Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 6 (5.8.1845)
- Date
- 1845-08-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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46 eine sociale Einrichtung ist, haben, ihrer Meinung nach, nicht Unrecht, dieselbe des Fortschritts und der Entwickelung sähig zu erklären; wären sie nur auch ehrlich genug, ihre Definition des Neligionsbcgriffs offenherzig einzugestehen, und die nach ihrer Denkweise definirte Religion nicht sür Judenthum ausgeben zu wollen. Die Religion des Judenthums ist zwar keine antisociale, d. i. den socialen Einrichtungen widerstrebende, wie ihre Feinde sie darzustellen suchen, allein sie ist auch keine sociale, d. i. von der Gesellschaft ausgegangene Einrichtung, sondern ist, unserm Glauben nach, eine vom Allerhöchsten uns geoffenbarte, auf ewige Zeiten verbindliche und unveränderliche Gesetzgebung, und daher weder einer Entwickelung, noch eines Fortschritts fähig. Allein auch abgesehen davon, sehen wir in allen Reformversuchen, m was immer für eine Nüance sie sich auch kundgegeben, als konservativ, gemäßigt oder radikal, gar keinen Fortschritt. Die Frankfurter Reformisten, die unter allen noch die ehrlichsten und offenherzigsten sind, haben sich geradezu für den Rückschritt erklärt, und sind nicht blos bis vor der Zeit der Talmudisten, bis vor der Zeit Mosis, sondern bis vor der Zeit unseres Stammvaters Abraham, bis zur Zeit seines heidnischen, unbeschnittenen Vaters Terach zurückgeschritten; daß aber auch die kleinlichen, theatralischen Reformen bei den öffentlichen gemeinschaftlichen Gebeten*) Rückschritte zu nennen seien, gedenke ich in einem eigenen besonder« Aufsatze auseinander zu setzen; hier genüge die Bemerkung, daß nicht allein der Frankfurter Reform - Verein, sondern auch andere Reformisten schon früher in den Zeitblättern erklärt haben, daß sie in allen diesen pomphaften Forcen keinen Fortschritt erblicken. Blos einen einzigen *) Ich habe absichtlich den Ausdruck »Gottesdienstvermieden. weil der Gottesdienst im Judenthume nicht auf die Synagoge beschränkt ist. und nicht allein die häusliche Privalandacht, sondern auch jede gottgefällige Handlung dem Juden Gottesdienst ist. Die Nahrung, die ein Jude zu sich nimmt, und wofür er seinem Schöpfer vor und nach dem Genüsse danket, ist eine vom Tische des Herrn genossene Speise. 1^X2 (Aboth, 3 Abschn.. Mischna 4) Fortschritt habe ich in den neuen Tempeln oder sogenannten Chorschulen bemerkt, und dieser bestehet darin, daß der Almemor oder das Vorlesepult der Tora von der Mitte des Locals bis oben an die heilige Lade siix, worin die Gesetzrollen aufbewahrt werden, fortgeschritten ist. Ließ ist nun allerdings ein Fortschritt, aber ein sehr beschränkter, denn der fortgeschrittene Almemor mußte wieder stabil bleiben, und wollte er noch ein Paar Schritte vorwärts schreiten, so stoße er an die Wand, es sei denn, sie brechen die heilige Lade durch, um den Almemor sammt den Gesetzrollen aus der Synagoge und aus dem Judenthume hinaus sortschreiten zu lassen. Wenn wir Anti-Reformisten aber auch in Beziehung auf Religion stabil zu bleiben erklären, so soll uns dieß nicht hindern, in Allem, was keinen Bezug auf Religion hat, dem Fortschritte zu huldigen. Daß wir bis setzt in Industrie, Kunst und Wissenschaft im Vergleich der civilisirten Welt zurück geblieben sind, war nicht die Schuld unserer religiösen Stabilität, sondern die der Barbarei eben dieser civilisirten Welt, die unserm Fortschritte überall Schranken setzte. Nunmehr aber, da die Humanität diese Schranken durchzubrechcn angefangen hatte, so wollen wir das Versäumte mit verdoppeltem Eifer nachzuholen suchen. Die frommen Rabbinen, die sich nun vereinigt haben, ein Zeitblatt, unter dem Namen ..treuen Zions - Wächter", ins Leben zu rufen, um die Interessen des orthodoren Judenthums zu wahren, und dessen Grundsätze wissenschaftlich motivirt darzustellcn, haben demnach keineswegs dem Judenthum Etwas vergeben, wie der witzige Berichterstatter von der Elbe, (Orient No. 24) uns so gerne bereden möchte; und eben so wenig haben sie mit dem Ausdrucke, »orthodores Judenthum" die Bekenntnisse der Reformisten und der Rabbiner des Braunschweiger Concils als Judenthnm anerkannt. Daß die Mitglieder dieser Vereine Juden sind und bleiben, ist allerdings wahr, denn es gibt keine Macht, die einen Juden vom Judenthume auszuschließen vermöge, so wie Niemand die Macht hat, sich vom Judenthume lossagen zu können, xi,-! L'M; allein dieKaraiten sind es nicht weniger, deswegen ist ihr Bekenntniß uns aber kein Judenthum. Wären die