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Der treue Zionswächter · 1845-08-26 · 9 (26.8.1845) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
9 (26.8.1845)
Date
1845-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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72 lasse? worauf die Antwort gegeben wird: Hillel habe ja die Anordnung nur für jetzt ftattfindende Erlaßjahre getroffen, das selbst rabbinische Anordnung war "Os NM (da mosaisches Schebiith nur stattfindet, wenn Jobel eristirt, was aber zur Zeit des zweiten Tempels vermöge der Bestimmung ^21' nicht der Fall war, eonf. Maim C. 9 u. 10 v. Schemitta Wejobel); und selbst das würde Hillel nicht gethan haben, wenn es nicht, wie aus der Mischna in Schebiith erfichtlich, das einzige Vereinigungsmittel gegen die Uebertretung des mosaischen Verbots: „Hüte dick, deinem dürftigen Bruder nicht leihen zu wollen" (5 Mos. 15,7—5) gewesen wäre. Und wollten wir auch Hr. PH. um der guten Sache wegen das Alles ignoriren — was bewiese Prusbul? Hier tritt ja, wie Rabba an angeführter Stelle bemerkt, der Grundsatz 1PLN "!"2 "P2N ein, daß in Besitzu. Vermögenssachen das ordnungsmäßig eingesetzte frei verfügen könne. Endlich muß auch noch Rabbi Verschon (muß heißen Gerschom) herhalten und dem Herrn PH. »ölen» volens den Beweis an die Hand geben, daß durch die Offenbarung bestimmte Kultformen durch Menschen aufgehoben werden dürfen, wenn sie dem Zeitgeiste nicht zusagen, — denn Rabbenu Gerschom bat — die Polygamie (und auch die Bigamie) verboten. O der Jämmerlichkeit, die sich nicht scheut, zu solchen Rabulistereien ihre Zuflucht zu nehmen! Wo hat denn Moses geboten, zwei Weiber zu heirathen? Enthält etwa ihr Bibelwerk (dem es, wie ich mich uachzuweisen anheischig mache überhaupt an groben Schnitzern nicht fehlt) ein solch Gebot? Wo nicht das so haben noch andere weise Gründe Z"-, bewogen, als N1OLD*) (eonl'- Jebamoth 21, wo also wiederum von keinem j-s'I die Rede sein kann) das zu verbieten, was wir ohne direkten Verstoß gegen ein mosaisches Gesetz unterlassen dürfen. Wo aber da eure Spur von Beweis, daß durch die Offenbarung bestimmte Kultformen durch Menschen aufgehoben werden können? Wo finden Sie, Herr v>. und Rabbiner, wo finden Sie, und dazu noch mit einer Gewißheit, die wir Orthodoren (denn den sogenannten rationalistischen Juden brauchen Sie nichts zu beweisen, diese haben schon längst mit der That bewiesen) nicht bestreiten sollen, in Mikra, Mischna und Talmud, daß das Judenthum der Rabbinen die Umgestaltung der geoffenbarten Kultformen nach dem geistigen und geschichtlichen Zustande Jsrael'S gestattet? Wir sagen es Ihnen ein für alle Mat, Herr I)r.: Alles, was Sie bisher aus Bibel und Talmud nachzuweisen Vorgaben, ist nichts, als Sand in die Augen derer gestreuet, welche Ihre Argumente nicht prüfen, Ihre Citate nicht nachschlagen können; wir besser unterrichteten Orthodorcn aber finden in Ihren leitenden Artikeln nichts, als leidige Unwissenheit im Gebiete jüdischen Wissens oder — Verblendung. Zeitungsnachrichten. Hamburg. Unter dem Titel: »Höre Israel! Das moderne Judenthum ist Götzendienst! Ein dringendes Wort an meine Glaubensbrüder, von vr. Gustav Lonis Emilssohn", ist dieser Tage hier eine kleine Schrift erschienen, die der Beachtung wol würdig. Entfernt von allem und jedem gelehrten Wesen, von dünkelhafter Vornehmthuerei, von archäologischemPhrasen- Reichthum, spricht der Verf. in einfacher, populärer Volkssprache treue Worte, dem Herzen entquollen, gewiß ihre Wirkung auf das Herz nicht verfehlend. Und nur von Thatsachen ausgehend, die zu verbürgen, für ihre Wahrhaftigkeit aufzukommen, er sich anheischig macht, darf es uns nicht wundern, wenn hie und da moderne Persönlichkeiten und Zustände, ihres Nimbus beraubt, mit scharfer Feder gezeichnet, nicht gar zu glimpflich behandelt werden. Nicht der Maaßstab gelehrter Kritik darf an solche gemächliche Herzensergießungen gelegt, nicht jedes einzelne herbe Wort alsbald für Persönlichkeiten genommen werden, was sie empfiehlt, ist eben ihr Freimuth, ihre Zuversicht, ihre Wahrheit. Sind sie nunwas hier der Fall ist, in das Gewand gefälliger Sprachformctt gekleidet, mitunter beißend, den verwundbarsten Fleck der Gegner treffend, dann werden sie ihren Einfluß auf das Publikum gewiß nicht verfehlen. Es ist ein günstiges Zeichen, nach langer Zeit des Schweigens und Duldens, überall jetzt das Wort erheben, zu Gunsten des gekränkten, gemißhandelten, unterdrückten Glaubens die Gegner mit ihren eigenen Waffen schlagen zu sehen. In diesem Sinne, und um

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