Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 10 (3.9.1845)
- Date
- 1845-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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82 als treffendes Bild über die Art der Versammlung dienen kann. „Man will Frauenzimmer religiös emaueipireu, will ihnen die Erfüllung religiöser Pflichten gleich den Männern auferlegen und sie sogar, bei der, zu der Abhaltung eines öffentlichen Gottesdienstes erforderlichen Anzahl von 10 Personen mitzählcn" „Mannichfache Betrachtungen, ernster und komischer Art, muffen sich hier dem ruhigen Beurtheiler aufdrangen, muffen ihn einestheils zum tiefen Kummer, anderntheils zum bittern Spottgelächter zwingen. Männer, die den religiösen Pflichten mehr und minder den Rücken gekehrt, Männer, die sich immer mehr von dem Standpunkt unsers positiven Judenthums entfernt haben, — diese Männer wollen es jetzt verlangen, daß das weibliche Geschlecht, welches von der Ausübung religiöser Pflichten dispensirt ist, dieselben Pflichten die sie, als Männer, denen sie auferlegt, nicht ausüben wollen, handhaben soll! Halten sie vielleicht das weibliche Geschlecht würdiger dazu, als sich selbst? Edles Selbstvertrauen! Oder wollen sie vielleicht, das Judenthum, was sie auf der einen Seite zerstören, auf der andern Seite wieder heben? Fühlen sie es vielleicht, daß bei Männern, die sich nach der Rabbinerversammlung richten, daS Judenthum untergehen müsse, und will man es deshalb durch Frauenzimmer zu erhalten suchen, da man so leicht keine Weiberverfammlung zu furchten hat? Oder gönnen sie es den Frauenzimmern nicht, eben so aufgeklärt, eben so zeitgemäß wie sie zu handeln, da sie das Nicht-Ausüben religiöser Pflichten für aufgeklärt, für zeitgemäß halten? Oder erkennen sie wirklich den hohen Werth religiöser Pflichten in dem Maaße, daß deren Erfüllung sogar eine „Emancipation" ausmache, warum nicht zuerst sich und dann Andere emancipiren wollen? Warum denn jemand über den Krebsgang Vorwürfe machen, indem man selbst rückwärts geht? Diese Fragen werfen sich unwillkührlich auf, wenn wir vom religiösen Standpunkte aus diesen Antrag beleuchten, wenn wir demselben einen religiösen Beweggrund unterlegen. Allein — allein — mir scheint t^>ch ein anderer Grund im Spiele zu sein, der mir nach dem Sinne der Versammlung am natürlichsten erscheint. Die Aesthetik ist die Mutter der Galanterie, und da man weiß, welchen großen Werth die Versammlung darauf legt, so steht es gewiß zu erwarten, daß der Antrag nur in diesem Sinne geschah, daß man aus reiner Galanterie, aus reinem Schönheitssinn für Damen diesen Antrag stellte! — Es lebe die Aesthetik, es lebe die Galanterie! — Allein unbegreiflich bleibt es mir, wie Männer von solch hohem Schönheitssinn, von solcher gründlichen Aesthetik dennoch einen so groben Verstoß dagegen machen konnten indem sie gleich auf das Gespräch über Damen eine Debatte über das „Vorurtheil gegen die Schweinezucht-« folgen ließen. Ei, ei, Ihr ästhetischen Männer in Frankfurt, das war sehr ungalant von Euch! Hättet Ihr noch wenigstens anstatt des Wortes „Schwein" den Ausdruck „Schinkenlieferanten" gebraucht, der hätte doch nobler geklungen, und man hätte Euch nicht so leicht den Vorwurf machen können, daß Ihr Euch mit „Vieh" abgegeben!!" — (Beilage zur Franks- O.-P.-A.-Zcit. vom 28. Juli.) „Victoria! Victoria! Endlich ist es eingetroffen, endlich hat sich verwirklicht, was die Herren in Frankfurt lange in einem seligen Traum einge<- wiegt, endlick ist sie da, die heißersehnte, lang erwartete Dankaddreffe-und folglich hat nun die Versammlung ein Ende!!" Hamburg. Der hiesige „Correspondent" krackte in seiner No. 208 folgende Erklärung des Dr. Salomon: Ich erkläre die Zeitungsnachricht in No 4 d. Dl. „Der treue Zione-Wächrer" aus dem Kurfürstenthum Hessen datirt, für eine grobe Lüge. Nie in meinem Leben, also auch nicht in Cassel, habe ich um die Srlaudniß, predigen zu dürfen, nachgcsucht. Ucberakl, wo ich in einer fremden Gemeinde eine Predigt hielt, mußte die bctheiligre Behörde oder der Vorstand, zu diesem heiligen Geschäfte mich mündlich oder schriftlich auffordern, und das geschah auch in Cassel. Wenn die Redaktion des gedachten Wächters nicht besser über ihre Correspondenten wacht: so wird der Verrath an der Wahrheit sich bald rächen, und jene Blatter werden noch vor dem Herbst welk werden und den Weg alles Fleisches gehen. Hamburg, den 21. Angust 1845. Vr. Gotthol- Salomo».