Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 6 (5.8.1845)
- Date
- 1845-08-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Reformisten ehrlich genug, offenherzig zu gestehen, daß sie das Judenthum abschaffen wollen, so hätten die frommen Rabbinen sich geradezu ausdrücken können, „die Interessen des Judenthums zu wahren"; da aber jene ihre Prinzipien für Judenthum ausgeben, so halten diese mit Recht es für nothwendig, für unsere heilige Religion einen besonderen eigenen Namen zu gebrauchen, um uns von den Reformisten zu unterscheiden. Es wäre aber zwecklos, mit ihnen darüber zu streiten, ob sie berechtigt seien, ihre Lehre Judenthum zu nennen, nennen doch die Karaiten ihre Lehre das ächte Judenthum, ohne daß wir es für nöthig erachten, ein Wort dagegen zu verlieren. Uns genügt die Erklärung, daß alle diese Judenthume nicht die unsrigen sind, und daß wir mit ihnen allen keine Gemeinschaft haben. Unter den vielen Schimpfnamen, mit denen die Reformisten uns Anti-Reformisten bezeichnen, als Zeloten, Obskuranten, Fanatiker rc., giebt es drei Benennungen, die wir uns selbst auch beilegen können. Diese sind: Orthodore, Formgläubige und Stabile. Wir können und dürfen uns Orthodore nennen. Denn ist auch der eigentliche Begriffder Orthodoxie, Rechtgläubigkeit in dem Sinne, wie derselbe gewöhnlich als Gegensatz der Heterodorie, Verketzerung der Andersdenkenden gebraucht wird, dem Judenthume fremd, und in demselben blos eine gleichförmige Handlungsweise gefordert, eine gleichförmige Denkweise aber für unmöglich gehalten indem die Denkungsweise der Menschen, nach dem Ausdrucke unserer weisen talmudischen Lehrer, nothwendig eben so verschieden seien, wie unsere Gcsichtszüge 17 7M11 sl'1121212 2IL2 1^ 17 »"Mil ^1'IIZN sX - so ist demungeachtet die so oft wiederholte Behauptung der Reformisten, daß das Judenthum gar keine Dogmen habe, eine falsche und irrige. Wir haben nicht allein Glaubenslehren, die seit Jahrtausenden von allen jüdischen Gläubigen allgemein anerkannt sind, sondern auch solche, mit deren Negirung man aus dem Judenthume austritt, zu welchen letztern unstreitig auch der Offenbarungs-Glaube gehört: der Glaube, daß Gott nicht etwa als Leiter der Weltbegebeuheiten, große Geister erweckt hat, um religiöse Institute neu einzuführen, sondern daß er seinen heiligen Willen unmittelbar auf eine, der menschlichen Vernunft unbegreifliche Weise unseren Vorfahren am Berge Sinai durch den größten aller Propheten, unfern Lehrer Moses geoffenbart, und mit ihnen einen Bund geschlossen hatte, seine geoffenbarten Gesetze zu beobachten. Unsere Vorfahren haben durch freiwilliges Eintreten in diesen heiligen Bund für sich und ihre spätesten Nachkommen*) die Verbindlichkeit übernommen, alle diese geoffenbarten Gesetze nach der ebenfalls geoffenbarten Erklärung derselben 1111 streng zu erfüllen und zu beobachten; der Jude, welcher diese Gesetze ganz oder theilweise, oder auch nur irgend eine überlieferte Erklärung, eine Tradition, 77A 77-77^ 1^2»X 17 für keine göttliche Offenbarung anerkennt, und für nicht verbindlich erklärt, hat diesen heiligen Bund gebrochen, und ist aus dem Judenthume getreten, 7,72 '77 12"! '2 1/21X 21712.-1 1'lF »'1771 121 11122 »1X1 Demnach sind uns die Ausdrücke, „Judenthurn" und „orthodoxes Judenthum" identisch. Wir können uns auch Formgtäubige nennen, da wir allerdings glauben, daß die geoffenbarten Formen dem Judenthume wesentlich sind, und von allen Juden beobachtet werden müssen, obgleich es eine Unwahrheit ist, daß uns die leeren Formen allein genügen, vielmehr lehrt uns unser Glaube, daß jede, auch noch so geringfügig, noch so bedeutungslos scheinende Form auf unsere moralischs Besserung Einfluß üben müsse, wie schon die Vvrgebete zu jeder formellen religiösen Handlung zur Genüge beweisen, wovon ich hier als Beispiel das Vorgebet bei Anlegung der Tephillin anfuhre, dieses lautet: „ich bereite mich vor zur Anlegung der Tephillin, d. i. der vier Abschnitte der Tora, in denen die Lehre der Einheit Gottes enthalten ist, und die uns an die Wohlthaten und Wunder, welche er unfern Vorfahren bei dem Auszuge aus Mizrajim erzeigt hat, so wie auch an seiner unbeschränkten Macht und Weltregierung stets erinnern soll. Wir sollen sie anlegen am Arme, gegenüber dem Herzen, und am Haupte, als Zeichen, daß wir die Gelüste unsres Herzens und unsrer Gedanken dem Dienste 1 ixi 1x71 m:i ix 1112 i^x 2212122ix x'? -2 '.1 'Ü2^21'.1 121!,' .12 n 12'X »IX '2 »1X7-1.17X1 -Ci"' 1"22'121) -LI'.-. 1!v!7.121^'X IL'X »1X1111^