Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 12 (16.9.1845)
- Date
- 1845-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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95 Mäßigkeit nicht zu verkennen, deren Leitung indeß in falsche, schäoliche Hände gerathen, zu betheiligen, und selbst, etwa bei der nächsten Versammlung zu Breslau, in überwiegender Majorität Hie Leitung jener Versammlungen zu übernehmen. Jede Versammlung erhält aber ihre wahre Bedeutung sowol durch die numerische Anzahl der durch sie Vertretenen, ganz vorzüglich aber durch die Idee, die der Nolhwendigkeit des Versammelns zu Grunde lag, durch den Geist, der die Versammelten belebte. Daß Zusammenhalten, Einigkeit unter den schwierigen Zeit-Umständen eine besondere Pflicht jüdischer Geistlicher sei, wer möchte das in Abrede stellen? Haben nicht gerade die 116 bewiesen, daß sie die Nothwendigkeit der Vereinigung anerkannt? Haben sie nicht entschieden durch dieselbe gewirkt? Und bedurfte es dazu einer Versammlung? Die Idee der Versammlungen war von solchen Geistlichen ausgegangen , deren mehr oder minder radikale Tendenz schon sattsam bekannt, der Geist der bisherigen Versammlungen hat dieser Grundtendenz überall so entsprochen, wie es nicht anders erwartet werden konnte, und jetzt sollten die Orthodoxen die Leitung derselben durch ihre anerkannte Majorität übernehmen, und )ene reformatorische Minorität aus dem eigenen Hause verdrängen? Was wäre wol die nächste Folge davon? Jene Minorität würde natürlich ganz ausscheiden, und sich in veränderter Gestalt vom Neuen selbstständig constituiren, — und dann hielten wir ungefähr da, wo wir jetzt halten. Also! Dieser, solcher Rabbiner-Versammlungen bedarf die Orthodoxie nie und nimmer, ihre Aufgabe kann es nicht sein, den verderbten Geist, den gesunkenen Credit jener zu purificiren, wieder zu heben, von einer Betheiligung bei derselben kann nicht die Rede sein. Genug, man weiß, der Geist jener Versammlungen ist bereits gerichtet durch allgemeine Desavouirung, man ist sich selbst seiner Stärke bewußt, die, wenn es räthlich erschiene, mit jedem Jahre denselben den letzten Todesstoß zu geben vermag, aber nochmals — keine Vereinigung, kein Ehrbarmachen. Um indeß unfern Lesern Gelegenheit zu geben, mit dem Verfasser aus eigener Anschauung näher bekannt werden zu können, unterlassen wir cs nicht, beifolgend einzelne Auszüge ans seinem Schriftchen mitzutheilen. Zuerst hören wir ihn über die Tendenz der Versammlung sich so äußern: Ihre Tendenz ist eine destruktive. Ein Paar Duodez - Rabbinerchen und Predigerchen, die, geschmückt mit dem Doctortitel ziemlich hoch die Nase tragen, setzten sich zusammen, um sich über Israels Religion zu berathen, und kommen endlich auf den köstlichen Einfall: um sie erhalten zu können, müsse man sie vorerst — abschaffen! — Von Vornherein sagt schon ein solches Rabbinerchen über einige Aufträge, e. §. '->22 2^ri u. a.dieß wären Kindbettzettel! — Ein Prediger meint, zu den M22 von denen, beiläufig gesagt, keine einzige ihn noch incommodirte — könnten noch ähnliche 6L3 Ge- und Verbote hinzukommen, wobei freilich der Fall sein könnte, daß eines der neuen Verbote lautete: „Prediger, du sollst nicht schimpfen!" welches dem Herren Prediger nicht sehr angenehm wäre, denn es dürfte ihm dann an Stoff zu Predigten, Bücher und Berathungen fehlen. — Sämmtliche, die da waren, Frankel, Schott, u. einige Wenige noch ausgenommen, wollen abrogiren, abschaffen, auslassen, wegstreichen; Keiner etwas Positives geben. Dem Eineu ist der Sabbat zu viel, dem Andern uv, dem Dritten die Speisebeschränkungen, dem Vierten ivvp .-ivinw, dem Fünften der Sechste weist (?) ü In Strauß nach, daß Dieses oder Jenes in der heiligen Schrift interpolirt sei! Und von einer Tendenz, die eine destruktive ist, soll das Judenthum sein Heil erwarten? — Nimmermehr! — Ueber die Beibehaltrtng der hebräischen Sprache beim öffentlichen Gottesdienste und somit über das Lehren derselben in den Schulen stimmt man mit „Nein!,, ab, weil man keine sogenannte „schöne > '^2braucht! Nun wären es, ich muß eS eingestehen, in einem Privatzimmer prächtige Witze gewesen, die einen geistreichen Mann bekundet haben würden; in einem Rabbinerversammlungssaale aber, Angesichts eines, wenn auch kleinen Auditoriums, findet dieß sicher jeder gutdenkende Leichtsinnige und von destruktiver Tendenz zeugend. — Herzfeld, Landrabbiner zu Braunschweig, Schüler und Rabb. Adj. vom sel. Eger muthet der heil. Schrift nichts weniger zu, als daß dieselbe nicht ganz von Gott sei; Rabbinismus ist ihm „Unsinn!" So kommt den» Nabba-