Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 8 (19.8.1845)
- Date
- 1845-08-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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65 86 Jahre vor Josia lebte, die Bamoth zerstören ließ (1!. Kön. 18, 4). Die Verordnung Josias, (!l. Kön.) bezieht sich blos auf das Finanzielle der Priesterschaft und des Kultus, über welches, wie über ähnliche äußere Rechte der König allerdings mit unumschränkter Gewalt verfügen konnte, nicht aber auf den innern Kultus, vielweniger noch auf die Priesterwürde; und insofern hat die Stelle U. Chron, XX!V., 16 keinen Widerspruch.— Daß zu Samuel's Zeit an verschiedenen Orten Opferstätten sich befanden, stimmt ganz überein mit der mos. Lehre »denn die Ruhe und daS von Gott auserwählte Erbtheil" oder das ewige Nationalhciligthum waren noch nickt vorhanden, „von der Zerstörung Schilo's bis dahin sind die Höhen erlaubt gewesen", wie das auch Raschi, Redak u. Nalbag zu 1. Sam. VI!., 9 ausdrücklich bemerkten, und woher es denn auch kommt, daß erst nach dem Tempelbau zu Jerusalem das Opfern auf Höhen von den Geschichtschreibern getadelt wird. — (Beschluß folgt.) Der Verfall Israels zur Zeit der Tempel - Zerstörung re. (Beschluß.) Wäre indessen die Verirrung Israels nur eine verneinende gewesen, hätte es nur den Dienst des Herrn verlassen, und wäre den Weg seines freien Willens gewandelt, seine Verirrung würde zwar groß, doch nur eine einfache, und darum auch leichter heilbare gewesen sein. So verschlechtert ist selten ein Menschenherz, daß nie eine Mahnung zur Besserung in-ihm rege würde, daß nicht in Stunden der Prüfung die Stimme des Gewissens in ihm erwachte. Und was ist natürlicher, als daß der Erdensohn dann, entkräftet und ermattet von dem übersättigten Erdenwallen, sich nach einer Scelennahrung sehnt, und den verlassenen Glaubeusborn wieder aufsucht, an ihm sich zu laben. Gefährlicher aber ist die Verirrung, die Falsches an die Stelle des Wahren, Menschliches an die Stelle des Göttlichen setzt, und den Verirrten mit dem Netze des Unglaubens umstrickt, aus dem RuM'hr um so schwieriger ist, weil selbst das erwachende Gewissen nicht das Falsche mehr zu erkennen vermag. Darum klagt der Herr: „ein doppeltes Nebel hat mein Volk begangen, mich, die Quelle des ewigen Wassers haben sie verlassen, um sich Eisternen zu graben, löcherige Cisternen, die kein Wasser halten." Auch euch gilt diese Klage, Dolksvcrderber der Jetztheit, die ihr Israel von der lebendigen Quelle des ewigen Wortes entfernt, ihm nichtiges Menschenwerk dafür zu bieten, die ihr ihm Eisternen grabt, in die ihr etwas aus verschlammten Brunnen gesammeltes Wasser gießt, seinen Geist damit zn laben, während ihm die vom Herrn geöffnete Quelle seiner heiligen Tora in ewiger Frische sprudelt. Und was ist euer Machwerk, ist es haltbar? wird auch nur der kleine Theil, der euch zu seinem Verderben Zutrauen schenkt, auf lange sich daran ergötzen? Ach nein, es sind löcherige Eisternen, die auch das wenige hineingcbrachte Wassernicht halten. Was der Geist des Herrn nicht belebt, welkt dahin, und ist mit seinen Erfindern bald spurlos verschwunden. * Und endlich sind wir dahin gelangt, was unser Tcrt als die letzte Ursache des Glanbensverfalls andeutet — die mißverftandne menschliche Freiheit. Freiheit wird so oft als das lockende Panier entfaltet, um welches man Thoren sich schaaren läßt, sie desto leichter zu beherrschen, und ihren Witten in Fesseln zu schlagen. Weil mit freiem Willen und Sinn der Sterbliche geboren, darum sollte es der menschlichen Würde nicht entsprechen, sein Gesammtleben unter das Joch des Glaubens zu beugen. So ließ die Sprache der Verführung sich ehemals, wie jetzt, vernehmen. Aber der Herr spricht: „ist Israel ein Knecht denn, ein hausgcborner Sklave?" Ist der Dienst meiner Religion denn wirklich ein sklavischer, ein, die wahre Freiheit beengender? Ist der freier, der von den Banden der Genußsucht verstrickt, im dunkeln Kerker der Sinnlichkeit schmachtet, oder vielmehr ist es nickt der, welcher freiwillig dem Rathe seines himmlischen Vaters folgend, mit Freuden dem entsagt, was ihn zn sehr an die Erde kettet, und seinen geistigen Aufschwung zur Glückseligkeit hindert? So wäre denn gezeigt, wie die Vermahnungen, die 'der Prophet im Namen deS Herrn,