Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 9 (26.8.1845)
- Date
- 1845-08-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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so manchem wahrhaften Worte des Derf. eine noch allgemeinere Verbreitung zu geben, ist es dem Zwecke dieser Blatter gewiß angemessen, einzelne Auszüge aus besagtem Schriftchen hier mitgetheilt zu finden. In dem ersten Abschnitte, wo der Verfasser „von dem modernen Judenthume, seinem Ursprung und Fortgang" spricht, läßt er fich unter Anderm so vernehmen: „Es fehlte nicht an jener Classe von Menschen— oder wenn ich sie so nenen darf — an jener Classe von Geistlichen, denen die verschrobenen Ideen beschränkter Alltagsgeister den Namen „aufgeklärt" zulcgen. Jetzt wurde es zur Ehrensache, angefacht durch die Sucht, berühmt oder mindestens berüchtigt zu werden, um jeden Preis Anhänger zu finden — jedoch man füklte es wohl, daß man mit dem wahren Entstehungsgrund ihrer Ansichten die bloße Bequemlichkeit zur Stillung viehischerBegierden nicht durchdringen könne, und es mußte zu einem radikaleren Mittel Zuflucht genommen werden. Man erklärte jetzt die ganze ceremonielle Religion, die Jahrtausende bestanden — für null und nichtig, man erklärte sie durchweg als Contrast mit dem jetzigen Zeitgeist, ja die Frechheit ging so weit, sie sogar Hierarchie und Tyrannei zu nennen, blos weil es dem Zeitgeiste oder der Mode so beliebte, und das was früher gewissermaßen als ein religiöses Vergehen erachtet wurde — beschönigte man jetztdurch das Prädicar: Zeitgeist, zeitgemäß. Konnte es nun an Anhängern fehlen? Nahe dich einem Kinde, wenn es auch mit innig zärtlicher Liebe am treuen Mutter- Herzen, am trauten Ellernhause hängt, male ihm die Ferne mit den lieblich glänzenden Farben eines Verführers, male ihm die liebevolle Strenge der Mutter als Tyrannei, male ihm die zärtliche Aufsicht als Knechtschaft, male ihm die kleinen Opfer, welche der kindliche Gehorsam erheischt, als Unterdrückung des Geistes — sage mir, Leser, kann das Kind nur einen Augenblick gustehen, dir zu folgen? Wird cs dich nicht flehend bitten, es zu befreien aus dem Joch, das du ihm so kraß geschildert? Wird es nicht freudig das Elternhaus, das theure, geliebte, nie zu ersetzende, verlassen? Es kann nicht anders, und so war es auch hier. Denn Kinder waren es, welchen hier das Wort der Verführer geworden, Kinder, zwar körperlich mannbar, doch noch Säuglinge an dem treuen Busen der Religion, Kinder, denen das gebildete neunzehnte Jahrhundert das Bedürfniß der französischen Sprache eingeimpft hatte und sie so die Grundlagen der Religion, des geheiligten Glaubens verabsäumen ließ, Kinder, die es vergessen hatten, daß es außer irdischer Gluckjeligkeit, außer prunkender Geistesbildung noch eine treue mütterliche Fürsorgerin, eine liebende Freundin, eine wohlthätige Trösterin im Unglück giebt, daß die Religion, der tiefe, inbrünstig gefühlte Glaube über alles Erdenglück erhaben dasteht. Ach, vielfach habe ich augenscheinlich religiöse jüdische Eltern gefunden, die mit freudigem Stolze ihre zehn- und zwölfjährigen Kinder zeigten, die schon fertig französisch und englisch sprachen, Wunderkinder in der Musik und sonstigen Wissenschaften waren —und als man sie fragte: wie weit die Kinder in der Erkenntniß der Religion, des Judenthums vorgeschritten seien, dann achselzuckend antworteten: daß die Kinder vorläufig noch zu sehr von diesen Wissenschaften in Anspruch genommen seien — doch nächstens damit anfangen sollten, Religionsunterricht zu nehmen.— Arme, geblendete Eltern, Ihr, die Ihr schlaflose Nächte Euern Kindern opfere, die Ihr oft, mit Entziehung Eures Nöthigsten, mit bangender Sorge Eure Kinder erziehet, Ihr, die Ihr Eure ganze dereinstige Hoffnung auf diese Kinder gesetzt habt — o, möchtet Ihres doch fühlen, ehe blutige Thränen Euch mahnen, daß es zu spät ist, möchtet Ihr es fühlen, daß die Religion, der Glaube unsere Stütze, unser Wegweiser durch das ganze Leben ist, daß, wendet Ihr nicht Eure Sorgfalt gerade auf diesen Unterricht— Ihr Euren Kindern das wieder tausendfach entzieht, was Ihr ihnen so liebevoll geboten! — Ans diese Weise mußte natürlich die Theilnahme an jener neuen Secre sich vergrößern." Im zweiten Abschnitt: „Ueber Synagogen und Tempel" finden wir folgende besonders hervorznhebende Stellen: „Die Verehrung des höchsten Wesens, das Gebet, hat wohl von jeher die Hauptbasis aller Religionen gebildet, und wenn anch der Vater droben ins Herz siehet, wenn auch das reine, inbrünstig gefühlte Gebet das fern von jeder Heuchelei sich den Weg durch die Lüfte nach seinem Himmelsthron bahnt, dem unbestechlichen Richter aus dem stillen