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Der treue Zionswächter · 1845-07-10 · 2 (10.7.1845) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
2 (10.7.1845)
Date
1845-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14 Sendschreiben ehrwürdigen Herrn Oberjuristen und Oberrabbinen Salomon Lob Napoport zu Prag, von dem Landrabbinen, vr. Auerbach zu Darmstadt. (Beschluß.) Die Frage, wie ich dazu komme, Sie also anzureden, ich, der ich an Jahren und Kenntnissen geringer bin, als Sie? Diese Frage, ehrwürdiger Amtsbruder, werden Sie sehr leicht zu lösen vermögen, wenn Sie die Achtung ahnen, die ich gegen Sie hege, und den wohlthätigen Einfluß, den, meiner Ansicht nach, Ihr Wort auf viele beunruhigte Gemüther äußern dürfte. Und nicht nur in meinem, sondern im Namen mehrerer meiner College», in deren Brust feurige Liebe für den angestammten Glauben lodert, und der Geist der Wahrheit zu reden drängt, bin ich beauftragt, dieses Wort an Sic zu richten. Ja selbst auf den Fall hin, daß Sie um die Antwort etwas verlegen werden, oder daß Ihnen das zugemuthete Auftreten mit offenem Visir gegen nicht Ebenbürtige unangenehm sein sollte, durfte cs nicht unterbleiben, denn "1122 wo der Name Gottes, wo die Rcl'gion beeinträchtigt werden kann, muß die Achtung vor frommen und gelehrten Männern zurückkehren! Haben Sie vor zwei Jahren, Ihr Urtbcil über den nunmehr zu Grabe gegangenen Frankfurter Reform - Verein mir uns unumwunden öffentlich ausgesprochen, warum nicht auch jetzt, wo wenigstens, dem Anscheine nach, eine größere Eefabr, eine größere Clique unser Thcucrstes auf Erden bedroht, warum nicht jetzt, zur Beruhigung Ihrer erstaunten Amtsgenosseu, und zur Demüthignng derer, die sich erdreisten, „die Schaaren des lebendigen Gottes zu lästern" ein Gleiches thun? Wohl wissen wir, daß Sic hoch- und werthgeschätzt darstehen im ganzen deutschen Israel; doch je höher, desto gewisser gehört, nachdem Aussprache unserer Weilen im Ioma 80 n .2'^ Ihr dermaliges Stillschweigen in dieser Kategorie. Oder haben Sie vielleicht deshalb unsere Protestation nicht adoptirt, weil sie nach Ihrer Ansicht, consequenterweise alle in Ihrer Gemeinde bereits vorgenommenen und noch vorzunehmenden zeitgemäßen Veränderungen in der Gestaltung des Gottesdienstes zu dcsavouiren schien? Eine von mehr als 400 der Angehörigen des hiesigen Land-Nabbiuats uns gerichtete Adresse, bereitet indeß zur Genüge, daß Wir durch das in Rede stehende Aktenstück nicht nur in keinen Widerspruch uns verwickelt, sondern auch die erhebendste Anerkennung dafür gefunden, daß wir es unterzeichnet haben. Doch gesetzt auch, daß Sie unsere Protestation vor Mißdeutungen nicht geschützt glaubten: waren Sie es nicht, nach Ihren Eingangs erwähnten autographischen Worten, der Heiligkeit des Gegenstandes schuldig, Ihre Protestation gegen die Beschlüsse der sogenannten deutschen Rabbiner - Versammlung, wenn auch in anderer Weise, in offener Rede an das gesammte jüdische Publikum auszusprechen? Haben Sie dies bis jetzt unterlassen, so wollen Sie sich auch gefallen lassen, daß ein jüngerer Amtsbruder snir 8j»e veni»; Sie nachdrücklich öffentlich auffordert, das Versäumte nachzuholcn! Die öffentliche Meinung fordert Entschiedenheit, fordert sic, wenn sie auch mit Selbstüberwindung und tiefer Herablassung verknüpft wäre; die Wahrheit fordert Entschiedenheit, fordert sie, und müßten wir auch tausende unserer früheren Marime als Irrthumer öffentlich bezeichnen. Geben Sie der öffentlichen Meinung, geben Sie der Wahrheit die Ehre, und sprechen Sie offen und frei vor den Augen der Welt, sei cs durch Unterzeichnung unseres, oder eines anderen Actcnstückes, Ihr Urthcil über jene Versammlung und deren Beschlüsse aus. Zeigen Sie sich vor den Augen der Welt, daß Sie neben den bekannten ausgezeichneten geistigen Vorzügen auch die moralische Größe besitzen, auf den Rath Geringerer zu achten, eine Tugend, die unsere Weisen so sehr rühmen, 2^22^ und gewiß auch Ihnen . . . in Gottes und der Menschen Augen zum wahren Ruhme gereichen wird! Darmstadt, im Juni l815.

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