Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 10 (3.9.1845)
- Date
- 1845-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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80 lichen Hand anzulegen, welche daS Erhabene so weit herabzogen, um es durch ihre Hände besser zu formen! Gerade, als ob Israel sich nach deren Weisheit gerichtet halte oder als ob sie es nur im Stande sein konnten, Nachahmung zu erwecken — nein, Gott sei tausendfach gepriesen, so verderbt ist unser Zeitgeist noch nicht." „Blickt hin und seht den orthodoxen Juden schon am Freitag, des Spät-Nachmittags, wie eine erwartungsvolle Eile, eine fröhliche Erwartung, ein freudiges Sehnen sein ganzes Ich durchbebet, mit welcher inneren Freude er dann seine Alltagskleider von sich ablegt, als legte er gewissermaßen auch mit diesen sein Alltagsherz, sein von Sorgen und und Kummer heimgesuchtes Gemüth von sich — und er thut's auch wirklich. Mit dem Gang nach der Synagoge, wo er den Sabbath wie eine langersehnte Geliebte bewillkommnet — mit diesem Gang fühlt er sich auch erhaben, beseligt; auf seinen Mienen drückt sich nicht mehr die Sorge, ja oftmals der bittere Mangel des Alltages ab — er will am Sabbath nicht sorgen und sorgt auch nicht. Es ist ein schönes, jedoch aber auch höheres, seltsames Gefühl, wenn wir sehen, wie der arme Jude sich die ganze Woche quält, ja oftmals hungert, darbt, und dennoch seinen Sabbath würdig und mangellos feiert, gerade als ob eine höhere Gewalt darin im Spiele sei, als sei der Sabbath erhaben über menschliches Sorgen — so findet auch der ärmste Jude immer noch so viel, um seinen Sabbath nach Väter Gebrauch begehen zu können. Die Cerernonie ist mit dem Sabbath eng verknüpft, und nennt ihr eS Bedrückung des Geistes, wenn wir die Sabbathgebote um des Sabbatbö willen heiligen, sie heiligen müssen und wollen, wie sie uns vorgeschrieben?! Kurzsichtige! Fühlt ihr es denn nicht, daß der Sabbath ohne diese Ceremonie seine innere Weihe verlieren würde, daß das Gefühl, das Erhebende, das Begeisternde nach und nach ohne diese erkalten werde, erkalten muß? Die bloße Ceremonie macht freilich keinen Sabbaih, jedoch sie steht mit ihm in enger Verbindung, und sie ist der erste kräftige, wenn auch nicht alleinige Schritt zur achten Sabdathfeier. Was, ihr Zeiteiferer, wollt ihr denn dem frommen Juden für -ie Feier seines Sabbaths bieten, welchen Ersatz ihm geben, der ihm diese Feier vergessen laßt?? Etwa eure Predigt? euren Tempel? eure Orgeltöne? Arme geblendete Menschen! legt eure Schätze, eure Millionen zusammen, häuft Pracht auf Pomp, Gold auf Gold, und ihr könnt es glauben, daß ihr dem orthodoxen Juden das Gefühl, die Seele seines Sabbaths damit ersetzen könnt?" Und so wurde eine Versammlung beschlossen, die, außer den trüben Betrachtungen, die sie dem fühlenden Juden erpressen mußte, doch die traurige Bestätigung einer Zeitfrage uns gewaltsam aufdrängte: Was ist das moderne Judenthum?? Und die Männer in Braunschweig haben es euch, ihr fühlenden Israeliten, genugsam bewiesen, genugsam das Wort, das traurige, tief verletzende, euch zugerufen: Cs ist Götzendienst!;! Denn unfern Glauben, unsre heilige Religion haben sie herabgezogen bis zu einem Götzenbilde, das die Menschenhand nach ihrem Gefallen bald aufputzt mit leidigem Flitterstaat, bald ausziehl und anders bekleidet, je nachdem es ihr gefällt! O, Israel! Möchtest Du hören die Worte, die wie Donnergewalt in Deinen Ohren gellen, die Dich erwecken wollen aus Deinem Todtenschlafe: Das moderne Judenthum ist Götzendienst; „Die modernen Herren und Geistlichen verspürten wieder einmal Lust zu reisen*), einige schmeichelhafte Toaste und Dankaddressen in Empfang zu nehmen — und eine Rabbinerversammlung schien hierzu der beste Vorwand. Eine Rabbinerversammlung! Eine zweite Rabbinerversammlung! -schallt's durch alle Gauen Deutschlands — und der liebenswürdige Magdeburger, jener redacteurartige Rabbiner, oder besser jener rabbinerartige Redacteur, seelensvergnügt, nebenher einige Spalten seines rabbinerartigen, oder noch besser, seines rabbinerunartigen Orgänchens ausfüllen und seine ganze Force im Gebrauche von Schimpfreden produciren zu können, stieß in die oftmals erprobte Posaune lärmender Marktschreierei—und siehe! — die lieben unschuldigen Schäfchen, erkennend das be- *) Nichts natürlicher als dies; Geiger hat ja auf die Gründung eines Fonds für fic angetragen.