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Der treue Zionswächter · 1845-07-03 · 1 (3.7.1845) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
1 (3.7.1845)
Date
1845-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 werde: Vertrauen, Bewußtsein, Entschiedenheit. Täuschen wiL uns'nicht über die im Judenthume obwaltenden Erscheinungen! Das ELgcnthümliche, das Wesentliche, das, was das Iudenthum zur wahren Gottes-Religion stempelt, soll ihm gewaltsam entrungen, Gegensätze sollen um jeden Preis ausgeglichen. Dem Leben gebührt die Herrschaft, was ihm widerstreitet, was hemmend oder beschränkend auf dasselbe einwirkt, wir wollen cs nicht, deshalb — glauben wir es nicht. Und das nennen sie Bewegung, das Aufklärung und Licht? Nein! Wir sprechen es frei und unverholen aus, sprechen es aus mit dem Munde, mit der Ueberzeugung aller Gleichgesinnten, wir sind kein Freund jener Theorie, die so gerne Alles zu verflachen, zu ebenen, zu vermengen sucht. Gegensätze müssen im Leben sein, das zeigt die allbildende Natur. Oder ist es möglich, Nacht und Tag, Ost und West, Sommer und Winter mit einanderauszugleichen, zu vermengen? Wie aber im Leben, so ist das Leben selbst mit seinen Interessen, mit seinen Genüssen, häufig Gegensatz der wahrhaften Vervollkommnung, der geistigen Entwickelung des Menschen; die Religion, das positive Judenthum, mit feinen Geboten und Verboten, gleicht diesen Gegensatz aus, indem es hier dem Leben eine höhere Sphäre anweift, dort das Göttliche in den Bereich des Lebens und Wirkens mit herabzieht. — Das demnach ist der wahre Kampf zwischen den beiden im Gebiete des religiösen Judenthums sich kundgebenden Richtungen, ob positive Religion sich dem Leben, ob dieses, jener sich unterordnen, ob Gegensätze bestehen können und dürfen, oder ob gewaltsam sie hinweggeschafft werden müssen. Wie man aber verfahren, um zuerst dem, was man wollte, nachträglich auch die Sanction der Religion zu verschaffen, wie man, wo dies trotz dem unthunlich, dieselbe geoffenbarte Religion in ihren wesentlichsten Grundsätzen gänzlich aufgehoben, wie man statt eines Judenthums der Tha t, ein modernes Gebäude allgemeiner, nur nicht jüdischer abstrakter Ideen setzte: das konnte dem prüfenden Blicke des forschenden Beobachters nicht entgehen, mußte ihn mit Leidwesen, mit Bedauern erfüllen. Zwischen diesen beiden Extremen liegen freilich noch eine Unzahl von Abstufungen. Natürlich, sobald einmal die feste Basis der positiven .Religionslehre aufgegeben war, bewegte man sich auf einem Felde, wo denken, glauben, wo Meinungen, Religionen, hießen. Aber die Geschichte, diese ewig wahre und treue Richterinn menschlichen Fortschrittes, wie menschlicher Schwäche und Verirrung, sie hat bereits gesichtet, entschieden, daß zwischen glauben und wollen ein Drittes nicht möglich. Denken wir an die ersten Nfform-Bestrcbungen auf dem Gebiete des jüdischen Cultus, halten ihnen gegenüber einen Reform-Verein, Deutsch-Juden — und das Alles in dem Zeiträume eines halben Säculum'S—und wir wären noch befangen genug, anzunehmen, der Kampf sei beschwichtigt, wenn eine sogenannte Verbesserung des Gottesdienstes ir's Leben gerufen würde? zeitgemäße Formen seien hinreichend, gläubig frommes Gemüth wieder herMellen? Und die Vertreter jener in der Mitte liegenden Richtungen, die sogenannten modernen Rabbinen, sind sie etwa die Leiter ihrer Gemeinden, sprechen sie die Gesinnungen derer aus» die ihrer geistiger Obhut anvertrauct? Eure Predigten sind voll wohlklingender Worte, ausgerüstet mit dem Schmucke oratorischcn Glanzes, aber wagt Ihr es, dürft Ihr es. Beispielshalber, wagen, des Sabbatcs zu erwähren? Ihr glaubt noch an irgend ein positives Sabbat-Gesetz, wollt für dasselbe Eure Zuhörer erwärmen und anregen, aber wo sind diese Zuhörer? Was Ihr selbst Sabbat entweihen und schänden nennet, ihr Wille hat es ihnen längst erlaubt, .sie hören Euch nicht; Schade der schönen Worte! Die Speise-Gesetze sind mosaisch, lassen sich nicht läugnen, so lange man noch nicht dem Reform-Verein oder den Deutsch-Juden angehört, hoffentlich werden sie von Euch selbst noch in Ehren gehalten; aber wer hätte den Muth, darüber zu reden, daß Eure Gemeinden sich srms l'ayon darüber hinwegsetzcn, sich um Eure Verbote am Wenigsten kümmern, sie mitleidsvoll belächeln? Statt zu leiten, werdet Ihr geführt, statt Eure Schutzbefohlenen zu Euch emporzuziehen, müßt Ihr zu ihnen herabsteigen. Was nützen, bei so bewandten Umständen, alle neueren Institutionen, was jenes Nachäffen moderner außerjüdischer Formen, was endlich Eure sogenannten Rabbiner-Versammlungen? Die starren Altgläubigen? Auf deren Anerkennung habt Ihr nicht gerechnet, sie war Euch am Ende fast gleichgültig; auf die durfte nur geschimpft werden,undsiemnßtendoch schweigen. Aberderentsetz-

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