Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 1 (3.7.1845)
- Date
- 1845-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 alle und jede Insinuation, als fraternisirten Sie mit Jenen, die mit der brennenden Fackel ihres kritischen Verstandes das Gebäude unserer uralten felsenfesten Glaubensburg niederbrennen wollen, oder als huldigten Sie jener jüdisch - jesuitischen Verfcchrungsweise, die durch allmaliges Aufgeben bestehender religiöser Satzungen eine größere Förderung des bürgerlichen Lebens beabsichtigen, alles Ernstes zurückzuweisen. Sie sollten jetzt, wo es sich bandelt, um Angesichts der Welt und namerlllich der desorganisirten Gemeinden Israels ein treues Zcugniß abzulcgen für unsere heiligen Glaubenswahrhciten, ein treues Zeugniß für das Ansehen und die Göttlichkeit unserer heiligen Tradition, ein treues Zeugniß für die fortbestehende Autorität der inspirirten großen Synode, an deren Spitze die Propheten Haggai, Secharia und Malachi, die heiligen Männer Esra, Serubabel, Nehemia u. s. w. standen (conf. Tractat Berachot 33, Megilla 17, Erubin 101, Tanith 27, Sebachim 62, Joma 53 u. 69, Maimonidis Hil.Krias-Schema Cap. 11, §. 6 und Tephilla Cap. 1, Talmud Jerus. Berachot Perek 2, 11), Sie sollten jetzt, in dieser verhänguißvolleu Zeit, nicht öffentlich reden wollen, wo es über alle Maaßen Zeit ist zu reden, in Vereinigung mit denen, welche um den Heiligsten Israels willen, nicht achtend auf die gränzenlosen Schmähungen ihrer Widersacher, furchtlos ihre Stimmen wie Posaunenschall erheben? Wem denn mehr, als dem Volkslehrer in Israel, zumal von Ihrem Ansehen liegt es ob, der Pflicht eingedenk zu sein: „Halter euch rein vor Gott und vor Israel"? der Warnung des Weisen eingedenk zu sein: „Beseitige jeden Verdacht, entferne von dir jede Lästerung"? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Preußen. Breslau. Endlich, gechrrcstcr Herr Nedacteur, haben Sie uns die Gelegenheit geboten, der wir so lauge entbehren mußten, nämlich ein Organ zu besitzen. dessen frei und furchtlos ausgesprochene Tendenz es ist, einzig und allein die Interessen der Orthodoxie zu vertreten. Abgesehen von dem mannigfachen Nutzen dieses Unternehmens, ist für die Bericht-Erstattung über Synagogen-Verhaltnisse, über Gemeinde-Zustände, ein neues, weites Feld eröffnet, indem die bisherige jüdische Tages-Presse solchen Berichten im orthodoxen Sinne abgefaßr, entweder die Veröffentlichung gänzlich verweigerte, oder unsere Berichte verstümmelte. Als Beleg für diese meine Behauptung, mag mein heutiger Bericht dienen, dessen Factum, wenn auch dem Datum nach, etwas älter, in keinem jüdischen Blatte Erwähnung geschah, obschon solches als Beleg für die hier herrschende Stimmung gewiß nicht ohne Interesse für Ihre Leser sein wird. Also: Vor einigen Wochen ward von den Actionairen. da die alte Synagoge fast baufällig, eine General- Versammlung zum Baue eines neuen Gotteshauses berufen. Or. Geiger war zugegen, so wie auch ein Notar, Zustizrarh G. Ersterer suchte in einer weit läufigen Rede, seine Zuhöre', natürlich der größeren Majorität nach, seine eigenen Anhänger, für diesen Synagogcn-Bau zu interesfiren, ohne sich indeß, wohlweislich, darüber auszusprechen, wie der innere Ritus künftig gestaltet werden sollte. Nachdem derselbe seinen Vorrrag geendet, trat zuerst der junge S., ein sehr rinpecrables Gemeinde-Mitglied, auch wol ein Anhänger G.'s, auf und bemerkte: Herr vr. habe zwar über Synagogen-Bau ziemlich weitläufig geredet. „Wie soll aber der Ritus, und von welcher Form soll derselbe künftig beschaffen sein?" „Das wird sich mir der Zeit schon finden^', antwortete 1)r. G. Worauf der junge S.: Nicht nur in seinem, sondern im Namen vieler Freunde, sowol hier, als auch außerhalb des Hauses, sri er beauftragt zu erklären, der gegenwärtige Ritus habe nicht Aller Beifall, er solle daher abgeschafft, und dafür ein solcher, wie er vor mehreren Zähren bereits bestanden, wieder eingcführr werden. Geiger war dies natürlich nicht recht. Worauf dann Zustizrarh G. erklärte, daß ein Zeder, durch Aufstehen oder Sitzenbleiben seine Meinung abzugeben habe. Von den Anwesenden standen 106 Stimmen für den alten Ritus auf, nur 12 blieben für den neuen sitzen. Nochmals versuchte cs der beredte Prediger, jene 106 eines Besseren zu belehren, allein mir so wenig Erfolg, daß beim Schluffe des Vertrages der Saal kaum noch