Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 4 (24.7.1845)
- Date
- 1845-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 zurnfen. Sehet Ihr nicht, wie Euer beständiges Laviren, Eure Zugeständnisse nach der einen. Euer Verdammen nach der andern Seite hin, nachtheiliger sind, selbst als ausgesprochener Abfall, indem sie Euch, jeglichen Zutrauens baar, als ein Spielball Eurer eigenen Zerrissenheit und inneren Zweifel darstellen. Und was gewinnt Ihr durch diese farb- und gehaltlose, des Mannes, des Juden, des Geistlichen so sehr unwürdige Haltung? Ihr wollt die Gegensätze vermitteln? wollt das Centrum bilden, dem beide Pole sich nähern, um welches sie sich bewegen sollen? Täuschet Euch nicht? Nicht um menschliche Interessen handelt es sich, da wäre Vermittelung vielleicht möglich; ein Gottes-Kampf ist ausgebrochen, gegen Wahn, Gleißnerei und Menschcnfurcht; hier Uebcrzeugung opfern, hieße Feigheit, schändliche Furcht. Gebet sie auf, diese unhaltbare Stellung, bekennt frei und offen, daß Ihr, Gottes seid, daß menschlicher Ruhm geringe und vergänglich, wo es sich um die Heiligkeit göttlichen Wortes handelt. Fürchtet Ihr die sich geltend machende Stimme des sogenannten Zeitgeistes? In Eurem Innern wohnet eine Stimme, mächtiger tönend, als das lauteste Geschrei begeistert thuender Zeitgenossen, das ist die Stimme des Gewissens, die Stimme der Pflicht, die Stimme GotteS im Menschen. Sie werden Euch zu den Dunkelmännern werfen, Finsterlinge Euch schelten! InderFinsteruiß wandelt der, der irdische Interessen höher stellt, als sein geistiges Wohl, nur der Weg ist dunkel, der befangen in Leidenschaft und Zweifel durch das Leben hindurchführt. Daß Ihr auf uns hören möchtet! (Beschluß folgt.) Beitrag zur Würdigung -er Wirren im Judenthum. Von H. M-s. Leivzig. C. L. Fritzsche 1815. (Beurtheilt von K — m.) Die Richtung und das Streben der Gegenwart, das Judenthum nach dem Grade unserer Bildungszustände und Lebensansichten zu reformircn, während man sich den Schein zu geben sucht, seine Prinzipien in ihrem primitiven Geist aufrecht erhalten zu wollen, förderten neue Ideen zu Tage, deren Substanz auf den Organismus des Iudenthums nur auflösend wirken. Und weil man nicht wie sonst der Spekulation nur den geschlossenen Raum der Theorie anweist, vielmehr die Praris, die Wahrheiten, welche man für solche ausgibt, erst recht zum allgemeinen Bewußtsein bringen soll, so kommen bei so manchen, nur von destruktiven Stoffen geschwängerten Ideen, die Widersprüche und Inkonsequenzen erst recht ans Licht. Die verschiedenen Definitionen, welche der Ausdruck, Iudenthum, zuläßt, tragen noch dazu bei, das Chaos der Ideen zu mehren, unter denen sich nur drei Systeme organisch entwickelt haben, und scientivisch in ihre einzelne Bestandtheile zerlegt werden können. In vorliegender Schrift werden vom Verfasser diese drei Systeme, die er das rationalistische, das theosophische und das religiöse nennt, in ihren scharfen Abgrenzungen, wahr und tren, wie sie uns im Leben und in der Literatur entgegentreten, definirt und ihre mannichfachen Irrthümer nachgewiesen. Unter den vielen Tendenz-Schriften, die gewöhnlich eines schnellen literarischen Todes dahinsterben, und nur entstanden zu sein scheinen, um das Reich der Makulatur zu mehren, verdient die vorliegende, ihres reichen Materials und ihrer scharfen Auffassung, der mit objektiven Gründen bekämpften Ideen wegen, den Lesern dieser Blätter vorgeführt zu werden. Der philosophische Inhalt, und das wissenschaftliche Abstrakte erlauben uns aber nur in gedrängter Kürze einiges hervorzuheben, dem wir unsere Bemerkungen anreihen. Gegen den jüdischen Rationalismus, der die Vernunft als die Höchsts Autorität anerkennt, und die streng philosophische Erkenntniß des Monotheismus und die Moral als die zwei Tendenzen des Judenthums aufstellt, daher aber auch alle ethisch indiffirenten Gesetze als antiquirtes Staatsgesetz von demselben ausscheidet, wendet der Verfasser hauptsächlich ein, daß das Judenthum in feinen schriftlichen Dokumenten keine genügende philosophische Belehrung gedachter Prinzipien enthalte; der Monotheismus werde zwar als eine vorausgesetzte Prämisse berührt, aber nicht erläutert. Können wir nun auch nickt in Abrede stellen, müssen wir dem Verfasser entgegnen, daß die heilige Schrift,