Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 1 (3.7.1845)
- Date
- 1845-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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lichen Täuschung! Die Gebildeten, die Aufgeklärten, die Männer des Lichtes und der Wissenschaft, um deren Beifall einzig und allein zu erlangen wir uns alljährlich, unter Darbringung von Opfern jeglicher Ort versammeln, debattiren und reformiren, den Talmud knechten, und den Sieg des reinen Mosaismus verkünden, auch die verkennen unfern guten Willen, verwerfen unsere Autorität, schließen uns feierlichst aus von dem Baue, zu dem emstg die Steine herbeizutragen sie beschäftigt sind. Für wen bemühet Ihr Euch also? Doch wie? Wir hätten der Addressen vergessen, versehen mit zahlreichen Unterschriften hochangesehener, klassisch gebildeter Männer und — Gemeindevorsteher, die Eurem Wirken Anerkennung zollen. Euch auffordern, auf der glücklich betretenen Bahn fortzuschreiten? Wir hätten vergessen der Tausende und abermals Tausende, die bereitwillig ihr Schärflein dazu beigetragen,—der Reiche mehr, der Arme nicht weniger als zwei Fl. — um Euch wenigstens nicht die Last persönlicher Opfer allzusehr empfinden zu lassen, um Euch Gelegenheit zu geben desto eifriger an der Fortbildung des Judenthums zu arbeiten? Wir haben nicht daran vergessen. Aber wie geringe, sehr geringe ist die Zahl derer, die es wahrhaft treu mit Eurem Streben meinen, die Euch, der eigenen Ueberzeugung willen, unterstützen. Und bedenket doch das Dilemma! Fortbilden? Wo ist die Gränze der Bewegung? Wer darf sagen: Bis hieher und nicht weiter? Fortbilden schließt jeden Stillstand aus, Fortbilden negirt jede Autorität, Fortbilden endet nur im Reform - Verein, d. h» außerhalb des Judenthums. Das wäre unser Glaubensbekenntniß, und somit hätten wib entschieden das Terrain bezeichnet, auf welchem wir uns, unter göttlichem Beistände zu bewegen gedenken. Erhalten wollen wir den gottgeoffenbarten Glauben, ihn erhalten mit allen seinen Consequenzen, ihn erhalten in den Gegensätzen des Lebens, erhalten im Kampfe gegen die Meinungen. Unsere Religion ist die bekannte Religion der That, wir thun, nicht was, sondern weil wir glauben. Wir erkennen nicht an die Fortbildung einer Religion, weil unsere Religion ganz göttlich, und der Begriff Gottes der Fortbildung nicht möglich. Wir bekämpfen die sogenannten Reform-Bestrebungen im Judenthume, theils weil sie nach jüdischen Begriffen ungesetzlich, theils weil die Erfahrung gelehrt, in welchem Sinne sie größtentheils unternommen, zu welchem Endziele hin sie führen und führen müssen. Wir verwahren uns schließlich feierlichst gegen so manche Liebesbeweise, die uns die Freundlichkeit unserer Gegner so oft, so bereitwillig aufbürdet, gegen Inhumanität im Leben des Gemüthes, gegen Unwissenschaftlichkeit in dem des Geistes. Die von uns heilig geachteten und verehrten Autoritäten sind so sehr Muster jeder humanen Tugend, fordern Gehorsam, fordern Liebe, fordern Anstand so eindringlich und vielfältig, sind endlich selbst unerschöpflicher Quell tiefen, allgemeinsten Wissens und Erkennens, daß wir es wahrhaft nicht nöthig haben, solchen unverschuldeten, kränkenden Vorwurf stets stillschweigend hinzunehmen. Unsere Stütze bildet unser Vertrauen zu der Heiligkeit und Wahrhaftigkeit der Sache, der wir unsere Kräfte geweihet, unsere Stütze bildet die gleiche Ueberzeugung einer Anzahl von Religionsgenossen, bei Weitem größer, als^man sie so gerne ausgeben möchte. Man wird uns bekämpfen, man wird uns schmähen, man wird unser spotten, wir kämpfen treu für eine Gottessache, Menschenfurcht soll uns nicht einschüchtern, nicht hemmen. Über -Le gegenwärtige Stellung -er Parteien im Ju-enthum. Von Or. I. Schon längst konnte es dem aufmerksamen Beobachter, der Judenthum und jüdische Verhältnisse nicht mit gleichgültigem Blicke betrachtete, nicht ferner entgehen, wie das, was man eigentlich Judeuthum nenne, verschiedenartig aufgefaßt und gelehrt wurde. Wie aber die Begriffe selbst über jüdische Religion sich immer mehr von einander trennten und entfernten, wie bald eine unausfüllbare Kluft zwischen dem, was man sonst und jetzt Jndenthum nannte, sich ausdehnte, so war es mit der Praris der Religion noch bei Weitem mehr der Fall. Eine