Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 2 (10.7.1845)
- Date
- 1845-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rüstung. WaS war wol der Grund des Mißlingeneines so lange durchdachten, wol berechneten Unternehmens? Einzig und allein der, weil es eben nichts anders war, als nur ein Unternehmen. ES ist in der That was Eigenthümliches um die Religions-Macherei unserer Tage. Wir leben in der Zeit der Vereine, der Verbindungen. Wir wollen diesem Streben nach Vereinigung der Massen für eine und dieselbe Idee kcinesweges den Stab brechen, wollen es nicht verkennen, daß es ein günstiges Zeichen ist, wenn die Idee das Gemeingut Aller, wenn zumal des Volkes Geist bethätigt wird, wo es sich um die sittliche Würde des menschlichen Geschlechtes, um ein Streben nach Ausbildung und Vervollkommnung handelt; obschon es von der anderen Seile kaum geleugnet werden darf, daß eben in dieser Vrreinigungslust zugleich ein Zeichen der Schwäche unserer Zeit liegt, weil das Individuum zu wenig sittliches Gefühl, zu wenig Charackter besitzt, um auf eigene Hand die Idee zu realisiren, für welche man sich vereint, weil man in der Vereinigung erst, und nur die Vereinigten sich verpflichtet halten, wozu Sttte, wozu Religion, jeden Menschen ohne Ausnahme verpflichten. Doch, man vereine sich zu Humanitäts-Zwecken, welcher Art ihre Tendenz auch sei, man vereine sich für das eigene Interesse, welcher Art von Compagnie man auch beitreten möge, das Streben ist löblich, vernünftig; vereintman sich aber zu einer Art Aktien - Compagnie für die ewige Seligkeit, das Streben ist lächerlich, unwürdig. Ist es etwa etwas Geringes, eine Religion reformiren zu wollen? Eine Religion, die in ihrem Entstehen göttlich wie keine andere, deren wahrer, alleiniger Ausdruck, nach allen Richtungen hin den ausgedrückten Stempel derselben Göttlichkeit an sich trägt, deren Fortlcben und Bestehen im Verlaufe der Zeiten, unter dem mannigfachen Wechsel der Verhältnisse nicht minder ihren göttlichen Ursprung verdunkelt, eine solche Religion zu reformier»? Er, der Diener, der Knecht Gottes, der aus des Himmlischen Hand selbst die Gcsetzes- Tafcln, das Buch des Bundes erhielt, und der dennoch zu bescheiden war, der sich für zu unwürdig hielt, cö sein Gesetz nennen zu wollen, was einzig und allein Gottes Wort war!-Wie gesagt, es ist etwas Eigenthümliches, lächerlich und traurig IS' zugleich, um unsere modernen Religions-Macher! Wie sie da zusammenkommen, die Herren der Fakultäten Alle, die Männer der Kunst, ja, die Männer der Börse nicht ausgeschlossen, wie sie Compagnieen bilden, Statuten entwerfen, — und daraus wird eine neue Religion?! Heißt das nicht gefrevelt gegen die Heiligkeit und Würde aller Religionen überhaupt? Seid Ihr nicht Menschen, mit menschlichen Schwächen und Fehlern behaftet, wie wir Alle! Welcher Gottes - Glanz strahlt von Euren Gesichtern mehr aus, als daß das Volk mit Ehrfurcht nach diesem Ausfluß der Göttlichkeit Hinschauen, in Euren Augen den Abglanz jeglicher Tugend wiederfinden, in Eurem Leben den Spiegel jeglicher menschlicher Vervollkommnung wicdcrcrkennen sollte? Eure größere Vernunft? O, der Thorheit! Eure Weisheit, haltet Ihr selbst sie für untrüglich? Und falls Ihr eitel genug seid, solches zu thun, wer außer Euch hält sic noch dafür? Weisere als Ihr, sind längst gewesen, werden sein, die Vernunft ist göttlich, der vernünftige Mensch ist und bleibt nur Mensch. Der Reform-Verein mußte scheitern, weil das, was er für Iudenthum ausgab, durchgängig nicht füuIudcnthum angenommen wurde, weil diejenigen, die es dennoch dafür angenommen hätten, viel zu weit außerhalb der Grenzen des Iudenthums überhaupt standen, um sich irgend einem, wenn auch noch so sehr modernisirtcn auf Null reducirlen, zu nähren. Die Dogmen des Reform-Vereins als anti - jüdisch zu widerlegen , wird man wahrhaft von uns nicht fordern, sie nur bekämpfen, hieße ihre Möglichkeit einräumen; sie sind nicht möglich, sie sind anti-jüdisch, wir zählen sie, angehörend der Geschichte menschlicher Verirrungen und Thorheiten. Der Reform-Verein war also, selig entschlafen, zu seinem Ursprünge zurückgekehrt, zum — Nichts. Doch das hieße schlecht Geschichte kennen, hieße wenig oder gar nicht menschliche Zustände beurthcilcn, wollte man glauben, die Täuschung sei durch den ersten mißlungenen Versuch entmuthigt, suche nicht vielmehr im Gegenthcil, in erneucter Gestalt überall wieder zum Vorschein zu kommen, Terrain für sich zu gewinnen. Eine Zeit lang war Alles ruhig, man scheucte sich fast, der Vergangenheit zu erwähnen. Da tritt plötzlich auf