Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 4 (24.7.1845)
- Date
- 1845-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 weil ein Gesetzbuch, den Monotheismus mehr dozirt, als demonstrirt, so beweist gerade, weil diese Wahrheit nicht als das Ergebniß einer Demonstration, sondern einer speciellen Offenbarung, ohne Beihülfe methaphisischer Spitzfindigkeiten in die heiligen Urkunden niedergelegt ist, daß sie den Kern des Iudenthums und sein charakterisches Merkmal ist» 2st auch die konkrete Einheit schärfer ausgeprägt , als die Idealität Gottes, waS allerdings noch im dreizehnten Jahrhundert*) zu der Mißdeutung Veranlassung gab, die Körperlichkeit Gottes sei aus dem Wortsinn vieler Schriftsteller, zu erweisen, so muß man diesen Jrrthum mehr der damaligen Bildungsstufe beimessen, wo man den Begriff der absoluten Geistigkeit noch nicht auffassen, und am Wenigsten diesen mit einer Offenbarung, wie sie die Schrift darstellt, vereinen konnte. — Die zweite Tendenz, die Moral, sagt der Verfasser, könne vom Gesichtspunkte des Rationalismus aus betrachtet, noch weniger im Judenthum begründet sein, denn nicht nur würde in demselben die Aufstellung des absoluten Moralprinzips vermißt, waS die Philosophie als die eonäitio sine «zu» non des Werthes der moralischen Handlungen ftatuirt, sondern viele einzelne Gesetze desselben, so wie der in ihm vorherrschende Geist überhaupt, vertrage sich keineswegs mit jenem Prinzip. Der Verfasser hätte hier noch auf das System mancher Nationalisten aufmerksam machen können, welche dem Judenrhum nur deshalb diese Tendenz zu vindiziren scheinen, weil es nach ihnen ohne den ethischen Gehalt für die Gegenwart ganz ohne Bedeutung sei, indem sie alle ethisch indiffirente Gesetze, die doch den größten Theil des positiven Judenthums ausmachen, als statutarische Staatsgesetze ausscheiden. Viel konsequenter wäre es, wenn sie geradezu, wie Kant, den logisch richtigen Satz auf¬ *) Elias del Medigo (lebte im 15. Jahrh.) drückt sich über den Glauben an die Unkörperlichkeit Gottes folgendermaßen;vX' brv irr ISIV'N 2X pjXI» "^X!". l^LX2 p'1' x>- (Bech. Hadath 15.) '2-' -1XLW '7^2 2052 N2IX 222 V'X2? .".20 122M'» (Jbid. 25.) . Gemeingut geworden, und deshalb habe auch er sic als Grundprinzip unter die Glaubensartikel ausgenommen. stellten, daß, weil die ethischen Gesetze nicht mit der Forderung an die moralische Gesinnung gegeben, sondern nur auf die äußere Beobachtung gerichtet seien, der jüdische Glaube eigentlich gar keine Religion, und seiner ursprünglichen Einrichtung nach, blos ein Inbegriff statutarischer Gesetze sei, -auf welchem eine Staatsverfassung gegründet war. — Als Antipode des rationalistischen Systems, stellt der Verfasser (S. 10) das theosophische auf, welches in unserer Zeit an R. Hirsch einen tüchtigen Vertreter hat. In diesem System, sagt der Verf., würde dem Urtheile der Vernunft, wo sie mit den Resultaten der Religion im Widerspruch ist, alle Kompetenz abgesprochen; nur innerhalb der Grenzen derselben sei die freie Forschung nicht nur gestattet, sondern auch zur Pflicht gemacht, den Geist und die Tendenz der Religion dem klaren Bewußtsein näher zu bringen. Alle Gesetze des Iudenthums hätten nach diesem System ein und denselben Zweck, die absolute Herrschaft Gottes zu beurkunden und bildlich darznstellen, und die Bestimmung Israels sei, das lebendige Zeugniß von der allwaltenden Vorsehung und Herrschaft Gottes zu sein. Diesem System, daS so viele Anhaltspunkte in unseren prophetischen und poetischen Schriften hat, und von dem größten Theile unserer Religionsphilosophen der alten Schule vertreten wird, stellt der Verfasser sein eigenes System entgegen, das er im dritten Kapitel dieser Schrift philosophisch entwickelt, und nach welchem die Haupttendenz des Iudenthums die Eudomänie sein soll, was besonders an vielen Stellen im Deuter, einen nicht zu verkennenden Stützpunkt habe. Mit mehr Recht nimmt aber der Theosophismus an, daß das „Wohlergehen" der heiligen Schrift keineswegs Haupttendenz der Gesetze, sondern nur die natürliche Folge eines sittlich religiösen Lebenswandels sei; er nimmt daher diese auf ein Wohlergehen zielenden Schriftsteller» auch nicht geistig auf, obgleich nach diesem System, durch das Gesetz, ein sicheres Wohlergehn, eine geistige Vervollkommnung tendirt wird. Der Glaube an gewisse Wahrheiten, von denen das Judenthum als Religion im Allgemeinen bedingt ist, ist allerdings, wie es der Verfasser (S. 23) darstellt, der Ausgangpunkt dieses Systems, und die historisch geoffenbarte Idee von der Weltschöpfung