Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 25 (15.12.1854)
- Date
- 1854-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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didateu sich über die Gemeinde, über den District, über die Schule, ja oft über das Iudcnthum im Allgemeinen verbreitet. Man ließ sich seither nicht selten durch eine gewisse rednerische Fertigkeit, zuweilen auch von einem philosophisch-literarischen i Ruse oder von Ähnlichem Flirtcrwcrk in der Wahl! für ein Individuum bestimmen, die man bald bitter! bereuen mußte. Wenn wir auch zugcstehen, daß die Beredsamkeit durch glückliche Natnranlagcn zur bei verschiedenen Gelegcnhctten zu erbauen, mitunter zu Thräncn zu rühren, ja auch zu manchem Entschlüsse zu bewegen im Stande ist, — so wird doch hoffentlich diese eine Richtung geistlicher Thätigkeit noch nicht für die gesammte Bernfstuchtigkeit entscheiden sollen, die man von einem Rabbinen zu fordern berechtigt ist. Verbände sich auch mit dieser rhetorischen Kunstfertigkeit die Gewandtheit in der Katechese und Eregcse, und fände der Zuhörer hierin volle Befriedigung, sy mußte eben derselbe dennoch cinränmcn, daß in cill diesen Sparten noch keine Auszeichnung für den Rabbinen liege. Eben, andere theatr-alisch ernget'nhrte, pomphafte Gaukelei. Durch all diese Aenßcrlichkcitcn bat daö Judcnthum weder an Intelligenz, noch an Pietät gewonnen, und man muß es alö irrige Ansicht tadeln, wenn Jemand deshalb auf eine allgemeine Hebung deö richtig, so gälte auch daö Theater? jede musikalische und manche andere Kunstproduction alö eine Anstalt zur Erbauung deö religiösen Sinneö. Hebt man zur Unterscheidung von diesen die den Chören und Predigten eigene ernste Haltung hervor, so lassen sich doch gewiß deren Besucher auch die Ueberzengnng nicht nehmen, daß ernste und ergreifende Sccncn auch in ^jenen anßersynagogalen Norsielsicherlich religiöse" Wärme wenig genug, um, wenn wie zu. den Chören in den Gebethäuseru auch zu den Opern :c. der Zutritt unentgeltlich, und beide gleichzeitig geöffnet wären, ihre wohlbcredten Geistlichen mit ihren Bassisten und Tenoristen einsam ans ihren Posten stehen zu lassen, um ein reizenderes Tonstück nickt zn versäumen. Daß diese Wahrheit aber an den Orthodoxen keine Anwendung findet, zweifeln wirklich auch die Neuen nicht. Denn nicht aus Mangel am Knnstgeschmacke, sondern ans innerem Drange,- zum Lobe und Danke gegen den Schöpfer lenkt der wahre Iöraclite in sein einfach auögestarteteö Gebetbanö voll heiliger Scheu seine! Tritte, um dort den Inhalt der Gebete zwar im schmucklosen Tone, wie er auö dem Herzen kommt. aber in heiliger Sprache und von den frommen Empfindungen der Mitbetenden laut begleitet, vertrauensvoll zum Himmel zu entsenden. In solcher Einfachheit des Gebetes, deö Vortrags aus der heil. Thora und der übrigen beim Gottesdienste i verkommenden or?v findet der Qrthodore! vollkommene Befriedigung; sein Herz und Gefühl I bleibt wach und empfänglich für Tugend und Re-! ligion, man sicht ihn nie teilnehmend an den sinn-! liehen und sinnlosen Ergötzungen der Neueren, die! aus dem lauten Markte des Wohllebens von einem Genüsse zum andern umhcrschweifen, und ihre Lust am äußerlich Schönen auch im Religiösen, da ihnen doch einmal ein solches nothwendigscheint, befriedigt sehen möchten. Dieses eitle Verlangen wird noch besonders durch die Rcnovationsgier der modernen, ihnen gleichgesinnten Geistlichen angeregt und bereitwillig unterstützt, und von diesen dazu alle möglichen Auge und Ohr täuschenden Mittel außerhalb desIudcnthums erborgrund in dasselbe hineingezogen. Auf dieselben näher cinzugehen, liegt unscrm Thema zu fern, aber fragen möchten wir, nach den auf die Jugend und das Volk sich äußernden Wirkungen und Folgen allcrjcner Neuerungsversnche. Wenn, um nur einige wenige Beispiele anzuführen, der feierliche Akt der Katcchisationen die Anwesenden so tief rührt, wenn die Zöglinge selbst ihre wohleinstudirten Rollen trefflich spielen und unter den feierlichsten Versprechungen und Gelübden ansTugend und Religion vor zahlreich versammelten Zeugen in das psticliGollc Jünglingsalter übertreten: woher dann der himmelschreiende Abfall vom Glauben der Väter? Ist cs denn nicht gerade diese junge, aufstrebende Generation, welche des Heiligen und Göttlichen spottet? — Wenn ferner die mit Mund und Geld ihrem modernen Geistlichen huldigenden Anhänger so aufmerksam, so gespannt, so begeistert aus die Lehren achten, die ihnen vorgepredigt werden, warum bleiben sie der wahren Religion und diese ihnen so ganz fremd? Warum lassen sie sich nicht bewegen, den heiligen Sabbath und die heiligen Festzeitcn vorschriftmäßig zu feiern, Läden und Bureanr an denselben zu schließen, den ehelichen Verboten, den Spciscgesetzen rc. zu folgen, ibren Kindern die heilige Thora zu lehren und sie religiös zu erziehen? Vermag der Prediger nicht das zu bewirken, dann . Beruht ihnen etwa die ganze Religion auf der vorgeblichen Nächstenliebe allein, oder wollen sic diese nach bloßen Vernuftgesetzen üben, — webe, dann weiß der persönliche Nortkeil Ausflüchte genug, sich r>->'v zu sein und die Vernunft so zu blenden, daß sie für den Nächsten immer! die eigene Person ansicht; aber besondere Pflichten! gegen den allgemeinen Vater im Himmel wollen! diese eingebildeten Weisen nicht anerkennen. Treffende Anwendung aut sie finden die Worte dc's Propheten - Iesaias (G 20, V. v, fl. 21.