Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 12 (16.9.1845)
- Date
- 1845-09-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2625941-2626064-2626076--0111-2627604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Colmar 1× ep/1047872
OCR text
98 Candidakcn zu haben; früher selbst Bewerber um das dortige Nabbinar, jetzt aber mir seinem Herrn und Meister ausgesöhnr, woraus von selbst hervorgehet, daß man sich ungestraft Manches erlauben darf. Zum Bezirke dieses RalbinatS gehört das nahtgelegene S., eine Gemeinde voll strenger Ncligiösirät, durch frühere Se.lenhirren gekräfrigt für jüdisch-religiöses Leben. Diese Gemeinde, unterrichtet von der laxen Neiigiösträc des Schächter Rabbinats - Candidaten , so wie seines Bruders, der ebenfalls Schächter, beschloß darauf einstimmig , von K — n kein Fleisch mehr kommen zu lassen. Darüber entrüstet, forderte der Rabbiner Erklärungen über das entdeckte Complort. Diese werden gegeben, und strenge Untersuchung von Seiten der Gemeinde S. beantragt. Statt aller Untersuchung kömmt nach kurzer Zeit der Bericht des Nabb. zurück, mit der Erklärung: „Alles sei wieder in gehöriger Ordnung, man dürfe wieder Fleisch von dort essen. Die Gemeinde indessen beruhigt sich nicht mir diesem Rabb.-Erkennrniß, sie kann keine weitere Schritte unternehmen; deshalb schweigt sie — aber bezahlt ihr Fleisch mit einem Nr. lheurer, und läßt es von dorther kommen, wo die Schächter keine Nabb.-Landidaren sind. Zn der Umgegend war das Ereigniß bald bekannt, und was war die Folge? Viele unserer Reichen, alljährlich gewöhnt, auf einige Wochen nach K — n zu gehen, gaben unter solchen Umständen die gewöhnte Erholungs-Reise auf, und wir begegneten manchen Bekannten, der auf die Frage: weshalb er nicht in K —n sei, keine andere Antwort hatte, als die, „weil der dortigen '2'.-^ nicht mehr zu trauen sei." Laß darüber spötteln, wer da will, und doch beweist es,— di? Baden. Dreifach. Unser Rabbiner Reis hatte während der Franks. R.-V. erklärt, er besuche selbige im Aufträge seiner Gemeinde, die gesonnen, die beliebten Reformen in der Synagoge und in den sonstigen religiösen Verhältnissen vorzunchmen. Von Frankfurt zurückgckehrr, harre derselbe wirklich nichts Eiligeres zu thun, als den ncugeformrcn Gottesdienst hier einführen zu wollen. Allein bald zeigte cs sich, welches denn eigentlich dre wahre Stimmung der Gemeinde sei. Nicht von Einzelnen, sondern von der Gesammthcit der Gemeinde wurde entschiedener Protest gegen dieses Treiben eingelegt. Rabb. Reis, mit dieser Erklärung nicht zufrieden, wandte sich an die betreffende Behörde. Dieser Tage ist nun der Bescheid erfolgt, die Umgestaltung des Gottesdienstes gegen den Willen der Gemeinde sei unstatthaft; überhaupt habe der Rabbiner im synagogalen oder religiösen Leben keine Neuerungen vorzunchmcn, bis selbige durch „höhere Weisung" sancrionirt seien. So weit ist cs gekommen, das; nur die Staats- Behörden uns gegen unsere eigenen Seelsorger schützen können. D. Vom Ober-Rkein. Die Consistorial - Wahlen sind beendigt; das, worüber man längst außer Zweifel war, hat sich vom Neuen bestätigt. Die Cvnservativen in Frankreich überhaupt, vorzüglich auch im Elsaß, bilden die bei weitem größte Majorität der jüdischen Einwohner, und sind, trotz ihrer Bildung, trotz ihrer bürgerlichen Stellung nicht gewilligt, ihren Gottes-Glauben für ein Phantasie-Gebilde, Zeitgeist genannt, zu opfern. Die Wahlen zu Colmar haben dieses Resultat vom Neuen bestätigt. Lange vorher schon war in der A.Z. d. Z. der Sieg der Reform von hier aus verkündet worden, auch die Niederlage verkünden? Der Repräsentant des Cencral-Consistoriums, Hr. Heimerdinger, ist konservativer Candidar, ebenso Hr. Aaron Meyer, Maire von Durmenach und Herr Emanuel Dicard, Maire- Adjuncr von Harburg, und diese werden das Consistorium zu Colmar bilden. Nur eine progrcssistische Wahl konnte durcbgcsctzt werden) nämlich die d. Hrn. Werrh zu St- Marie, der indeß selbst die Stimmen vieler konservativer Norabeln erhielt, da er der Gründer zu befürchten stand, daß derselbe sich für berechtigt halten würde, jemals etwas gegen die Religion zu unternehmen. — Dom Nieder-Rhein. Recht bald werden wir hrer ein blühendes AIION haben. Mehrere Privatmänner haben sich aus eigenem Antriebe vereint, ein solches zu begründen, und den Fond bereits herbeigeschaffr. Die Commünen haben ebenfalls ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen.