Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 12 (16.9.1845)
- Date
- 1845-09-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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99 solch frommes Unternehmen zu unterstützen. Ueber Tendenz brauche ich Ihnen nicht mehr mirzutheilen, der Name beweist hinlänglich, daß es sich hier nur um eine Stiftung handelt, zur Belebung und Förderung des Talmud - Studiums , und somit unmittelbar zum Wöhle der Gesammt-Neligion. Zn diesem Sinne war das erlassene Circulär abgefaßt, derselbe Sinn schaffte in kürzester Zeit die nöthigen Geldmittel herbei. Solche Theilnahme spricht beredter, als Bogen voll oratorischer Floskeln, daß Zndifferentismus und Unglaube noch nicht die heilige Religion aus dem Herzen französischer Juden verdrängt haben. Ungarn. Papa. Herr Samuel Schlesinger und zwei seiner der Reform huldigenden Freunde legren mehreren Fragen zur Begutachtung vor, die mehr oder weniger von religiöser Bedeutung waren, jedenfalls aber mit den hiesigen Verhältnissen in genauer Verbindung standen. Ueber diese Fragen kamen Gutachten von den bekanntesten Herren Docroren und Nabbinen der modernen Richtung, unter denen wir: Maier, Philippsohn, Ab. Cohn, Geiger, Holdheim, Samuel Hirsch, Heß, Aub, Kahn, Herxheimer, so wie Steinka, Pillttz, Zipzer, letztere drei aus Ungarn selbst. Sämmtlicye Gutachten wurden von den obenerwähnten Herren Vorkämpfern dem Drucke übergeben, und unter dem Titel: „Zulässigkeit und Dringlichkeit der Synagogcn- Rcform", überall vertheilt. Bemerkenswerth ist das Gutachten d. H. Abr. Lohn zu Lemberg um so mehr, als dieser Geistliche früher selbst ein treuer Anhänger jenes modernen RabbinismuS war, jetzt sich indeß folgendermaßen äußert: „Sie erlauben mir, meine geehrtesten Herren, die „vorgelegten Fragen vom allgemeinen Standpunkte „aus zu behandeln, als dieser maaßgebend für jede „einzelne Frage erscheint. Die Erhaltung und Färde- „rung unserer Religion und die Belebung ihrer Institutionen müssen unser erstes und letztes Ziel bei allen „neuen Einrichtungen sein; wenn diese auf das Prä- „dicat „jüdisch - religiöse" Anspruch haben und eines „ernsten Kampfes werth sein sollen. ES ist jedoch „keineswegs so leicht zu bestimmen, ob der Geist, der „im Zudenthume gewisse Neuerungen hcraufbeschwört, „ein heiliger, von Gott ausgehe"der oder ein rrügeri- „Außenseite zu blenden, durch Nivellirung und Gletch- „machung den Beifall der christlichen Welt zu erlangen „strebt, was allerdings von der größten Bedeutung ist, „da der Geist, der eine Institution ins Leben ruft, „auf ihre Wirksamkeit den entschiedensten Einfluß har." Sehr bemerkenswerth schließt auch der wizrdige Her? Seelenhirke sein Gutachten: „Die Abstreifung solcher „Aeußerlich'eiten bringt für Israel noch nicht Heil, „daher ist es jedenfalls gerochener von derartigen Neu- „erungen abzustehen, so fern sie das Zurrauen und die „Eintracht untergraben, und zu unheilbringenden „Streitigkeiten führen." Während es diesem würdigen Seelsorger so ernst mir seiner Beantwortung zu thun war, glaubte sich Herr Hirsch berechtigt, der zweiten Frage noch hinzuzufügen: „Wir beten zu viel, und „haben zu viele Zusätze an Sabbat und Festtagen"; darüber wurde ja H. Hirsch nicht befragt, und: „Was deines Amtes nicht ist, da laß deinen Vorwitz." Was Hr. Philippsohn bewogen haben mag, mit solcher Zuversicht zu erklären: „Das Nichrlragen lederner Schuhe am 2'' ist Ueberbleibftl und kann mit Recht beseitige werden" — worin die übrigen Herren nicht mir übereinstimmen — wissen wir nicht, jedoch konnten wir von einem Rabbinen, dessen Kenntniß von Talmud und Poskim nicht älter ist, als sein Rabbiner-Diplom, kaum mehr erwarten, und fordern ihn auch zu keiner gründlichen Erörterung auf*); abgesehen davon, daß von Autorität und Zutrauen bei einem Manne der, durch heillose, auf Mystifikationen beruhende Imriguen alle Streitigkeiten in unserer sonst so friedlichen Gemeinde hervorgerufen, der sogar den Grabeshügel unseres seligen, hinübergegangenen, würdigen Nabbinen mit Dornen und Stacheln besäet, gewiß die Rede nicht sein kann. Nur noch schließlich, daß die Gutachten der drei ungarschen Miniatur-Rabbinchen für uns von keinem Werths find, denn wenn uns auch die irdische Hülle unseres *) Merkwürdig bleibt es jedenfalls, daß ein Rabbiner, der die Mischna ivsn zum Behufs des Deutsch- Betens, bis zum Ueberdruffe Wiederkäuer, die Mischna ^2271^21 ^'2X21128 2"> nicht einmal den, Namen nach kennen sollte.