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Der treue Zionswächter · 1845-08-05 · 6 (5.8.1845) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
6 (5.8.1845)
Date
1845-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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48 Gottes unterordnen müssen, und mögen durch Beobachtung des Tephillin-Gebotes heilige Gedanken in uns angeregt, sündige und lasterhafte von uns entfernt werden, so daß es den Anlockungen des Versuchers nicht gelinge, uns zu verhindern, unserm Gotte zu dienen, wie es der Wunsch unsrer Herzen ist u. s. w." Auch stabil können und dürfen wir uns nennen, da wir, wie oben gezeigt wurde, des Glaubens sind, daß die uns geoffenbarte Gesetzgebung für ewige Zeiten unveränderlich und stabil bleiben müsse; aber wir bekennen uns darum nicht desto weniger für den Fortschritt in Allem, was auf Religion, keinen Bezug hat. Stabilität und Fortschritt sei demnach die Devise des orthodoxen Judenthumö. Fortschritt in Zivilisation, Industrie, Künste und Wissenschaft; Stabilität aber im Religiösen, in Beobachtung unserer heiligen Gesetze, wie sie uns vom allerhöchsten ewigen Gesetzgeber offenbart, und seit Jahrtausenden überliefert worden sind. J..l B...k. Über Tradition. Von L. A. Als Moses die heilige Schrift von der göttlichen Gnade erhielt, wurde ihm neben dieser schriftlichen, noch eine mündliche Lehre zu Tbeil, und zwar sollte diese mündliche Belehrung, dem ausdrücklichen Willen des göttlichen Gesetzgebers zufolge, stets eine mündliche bleiben. Sie sollte nie niedergeschrieben werden, und nur von den Ältesten und Lehrern des einen Geschlechts, dem folgenden treu und unverfälscht überliefert werden. Möglich, daß der allweise Gesetzgeber sich dieses Mittels bediente, damit die heilige Lehre nicht bloßes Werk des Gedächtnisses werden sollte, die jeder in seinem Buche Nachlesen könnte. Durch dieses Mittel sollte vielmehr der Schüler an den Lehrer, das jüngere Geschlecht an das Alter gefesselt werden. Das lebendige, dem Herzen entströmende Wort des für das Heilige begeisterten Lehrers, wird sich nicht allein dem Gedächtnisse des Schülers einprägen, es wird ihm vielmehr an's Herz dringen, seinen Eifer für die heilige Sache anfachen und ihn erst recht fähig machen seiner Bestimmung. So war der Wille des heiligen, göttlichen Gesetzgebers. Als aber im Laufe der Zeiten der jüdische Staat als solcher aufgehört hatte, die Juden über die weite Erde sich zu zerstreuen angefangen, der Centralpunkt sich nicht erhalten konnte, die Synodal-Behörde aus Jerusalem gewichen war, da traten die Ältesten und Weisen, die Häupter des Volkes, die für seine Zukunft besorgt waren, zusammen, und beschlossen, zur Erhaltung eben dieser göttlichen Lehre, gestützt auf die Autorität eines vorhandenen, göttlichen Gesetzes, die Tradition niederzuschreiben; und ihrer weisen Fürsorge haben wir es zu verdanken, daß das göttliche Wort uns nicht ein unverständlicher, todter Buchstabe geworden ist. Bei der schriftlichen Darlegung unserer uralten Tradition, beobachteten sie indeß die Vorsicht, solche so abzufassen, daß man der Hülfe eines Lehrers dennoch nicht entbehren könne. Sie suchten auf diese Weise zu verhüten, daß nicht dem Zwecke dieser niedergeschriebenen Tradition entgegengearbeitet, daß sie ihrer Nothwendigkeit desto mehr entspreche. Es kann in unsere Seele nicht der Verdacht gerathen, daß die hinterlassene Tradition, sei es auch nur theilweise, oder selbst in einem einzigen Ausspruche nur verfälscht oder untergeschoben sei, da die Lehren desselben nicht auf Theorieen beruhen, vielmehr eine reine praktische Richtung angenommen haben. Es war daher den weisen Ordnern der schriftlichen Tradition unmöglich gemacht, hätten sie es,— was natürlich nicht der Fall war — auch gewollt, etwas Neues, und bisher nicht Gelehrtes, dem Volke als göttliches, traditionelles aufzubürden, da doch sonst jeder Einzelne gefragt haben würde: Wie können wir dies oder jenes als göttliche, dem Moses offenbarte Lehre anerkennen, da wir doch von unfern Eltern und Voreltern nie derogleichen üben gesehen haben. Aber gerade in dieser Tradition, Uebertragung, Ueberlieferung des von jeher im Volke heilig Geachteten, als göttlichen Ursprungs streng Vollführten, lag zugleich Bewährung und Anerkennung für den schriftlich niedergelegten Schatz, handelte es sich doch nicht darum, eine neue Autorität zu begründen, vielmehr die längst als göttlich

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