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Der treue Zionswächter · 1845-07-17 · 3 (17.7.1845) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
3 (17.7.1845)
Date
1845-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SS sten Robheit, — wir meinen den Scandal in Schriften und Blättern — die jene Versammlung von Geist« licken des letzten Restes von Würde und Ansehen entkleideten. Der Protest der 116 Rabbinen war keine unbedeutende Thatsache. Die Orthodorie hielt eS an der Zeit, hielt es für Pflicht, ein entscheidendes Wort zu sprechen; es wurde gesprochen, ruhig, ernst und würdig, wie es wahrhaften jüdischen Geistlichen ziemt. WaS hat man nicht AlleS versucht, um die Wirkung jenes Protestes herabzusetzen, zu schwächen. Einmal sollte» eS nur Polen sein; dann kein einziger, der eine regelmäßige Schulbildung genossen; hier soll geflucht, dort in den Bann gethan sein. Von dem Allen aber kein Wörtchen! Die Zahl nahm bedeutend zu, ganz Deutschland ist fast durchgängig vertreten, die Sprache blieb ruhig, aber entschieden. Eine imposante Majorität! Imposant nach außen, wo sie stets im Wachsen, imposant nach innen, indem sie sich, geräuschlos und ohne Prahlerei, immer mehr consolidirt. Indeß im Verein mit dem Reform-Verein, man hätte selbst dieser Majorität noch getrotzt; allein auch diesem ist die Partei der Rabbiner - Versammlung nicht genügend, nicht selbstständig genug. Zu wiederholten Malen wird es offen und entschieden erklärt, man wolle mit derselben nichts zu schaffen haben, sie feien gänzlich von allem Einfluß auf die neuen Reform-Bestrebungen fern zu halten. O der Undankbarkeit! Ohne jene Partei wäre nie ein Reform- Verein und Deutsch-Juden geworden; sie ist so gewiß die wahrhafte Mutter jener, als sie selbst noch, freilich später, dahin gelangen wird, wohin ihr die jugendliche Tochter bereits vorangeeilt. So steht sie denn schwach und kränkelnd da, siegreich nur gegen eine ganz kleine Minorität in ihrem eigenen Schooße, die nicht der Partei angehören, dennoch in ihre gefährliche Nässe sich wagen will. Sie muß es entgelten, muß den Triumphzug siegloser Imperatoren zieren. — Jetzt rben hält die Partei ihr zweites Rendezvous. Die Zahl der Thriluehmer ist gestiegen, wird noch mehr steigen, — allgemeiner Enthusiasmus — Addressen in Unzahl — man wird glänzend fetirt — man nimmt Reisekosten, selbst auf die Gefahr hin, sich nicht mehr der Opfer rühmen zu dürfen, die man für die Erhabenheit der Idee bringt — man debamrt — beschließt, — wenigstens — wieder zusammen zu kommen, sich fetiren und zahlen zu lassen — beschließt, wenigstens noch einmal so vieler Addressen entgegen zu nehmen; und dennoch- Ihr seid wahrhaft nicht mehr gefährlich! Treibet, was Ihr immerhin vor Gott und Eurem Gewissen verantworten könnt; unser Judenthum werdet Ihr, Ihr wahrhaft nicht zerstören! Trocken daS GraS, welk die Blume, aber Gottes Wort eS besteht auf ewig! (Fortsetzung folgt.) Toleranz moderner Nabbinen. Unter dieser Rubrik werden von Zeit zu Zeit Thatsachen dem Publikum mitgetheilt werden, die es außer Zweifel setzen, wie trotz der angepriesenen Aufklärung und Humanität des neuen Rabbinismus, gerade in seinen Reihen so häufig Züge von Intoleranz Vorkommen, nicht etwa gegen fremde Religionsgenossen, bewahre! —davor schützt die Bildung des neunzehnten Jahrhunderts; aber die starren, unverbesserlichen Altgläubigen, die Finsterlinge, sie sind ausgeschlossen von den Gesetzen der Humanitär, hier tolerant sein, hieße unverzeihliche Schwäche zeigen, daß man selbst noch nicht völlig gereinigt sei von den Schlacken des Altherkömmlichen. ES ist dies eine Art von religiösem Jacobinismus, ein Schreckenssystem, die mit Blindheit Geschlagenen, um jeden Preis hellsehend zu machen, eine wahrhafte moralische Tortur. Uns liegen Thatsachen vor, — Thatsachen, für deren Wahrhaftigkeit bewährte Namen uns einstehen, und die wir, falls man unsere Angabe zu verdächtigen sucht, nothgedrungen der Öffentlichkeit Preis geben werden — daß, seit einer Reihe von Jahren zur Zufriedenheit ihrer Gemeinde wirkende Lehrer, entlassen, ohne Pension und hilflos entlassen wurden, weil sie sich den Anforderungen des Land - Rabbinen NM ZU begehen, nicht fügen wollten und konnten; daß Gemeinde-Bedienstete, ja sogar ein Chor-Dirigent abgesetzt wurde, weil er sich von dem gleichberechtigten, alten Rabbinen hatte trauen lassen und ähnlicher Beispiele mehrere. Natürlich hat man es nicht versäumt, hie und da einen Vorwand für die Entlassung zu suchen und zu finden, einen Vorwand, der sogar den Behörden gegenüber geltend gemacht werden könnte; doch

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