Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 2 (10.7.1845)
- Date
- 1845-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13 fremdem Religions-Gebiete eine Bewegung ein, begründet in Verhältnissen, die mit dem Gebiete deS religiösen Judenthums nicht in der entferntesten Verbindung stehen. Doch die unverbesserliche Modernität. Im Katholicismus wird reformirt, und wir sollten müssige Zuschauer bleiben? Nein, das hieße zu viel verlangt! Behende werden Vorlesungen angekündigt, das Publikum, das hochgebildete, stellt sich ein, haarklein wird das Judenthum kritisch beleuchtet, zergliedert bis zu den feinsten Nerven herab, seine Stellung, seine Grenzen für Wissenschaft und Gesellschaft ihm angewiesen, und die Religion des Geistes steht vollendet da, nach ihr wird das Deutsch-Judenthum benannt. Judenthum, — Religion des Geistes; ihr Organ, vielmehr ihr Gesetz — die Syuode. Man muß es gestehen , so viele Worte, so viele Widersprüche, nie hat eine Reform-Partei größere Blößen gezeigt, als eben diese. Das Judenthum, als solches, stellt Dogmen, Glaubenssätze für seine Bekenner, ohne Ausnahme, auf, Glaubenssätze, die mit den aus denselben abgeleiteten Consequenzen, für Alle, die als Juden geboren, verbindende Kraft haben, man habe sich zu ihnen bekannt oder nicht. Statt dieser Glaubenssätze werden andere aufgestellt, die gerade entgegengesetzter Art sind; sie bilden die Basis der ganzen Bewegung, und mit wahrhaft komischer Naivität behauptet man jetzt: Man habe sich fern gehalten von allem Dogma, von Bekenntnissen und Lossagungen, man habe sich gehütet, Theologen hcrbcizurnfcn, da man in der Laienwelt die Basis zu begründen suche, auf welcher die Theologen später bauen sollen. Also das Nichtglaubcn an Talmud, an einen persönlichen Messias, heißt: ferngehaltcn vom Dogma, nicht „lossagen"? Und das Judcnthum — eine Religion des Geistes, seine 613 Ge- und Verbote nur geistig aufgcfaßt? Eine bequeme Religion das! Und nun wieder die Synode. Gleichgesinnte Glaubensbrüder sollen sich verständigen, sollen gemeinsam den Weg der Reform verfolgen, nachher kommen die Theologen von Fach, setzen ihr „vidi" darunter, und die Religion steht vollendet dar. Doch wozu der Weitläufigkeiten und der vielen Umschweife! Das Jndenthum ist in seinen Religions - Gesetzen unbequem; also — abgcschafft; Ehristenthum will man nicht, weil auch dieses noch eine positive Religion; also — eine neue Religion constituirt, die aber dem Judenthume so ähnlich sieht, wie der Unglaube dem Glauben. Ob Ihr Theilnehmer, ob Ihr eine Basis in der Judenschaft findet? Natürlich! Ihr habt bereits 23 Adressen erhalten, und noch mehrere werden folgen. Und was für Unterschriften? Die Hochgebildetsten, die Reichsten, die Häupter des Volkes? Wir haben nun freilich unsere eigenen Bedenken hiebei. Die Gebildeten? O, du liebe Zeit! Giebt es doch einen gebildeten Pöbel, cinherstolzirend, mit Redensarten um sich werfend, als ob wenigstens die Musen ihm allem unterrhan, als sei er der General-Pächter der Gesammt-Büdnng unsers Jahrhunderts. Auch Weltverbesserer ist er, Mitglied wenigstens einiger Vereine, Vorstand einer Lese-Gesellschaft, Correspondent eines vielgelesenen Blattes, hat endlich selbst schon gelesen. Und ihm sollte die Befugniß fehlen, über Werth oder Unwerth des Judenthnmö zu nrtheilcn? Er sollte nicht das Recht haben, Moses, die Propheten und den Talmud zu desavouiren, und Deutsch - Jndentkum dafür zn setzen? Bleibt mir ferne mit Enron Gebildeten, Reichen. Ihr werdet Gleichgesinnte finden, werdet Euch cvnstitniren, werdet einen Gottesdienst nach der aller-allernenesten Deutschen Mode halten, werdet einen Eanvn begründen, und das Judenthum — stand nie kräftiger da, als durch Euren, als nach Eurem Abfall. Vergesset Ihr der kerngesunden Masse des jüdischen Volkes. Auch wir zählen Gebildete, wenn man Männer der Wissenschaft so nennen will; in unfern Reihen fehlt es. Gottlob, nicht an Männern, die der Gütige mit irdischen Mitteln reichlich beschenkt, auch Häupter des Volkes zählen zu uns. Uns gehört eine Vergangenheit von Tausenden von Jahren, die Zukunft, —der Bürge dafür, Gottes Wort; Euch die Gegenwart des Tages, Menschen - Vergänglichkeit, Menschen - Nichtigkeit! Da kann von einem Kampfe keine Rede sein! (Fortsetzung folgt.)