Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 5 (29.7.1845)
- Date
- 1845-07-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2625941-2626064-2626069--0040-2627526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 mit und seit ihrem Entstehen das personificirteJudenthum war, unterscheidet sich in ihrer heutigen Stellung, den verschiedenen dasselbe bekämpfenden Parteiungen gegenüber, dadurch, daß Religion und Judenthum ihr feststehende, unwandelbare Begriffe sind; feststehend, gegenüber den vermeintlichen Anforderungen einer schwachen, irregleitcten Zeit, unwandelbar, gegenüber hochmüthigcr Menschen-Weisheit, Eitelkeit und Eigennutz. Wenn demnach von den verschiedenartigsten Seiten und Richtungen her gegen den Bestand dieser göttlichen Religion angekämpft, wenn dieselbe, um jeden Preis, aus ihrer unantastbaren Stellung herausgerissen, dem Prozesse der Zeit und des wandelbaren, mangelhaften, menschlichen Wissens übergeben werden sollte, dann hieße die Aufgabe der Orthodoxie nicht Stillstand,— da man nie fortgeschritten war, nie fortschrciten konnte und durfte — sondern Widerstand. Widerstand gegen dieses zerstörende Treiben, das, wenn auch die Religion als! solche kaum berührend, dennoch, im Vereine mit vielen andern mitwirkenden Ursachen, so manchen Unbefangenen, Arges weder Ahnenden, noch sich Versehenden, in die Netze des Zweifels unwiderruflich verstrickt, ihn ans eine Bahn geführt, wo Rückkehr wol möglich, aber äußerst schwierig ist. — Es ist in der neueren Zeit hie und da die Frage aufgeworfen worden, weshalb von Seiten der orthodoxen Rabbinen, denen doch unmöglich die bestehenden Zeitverhältnisse, das Streben des modernen Nabbinismns weder unbekannt, noch unberücksichtigt geblieben sein konnten, nicht früher bereits energische Schritte geschehen, diesem unheilvollen Streben entgegenzutreten, in vereinter Macht sich zu erbeben, es frei und unumwunden, im Angesichte der treuen Gemeinde Israels auszusprechen, was es für ein Bewandniß habe mit jenem so lärmenden, pomphaft auftrctcnden Getriebe, wie nicht Diener Gottes, sondern Baals-Priester, Lügen- Prophctcn, unkundig des Gesetzes, unwürdig der Lehre die seien, die überall sich ausgcbcn, als die Läutere?, als die Verbesserer der Gottes-Religion? Doch scheint uns, ein Auftreten von Seiten der Orthodoxie, mit einer Energie, mit einer Einigkeit, wie es jetzt geschehen, früher weder rathsam, noch statthaft gewesen zu sein. Was auch bis dahin geschehen sein mochte zur Ausbreitung der reformatorischen Prinzipien, in Wort und That, es war ausgegangen von Einzelnen, war berechnet für Einzelne/ jedem Einzelnen lag es ob, wie und so weit die Gelegenheit sich dafür darbot, diesen Einfluß zu bekämpfen, von seinem Standpunkte aus unschädlich zu machen. Erst dann, als man sich überzeugen mußte, daß hier planmäßiges, verabredetes Zusammenwirken im Spiele sei, als man klar damit hervortrat, man wolle diese Reformation des bestehenden Judenthums überall ausdehuen, wolle ihr eine Gesetzes - Autorität gewinnen, versinnlicht und repräsentirt durch jährliche Synoden, die Beschlüsse fassen, veröffentlichen und aus deren allgemeine Einführung hinwirken sollten; da war es an der Zeit, solcher maaßlosen Arroganz, gepaart mit der ausgesprochenen Absicht, den Ruin des ewigen Judenthums, um jeden Preis, herbeizuführen, fest und entschieden entgcgenzutreten. Und so geschah es. Die Verwerflichkeit jenes Strcbens, die Nichtigkeit der Beschlüsse, die Unbefuglheit und Unwissenheit derer, die sie ausgesprochen, wurde von einer imposanten Majorität erklärt, einer Majorität, hochbewährt und anerkannt, wo es sich um jüdisches Wissen, um jüdisch-religiöse Zustände überhaupt handelt. Und damit das einmal ausgesprochene Wort wiederholt und erneuert werden könne, so oft gegnerisches Streben cs als nothwendig erheische, damit sie nicht immer stumm und wehrlos hingenommen werden müßten, die grenzenlosen Ncrläumdungen und Schmähungen, der Derrath, der gegen Judcnthum und dessen treue Diener überall angesponnen wird, damit endlich ein Mittelpunkt sich bilde für das gesammte Interesse des wahren, religiösen Judenthums, vorzüglich auch für den organisirlcn Widerstand gegen die gewaltsam hervorgerufene Bewegung, wurde das Organ begründet dessen ausgesprocheneTendenz diese angegebenen Zwecke realisiren sollte. Ausgesprochen, und immer fort ausgesprochen, muß es von nun an werden, wie man keck jener Neuerungs - Partei entgegen treten, wie man ihre wahren Absichten enthüllen, sie in ihrer Leerheit und Blöße darstellen, wie man ihre grenzenlose Unwissenheit an den Pranger stellen, wie man ihrem Zerstören allen nur möglichen Widerstand leisten wolle. Ausgesprochen muß es nun werden, und vorzüglich den treuen Gemeinden Israels