Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 21 (20.10.1854)
- Date
- 1854-10-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2625941-2626037-2626058--2840-2627450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 kräftige» Schutzes bedürfe», kann sich entschließen ächtlreligiösen Männern, muthigen Kämpfern, die sich in den Riß der Zeit stellen, den die Zerstörer des Glaubens veranlaßt, tapferen Widerstand leisten jedem.Angriffder Feinde; Männer die in die Wunden Balsam zu träufeln vermögen, welche die kleinen Füchse, die Weinbergsverderber, der Religion geschlagen. Bei Zeiten müssen demnach Mittel angewandt werden, um große Gefahren zu beseitigen, jenem verderblichen Treiben Einhalt zu thun, den unlauteren Schlamm mit sich führenden Strom zu düngen, den alten reinen Quell der Religion, den Born des Heils wieder her zu stellen, dem nur lauteres, klares Wasser entströmt, Labung und Erfrischung spendend den Genießenden. Welche Mängel und Leiden die jetzige Zeit beherrschen, woher sie vorzugsweise entspringen und wie man mit Erfolg denselben entgegenarbeiten kann, das zu zeigen, will ich Deiner Aufforderung Genüge leisten, da du, wie bereits bemerkt, im Glauben Israels beharrst, wie unsere Altvordern ihn lehren, in welchem wandelnd wir unsere Beglückung, Festigkeit und Zufriedenheit finden. Das Vercinswescn als charakteristisches Merkmal unseres Zeitalters. Unter der Fülle der sich kundgebenden Erscheinungen des Natur- und Volkslebens, unter der Menge der obschwebenden Tagesfragen drängt sich dem ruhigen und ernsten Beobachter besonders die Erscheinung auf, daß in dem vielfach bewegten Leben der Gegenwart Verbindungen, Vereine, Corporationen unter mannigfachen Benennungen, unter verschiedenen Modifikationen, Nüancen und besonderen Tendenzen in Anspruch gebracht und constituirt werden, daß die rege Wirksamkeit gerade in diesen ihre Realität findet, pomphaft und kühn austritt und sich geltend zu machen sucht. Nicht müssige Zuschauer wollen wir daher bleiben bei einer so tief in das Leben und die Beziehungen der Gegenwart eingreifenden Erscheinung, nicht vage Theilnahmlosigkcit soll uns etwa bestimmen, über so interessante Begebnisse hinwegzuschauen. Es kann nicht in Abrede gestellt, nicht streitig gemacht werden, daß dem menschlichen Individuum der Geselligkeitstricb inne wohne vermöge der ihm angeborenen Natur, vermöge des Strebens, seinen Nebengeschöpfen von dem, was seine Kräfte Hervorbringen, mitzutheilen, sie Theil nehmen zu lassen an seinen Freuden und seinen Leiden, die Mängel und Unvollkommenheiten, die der Eine oder der Andere besitzt, gegenseitig zu ergänzen und auszugleichen. So finden wir in den frühesten Zeiten, daß aus den Individuen sich Familien bildeten, woraus endlich die Gründung der Staaten hcrvorging.! Sociales und politisches Leben sind es also, welche, erst wahres und vollkommenes Zusammenleben bedingen, sie sind die Säulen, worauf alle später entwickelten Institute fußen, sie sind gleichsam die Ströme, welche das materielle und intellektuelle Dasein der Völker tränken und befruchten. Vereint erstarken die Kräfte; was der Einzelne nicht bewirken kann, wird durch Einigung Mehrerer ermöglicht, und so werden durch gleichgesinnte und Gutes Wollende die höchsten und heiligsten Zwecke der Menschheit gefördert und erreicht. Wenn demnach zu allen Zeiten, in jeder Beziehung, ein Zusammentreten der Individuen zu irgend einem Zwecke unserer oben gegebenen Entwicklung nach nothwendig Platz greifen mußte, so haben diese Bestrebungen in der Gegenwart vorzugsweise manifestirt und so weit im Bereich der gesitteten Völker der Jetztzeit, so auffallend sich verbreitet, daß dieCentralisation der Elasten, gemeinschaftliches Wirken an der Tagesordnung, etwas ganz Allgemeines geworden ist. Wenn wir nun bei dem jetzt lebenden Zeitalter « einen Augenblick verweilen, die gegenwärtige Gestalt i der gesellschaftlichen Verhältnisse uns beschauen, k und das Bild der jetzigen Zustände uns vergegenwärtigen, so kann uns nur die Geschichte hierüber Aufschlüsse geben und die Quellen entdecken, „denn fruchtbar und weitumfassend ist ihr Gebiet, in Schooße liegt die ganze moralische Welt, vonMltm legt sie uns Rechenschaft ab." Da im AllgeMsiMM ein jeder Zustand seine tiefere Begründung AMder'^ Vergangenheit findet und im Laufe der Zeiten sichallmälig evolvirte, so läßt sich selten ein feM und sicheres Urtheil bilden, wenn man nicht dhe , vorbereitenden und bedingenden Ursachen kennen gelernt hat. Diejenige Geschichtsepoche, welche einen wesentlichen und nicht zu verkennenden Einfluß bis auf die heutigen Zustände gehabt hat, ist die franz. Umwälzung des vergangenen Säculums. Das drückende Verhältniß, das jenen mächtigen Staat beengte und beschränkte, die socialen Mißstände, welche auf der Menschheit lasteten, die neuen destruktiven Ideen, welche die materialistische Richtung der Philosophen in Schwung, brachte und unter das Volk verbreitete, waren die Faktoren, welche jenes staunenswerthe und großartige Ercigniß hervorbrachten. Alles wurde mächtig durch diese Erscheinung ergriffen, in Riesenschritten wurde Alles einer neuen Entwicklung zugeführt und noch dauert die Entfaltung vieler Verhältnisse fort, bis in die Gegenwart herein erklingen die Wellenschläge ihrer Töne, und nicht leicht giebt es ein bedeutendes, l merkenswerthes.. Ereigniß, woran sie nicht " hat, nicht leicht eine Wirkung, deren Ur" nicht gewesen. — Nachdem die Donne. volution verhallt waren, die Völker sich der Fremdenherrschaft entwunden hattestaatlichen Verhältnisse Europa's in