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Der treue Zionswächter · 1845-07-17 · 3 (17.7.1845) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
3 (17.7.1845)
Date
1845-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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19 und Iudenthum in diesem Kampfe auf Leben und Tod miteinander begriffen seien, wollen nicht daran erinnern, wie zwischen Religion und Interesse, Kampf nicht denkbar, wollen auch endlich daran nicht erinnern, daß dies Geschrei nach Erleichterungen^ weder vom Volke selbst ausgehet, noch ausgehen würde, falls nicht der moderne Rabbinismus, statt zu beruhigen, künstlich überall die Klagenden ermuntern, ihnen völliges Recht einräumen, umjeden Preis Abbülfe versprechen würde. Aber woher denn sonst die Auflehnung der Zeit gegen die uralte Gottes- Religion? Gerade in der Zeit begründet, hervorgegangen aus dem allgemeinen Ideen-Gange der Meinungen, aus der Geistesrichtung der mehr als materiellen Gegenwart, zusammenhängend, ja auf's Innigste verknüpft, mit so vielen entsprechenden Erscheinungen auf dem Gebiete socialer und politischer Verhältnisse , ist dieser Kampf gegen das religiöse Iudenthum, Product einzig und allein dieser allgemeinen zeitlichen Umstände. Die Männer aber, denen das Heil der Gemeinden anvertrauet, die berufen waren, zu leiten und zu führen die Schwachen und Wankenden durch die Irrwege hindurch und den Zwiespalt des Lebens, wie haben sie ihre Aufgabe gelöset? Es gehört wahrlich kein besonderer Muth dazu, überall dem Geschrei des großen Haufens nachzugeben, miteinzustimmen in sein klägliches Gewinsel, ihn zu belehren, man müsse nur immer sortschreien, um das Geforderte zu erlangen. Uns scheint es um Vieles ehrenhafter, vorzüglich aber dem Geistlichen entsprechender und pflichtgemäßer, die durch Genuß und Interesse — lediglich nur durch diese — aufgeregten Leidenschaften der Massen zu besänftigen und zu beschwichtigen, zu stählen und zu kräftigen den Muth gegen jene Kämpfe des Lebens, zu beleben den Glauben, daß er fähig zu opfern, zu entsagen. — Unsere modernen Rabbinett sind so sehr Kinder der Zeit, daß sie es vergessenwie gerade sie es seien, die vermöge ihres Amtes und Berufes, die Interessen der Ewigkeit, also der Zeitlosigkeit, im Widerspruche gegen die Zeit zu wahren haben. Sie sind so sehr Kinder der Zeit, daß sie um jeden Preis, nur dem Allgemeinen angehören wollen, ohne zu bedenken, daß die Mission des Geistlichen, des jüdischen zumal, einen rein specietten Grund-Charakter an sich trage, der mit jenem Allgemeinen nicht überall Harmoniken kann, häufig zu ihm im Verhältnisse der Opposition leben muß. Um Jude zu sein, ist es durchaus nöthig, das Iudenthum aus dem Judenthume selbst kennen zu lernen. Das haben die modernen Rabbinen nicht gethan. Ihnen erscheint das Iudenthum nur, ein Reflex allgemeiner Zeiten-Bildung, wissenschaftlichen Fortschrittes, dem steten Bewegungs-Prozesse der Menschheit angehörig. Haben sie sich die Mühe nur gegeben , zu forschen über Iudenthum, über jüdisches Gesetz, über jüdische Wissenschaft, aus dem Buchstaben des geoffenbarten Urquells? Sie haben es nicht. Die Erziehung, das Studium der meisten jener Herren, hat sie auf alles Andere mehr hingeführt, als auf jüdisches Studium; sie sind bewandert in manchen Hilfswissenschaften, sind bis zum Erstaunen gelehrt in der Literatur-Geschichte, ihre Archäologie, ihre Namens-Kunde ist weit gepriesen, aber woran es ihnen durchaus fehlt, das ist Kenntniß der jüdischen Wissenschaft selbst, Kenntniß des Talmuds und seiner Commentatoren, Kenntniß der jüdischen Gesetzbücher, kurz, Kenntniß von: O'OVIL und Wo soll da Liebe für eine Religionslehre weilen, die man, ihrem ganzen Umfange nach, nie gekannt, nie gesehen hat? — Die Partei der Rabbiner-Versammlung war es, die bisher, scheinbar den größten Einfluß geübt, am lautesten wenigstens von sich reden gemacht. Die Erfahrung der jüngsten Zeit hat gelehrt, wie sehr das Publikum, wie sehr die Partei selbst, über ihre Stärke und Bedeutsamkeit im Jrrlhume begriffen war. Die vorjährige Zusammenkunft in Braunschweig, nur von dieser Partei ausgegangen, im Interesse derselben unternommen, hat, statt zu kräftigen und zu vereinen, geschwächt und unverbesserlich geschadet. Die Gestaltung als entscheidende Synode, die Manifestation als Organ des Iudenthums, wenigstens des Deutschen, die Hinzuziehung jüdischer Prediger, dieser Zwitter-Geschöpfe des modernen Rabbinismus, die offene Darlegung, nicht sowohl der Verachtung, als vielmehr der grenzenlosen Ignoranz überall, wo es sich um talmudische Wiffenskunde handelte, hatten wenigstens den Vortheil, auch dem Unbefangensten die Augen zu öffnen, diese Partei in ihrer ganzen Blöße darzustellen. Darauf kamen jene Scenen der empörend-

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