so wurde in der gedachten Resource beschlossen, Stimmen gegen F. zu sammeln. Und wer waren die Sammler, etwa Doktoren? oder sonst Gelehrte vom Fach? Nein! Leutchen, die nicht einmal eine Predigt zu beurtheilen wissen. Ja zwei Mitglieder des V.-A. waren sogar so unvorsichtig, sich zu unterzeichnen, und dadurch die Sache zu ihrer individuellen zu machen, daß sie mithin als V.-A.-Mitglieder gar kein (^»rächten obgeben konnten/ Mußte eine solche Kühnheit die Gegner nicht aus ihrer friedlichen Stellung hervorlocken, daß sie den Kampf, für ihre gereckte Sache aufnahmen? Denn dem wahren Israeliten kann es nicht gleichgültig sein, ob ein Holdheim und Herzfeld oder F. die Landrabb -Stelle erhalte. Was hingegen kann es denen, die am Sabbat ihre Geschäfte treiben, die in allen Wirthehänsern eine schmeckende Küche finden, ihren Kindern keinen Religionsunrerr. erkheilen lassen, frommen, ob ihr Rabb. konservativ oder modern sei? ob derselbe gut oder nicht gut predige? Eine Predigt kann nur bei frommen und religiösen Menschen wirken, nicht aber bei solchen, die am Sabbat nach Beendigung der Predigt durch ihre Beschäftigung verhindert werdenüber den Inhalt der Predigt nachzudenken. Solchen Subjekten ist eS weit nützlicher, wenn sie nach Besch lnß ihrer Tages - Arbeit da- Theater besuchen, wo ihnen alsdann eher ein schöner Moral-Gedanke im Gedächrniß bleibt, als wenn sie mitten im Tage sich ein halbes Stündchen von den Geschäften entfernen, und die Predigt hören. Wozu wollen also diese einen modernen Rabbinen, und warum ereifern sie sich so sehr, um jede Stimme zu gewinnen? Gewiß nur, um die Conservativen in ihrem ruhigen Gewissen zu stören. Dies haben auch die friedlichsten Männer eingesehen, und haben nichts anders gethan. als waS ihre Schuldigkeit ist, zu streiten für den wahren Glauben. Die Stimmen-Sammler mögen ihre Hände auf ihre Herzen legen, und sich fragen, wem die Schuld dieses Streites beizumessen ist. Fragt, was sollen die formgläubigen Israeliten in Kurhessen macken, wenn ein Land-Rabb. einen Ritus einführr, der allen wahren Israeliten, die gewähnt sind, täglich das Gotteshaus zu besuchen, zuwider ist? Zn Schwerin, wo Holdh. fungier, haben die frommen Israeliten d«e Ermächtigung erhalten, einen desondern Gottesdienst zu halten, in Kurhessen hingegen ist Privatgorresdienst streng untersagt. Diejenigen hingegen, die nur zuweilen ein halbes Stündchen dem Gottesdienste widmen, des bon ton halber die Predigt zuhören, was haben dieselben verloren, wenn die Predigt auch nicht ganz nach ihrem Wunsch ausfällt? Können die strenggläubigen Israeliten die Entscheidung ihrer kasuistischen Fragen einem unwissenden und gewissenslvsen Rabbinen anvertrauen? Kann die Landgemeinde ihre Schule einem solchen empfehlen? Wie gefährlich ist daher für die Frommen, wenn eine solche Stelle ein Unwürdiger erhält? Mit Frieden segnet Gott sein Volk: Sucht daher den Frieden wieder herzustellen gießet nicht noch mehr Oel in die Flamme, daß dieselbe auch die Landgemeinden ergreife, und die Freundschaftsbande friedlicher Familien zerstöre. Ueberlasset die Bestellung eines Land- Rabb. ganz allein der allerhöchsten Behörde, die gewiß für das wahre Wohl ihrer treuen Israeliten einen tüchtigen Theologen zum Land-Rabb. bestellen werden. -'.-1 "l'2 O'Zvll 2- Mögen die Worte deS Talmuds von Allen beherzigt werdet»: "Q) N212 P'MQ Hz;'r«