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Der treue Zionswächter · 1845-09-03 · 10 (3.9.1845) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
10 (3.9.1845)
Date
1845-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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78 jetzt die frommen Stamm- und Mutter-Gemeinden Israels, daß die Millionen altgläubiger Juden in allen Theilen der Welt, daß selbst die Tausende jener Bedauernswerthen, die d. h. gegen ihren Willen der Obhut solcher Seelsorger anvertraut sind, die ihn vollbracht und täglich vollbringen, den Verrath gegen Gottes heilige Religion, daß diese Alle, sagen wir, jetzt ihren Glauben verläugnen, und verläugnen, und auf die neue Liturgie verfaßt von: Stein, Geiger, Maier, Salomon und Herzfeld schwören würden? Solcher Verrath war gewiß nicht zu befürchten. Demnach bedürfte es keines weiteren Protestes, keiner Nichtigkeits-Erklärung der neueren Beschlüsse, die nothwendige Folge der vorjährigen sind, mithin derselben Beurtheiluug auch anhcimfallen. Und dennoch schweigen, — schweigen darf die Orthodorie von nun an nimmermehr. Wir wollen nicht das erwähnen, daß man solchem Schweigen alsbald die unlautersten Absichten unterlegen, daß man es hier als Schwäche, dort als Mangel an Uebereinstimmung bald genugsam ausposaunen, daß man den Triumphgesang anstimmen würde über den etwaigen Zwiespalt, ausgebrochen im Lager der Glaubens- Vertheidiger, das sind nur äußere, mithin bei Weitem untergeordnete Rücksichten. Aber die Meißner«, den Trug zu entlarven, sie zu bekämpfen, da, wo sie sich zeigen, den destruktiven Bestrebungen überall Widerstand zu leisten, sie zu zeigen in ihrer kahlen Nacktheit und Leere; solches Streben war, einmal ausgesprochen, nicht mehr zurückzunehmen, und in diesem Sinne durfte auch jene Versammlung ihrer wahrhaften Würdigung nicht entgehen, mußte sie Ln ihrer Ohnmacht und Verwerflichkeit den Augen des Volkes dargestellt werden. Ob es indeß dazu eines nochmaligen Protestes bedarf, ist eine Sache, die hier weder berührt werden soll noch kann, da der Zeitpunkt jedenfalls ein verfrüheter ist und den zunächst Betheiligten selbst überlassen werden muß. Wichtiger indeß als das „Ob"? ist die Frage: „Wie" kann u. darfdie Orthodorie der Neologie entgegentreten? Da meinen und erwarten die Einen, es handle sich um Ansichten, um Argumente, die hier vorgcbracht, dort widerlegt, hier angegriffen, dort vertheidigt werde« müßten; kurz, der Kampf sei ein rein wissenschaftlicher, nur auf dem Felde jüdischer Wissenschaften sei er auszugleichen. Deshalb hatten sie dafür, die Beweisführung der Neuerer sei zn widerlegen mit Beweisen aus dem Gebiete des Talmuds selbst, ihre überall anerkannte Unzulänglichkeit im Gebiete des talmudischen Wissens mache den Kampf desto leichter, ihre Ueberwindung desto sicherer. Aber, entgegnen wir, handelt es sich denn hier wirklich um einen rein wissenschaftlichen Kampf? Wissenschaft ist Product menschlicher Erkenntniß und Forschung, hier auf allgemeine Naturgesetze, dort auf Erfahrung begründet, einmal in kategorischer Nothwendigkeit, dann wieder in subjektiver Freiheit beruhend. Verhält es sich etwa eben so mit dem Glauben? Der Glaube setzt ernste, innige Ueberzerrgung voraus, so innig, daß ich selbst alsdann noch glaube, d. h. überzeugt bin, wenn ich nicht weiß, d. h. wenn mein Glaube mit den Resultaten meiner eigenen Vernunftbegriffc nicht übereinstimmt. Daher ist es möglich, daß Glauben und Wissen sogar in lebhaftesten Widerspruch stehen; da aber mein Wissen nur menschlicher, mein Glaube, mein jüdischer Glaube aber rein göttlicher Natur ist, deshalb muß ich Ersteres überall, wo Collisions-Fälle eintreten, dem Letzteren unterordnen. Unser jüdischer Glaube gebietet uns, überzeugt zu sein von der Wahrhaftigkeit und Göttlichkeit der Tradition, nicdergelegt im Talmud. Gerade diese Tradition läugnen aber die Reformer, treten somit aus dem Bunde des Judenthums heraus, und wir sollte» auf diesem Gebiete, mit diesen Waffen gegen sie kämpfen? Angenommen, wir bewiesen ihnen klar und bündig, bewiesen ihnen unwiderleglich aus dem Talmud, daß sie, Beispiels halber, erlaubt; wie kann der Talmud beweisen, da man ihn selbst läugnet. Und gesetztcnfalls man würde dennoch auf die Beweisführung eingehen, man würde sich sogar über das ,-»D HN M 1D2N V11p'2d< L7O O^lp'2^ hinwegsetzen, ist es nöthig, zu beweisen, wo geglaubt werden muß? Hieße es nicht, unser menschliches Wissen an die Stelle göttlicher Allweisheit setzen? hieße nicht, sobald ich nur glaube, was ich beweise, daS göttliche Gesetz Preis geben dem Jrrthume der Befangenheit, der Mangelhaftigkeit menschlichen Wissens? Gar manche Thesis kann aber darf dennoch nicht bewiesen werden. So hieße z. B.

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