Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 9 (26.8.1845)
- Date
- 1845-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Kämmerlein eben so willkommen ist, als aus prunkenden Gotteshäusern, so ist es aber dennoch reichhaltig anerkannt, wie erhebend ein gemeinsamer Gottesdienst, ein würdiges Gotteshaus, zur Ehre und zum Lobe des Allbarmherzigen auf Mensch' und Menschheit einwirkt. So waren unsere Synagogen beschaffen— und vergüte, alte, herkömmliche Gottesdienst, in dem Gemüth und Herzlichkeit, Herz und Seele vorherrschend waren und noch sind, übten einen mächtigen Zauber auf das wahrhaft fühlende Herz, gerade, weil es sich frei bewegen konnte, gerade weil nicht jene ängstliche, knechtisch eingegranzte Regel vorherrschend war. Man war beglückt, ja eine erhabene Größe spiegelte sich auf den Gesichtern ab, wenn die orthodoxen Juden ihre Synagoge verließen — und woher kam dies? Weil nicht der eitle Wahn die Herzen berhörte, weil der Zeitgeist «och nicht die Herzen abgestumpft, weil man fühlen, weil man beten wollte, und man fühlte, und man betete. Doch wie gesagt, Gefühl und Herz gehört ja nicht zum Zeitgeist — und so ging es auch leider bei ihm verloren.^ „Der einzige Haltpunkt, auf den sich jene Tempelvereine stützen, ist: Man müsse dem heutigen (also religiös verwahrlosten) Juden durch einen Gottesdienst, der demselben wehr zusagt, als der synagogische, einen letzten Haltpunct bieten, um bei ihm dadurch wieder religiöses Gefühl zu erwecken (also schläft es) und ihn so dem Iudenthum zu erhalten suchen." „Ich gestehe, der Zweck ist ein wahrhaft schöner, ein wahrhaft edler, und lebhaft fällt mir bei Erwähnung der Tempelvereine ein Verein ein, der bei gleichem edlen, menschlichem Zwecke gleiche Anerkennung verdiente: ich meine den Verein zur Besserung entlassener Sträflinge. Er hat den Zweck, moralischsittlich Gesunkene auf die Bahn der Tugend zurückzuführen, und gicbt es wol ein schöneres Bewußtsein? So auch die Tempelvereine." „Wollt ihr, wie der vr. Salomon auf der Nabbincrversammlung (siehe später) Ln Braunschweig durch jenen widerlichen, herbeigezogenen Calcmbourg, „daß derselbe Juden kenne, die mit ungeheurer Bebarrlichkcit die sämmtlichen Sabbath-Traktate hersagten und nachher 2 Ellen statt 4 verkaufen," wegen ein paar Einzelner eine ganze Nation verdammen? Wahrlich, man muß die Localkenntnisse Salomons bewundern, welche derselbe unter der Classe der Heuchler hier so herrlich bekundet! Nur zu, mein tapferer Ludowico, schlage nur Lärm mit Deinen Kenntnissen jener Menschenclasse, ja, ich will Dir vollkommen darin beipflichten, daß man weniger Einzelner halber eine ganze Nation verdammen müsse, und Du wirst nach Deiner Ansicht es ganz in der Ordnung finden, wenn ich Dir einige ähnliche Worte zurufe, als Du auf der Rabbinerversammlung sprachest. Doch, ich bin kein Redner, mir fehlt Dein schöner Wortschwall, Deine Priesterwürde, und nur in einfach schlichtem Deutsch höre ich die Worte: Ach, ich kenne viele jener modernen Zeiteiferer, die mit einem ungeheuren Pathos lärm^ schlagen: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst," ja ich kenne Viele, die die ganze Basis ihrer gerühmten Religion auf dieses eine Gebot begründen wollen, und dann eine ganze Familie darben lassen, deren Hunger sie durch 8 Schillinge stillen können. Ich habe niemand namhaft gemacht, ich habe ganz nach Ihrer Art gesprochen, Herr Doctor, jetzt richten Sie so, wie Sie in Braunschweig gerichtet Betreten wir dagegen die Tempel, auch dann werden sich dem fühlenden Herzen Gefühle einer gewissen Scheu bemeistern — jedoch es ist nicht jene heilige Scheu, die inbrünstig gefühlte Ehrfurcht, wie beim Betreten der Synagoge, nicht jenes hinreißende Gefühl zur Andacht — nein, wir werden nur beängstigt, eingeschreckt fühlen. Wir werden es gleich finden, daß wir in einem Gebäude sind, wo alles auf den Effect berechnet ist, wo man die Andacht erzwingen, wo man sie gewissermaßen mit den Haaren herbeiziehen will. Ach, jenes kalte, schneidende Ceremonielle, jener sogenannte Gottesdienst in Glacehandschuhen, muß dem religiösen Gemüth als unserer Religion entwürdigend erscheinen. Das Auge kann nur die feine Etiquette, die prunkende Eleganz bewundern, aber das Herz muß gefühllos bleiben, kann nur beengt, beängstigt, doch niemals aus tiefster Seele zur Andacht hingerissen werden, doch — was rede ich von Gefühl, von Herz und Seele, was rede ich von Gemüth und Andacht, die soll man ja hier gar nicht, finden, das liegt ja gar nicht in den Absichten des Tempels — und man findet sie auch, nicht. Es ist ja. hier we-