Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 11 (9.9.1845)
- Date
- 1845-09-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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heit der Selige die Theorie der Reform mit der Praxis zu verbinden wußte! Das mögen die hauptsächlichsten Species deS Reform-GeschlechtS sein — jedoch giebt's Viele, die in niedlichen Schattirungen von einem in die andre hinübersyielen. Schwer ist's, jedem seinen bestimmten Platz anzuweisen, denn oft vereinigt sich in Einem Individuum auf erfreuliche Weise Ignoranz, Indifferenz und Comödienton. Wer dann etwa a!S Mitglied aller 3 Gassen genannt zu werden verdient, dem wird gewiß die hohe Ehre nicht entgehn, seinen Namen in den Jahrbüchern der Reform doppelt und dreifach unterstrichen zu sehen, und an Addressen wird's dann wohl bei ihm nicht fehlen, — die jetzt der Verdienstvolle neben dem Unverdienten zu erhalten pflegt« Vielleicht machenwir im Laufe der Zeit noch andre naturhistorischeBemerkungenüber Reformen und sind dann im Stande, noch andere Species hinzuzufügen — vielleicht verschwinden aber auch die „Reformen" nur zu bald von dieser Erde. Fliegen fängt man mit Arsenikpapier, die Eintagsfliegen des Neformgeschlechres fangen sich auf ihrem eigenen giftgeschwängerten Papier, aus dem oft toller Unsinn in wirbelnden Kreisen sich dreht und sich gegen sich selbst zu empören scheint. Ach, dann bleiben ihnen die stolzen Fittige kleben und eS ergeht ihnen, wie so manchen Insekten, die dem Lichte zu nahe kamen und sich daran die Flügel verbrannten. Denn für manche Leute ist manch Licht zu hell und ihre blöden Augen wollen dann das Licht gar nicht anerkennen und der Mund sagt — es sey nicht da. Aber gescheute Leute sehen es glänzen und lächeln! Schließt sich Her moderne Rabbinismus dem Staate wirklich mehr an, als eS «ach Meinung der Frankfurter Rabbiner - Versammlung das orthodoxe Iudenthnm thut?? von G. L. Der moderne Rabbinismus muß doch trotz feiner vielfachen Dankaddressen, trotz der ungeheuren Marktschreierei und Selbst - Rezensionen auf ungemein schwachen Füßen stehen! Mit ängstlicher Besorgniß hascht er nach Mitteln, ja er läßt keines, auch nicht das kleinste, nicht daS kleinlichste unversucht, um sich für legitim rm^rklären, und mir einem Eifer, der fast an SeWWMlrgnung grenzt, die aber der befangene AmMDlUch Kriecherei und Speichelleckerei nennt, sucht erblich bei dem Staate einzuschmeicheln, sucht er mit ^Gewalt dem Staate die Anerkennung seines Werthes aufzudrängen. Ob er dabei als kleinlicher Ankläger seines Volkes aufrritt, ob seine Gründe auch nun einen erborgten Werth haben, ob diese Gründe gar das Gepräge einer verdeckten Lüge an sich tragen,— dies sind Rücksichten, über die sich der moderne Rabbinismus gern hinwegsetzt, wenn er dabei nur in Lobhudeleien über sein liebenwürdiges Ich ausbrechen, und von seinem hohen Werthe reden kann. So stellte er unter Andern auch bei Gelegenheit der R.-D« die curiose Behauptung auf: daß die Bitte um Wiederherstellung deö jüdischen Reiches deshalb aus den Gebetbäusern schwinden müsse, weil durch diese Bitte der Patriotismus beeinträchtigt und abgestumpft werde. — Nicht um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, nicht um als kleinliche Ankläger und Denuncianten des modernen Rabbinismus herabzusinken, sondern einen Vorwurf von uns abzuwälzen, der durch seine Unwahrheit eben so verletzend auf der einen Seite, wie er lächerlich und hervorgesncht auf der andern Seite ist, sei der Zweck gegenwärtiger Zeilen. Wenn auch eigentlich die Dauer der Zeit, daß sich die Bitte um Wiederherstellung des jüdischen Reiches in den Gebetbüchern findet, eine nähere Erklärung fast überflüssig macht, indem es wahrlich um uns, um unser Judenthum sehr traurig ausgesehen haben würde, hätte es in der ganzen großen Zeit, wo jene Bitte sich in den Gebetbüchern findet, keinen Patriotismus unter Israel gegeben, und hätte dieser nicht erst 1815, und noch dazu, von dem modernen Rabbinismus erweckt werden müssen, so möchten wir nur doch einmal die Frage stellen: „Was ist jene Bitte?" Wellte der moderne Rabbinismus sich nur bequemen, zu denken, würde er nur wissen, was es eigentlich ist, worüber er den Stab bricht, so würde er auch hier, bei weniger Unkenntniß, bei minderer Ignoranz, die Beantwortung jener aufgestellten Frage, die Aufstellung jener Behauptung, verworfen