Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 21 (20.10.1854)
- Date
- 1854-10-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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83 dium der Entwicklung, indem die Staaten aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, es sich bewußt wurden, daß die bisherigen Zustände nichts weniger als befrie, digend waren, zur Erlangung des wahren Heils sich nicht eigneten. Waren es nun zunächst Vereine politischer Natur, welche nach jenem Ereigniß im Volke erwuchsen, indem man zum Bewußtsein erwacht, die Staatsinteressen im Auge haben wollte, so traten nicht minder bei dem geistigen Aufschwung, den vorzugsweise Kunst und Wissenschaft genommen, auch die, wissenschaftlichen und socialen Fragen auf den Markt des Lebens hinaus, und da die Kräfte Einzelner nicht hinreichten, das zu vollbringen, das Ziel der Wünsche erreichen zu können, so suchte man in thätigem Zusammenwirken, in vereinter Kraft thätig zu sein, um mit besserem Erfolge das Heil der Menschheit herbeiführen zu können, die vielfach sich verzweigenden socialen Interessen zu heben, zu fördern und zu verwirklichen. Wichtig und höchst bedeutnngsvoll sind diese Bestrebungen, sie zeugen von fortgeschrittener Bildung und Einsicht, von edlen Gefühlen, sie geben nicht minder das Zeugniß von Hebung der Gesittung und Erkräftigung des Bewußtseins. Sowie aber eine jede menschliche Bestrebung, so hat auch diese ihre Licht- und Schattenseiten. Wir können es nicht leugnen, daß aus gewissen Vereinen mancher Gute und Edle entsprossen, können es uns aber nichtsdestoweniger verhehlen und die Bemerkung nicht unterdrücken, daß manche sehr oft dem Edelsten und Höchsten, wonach der Mensch zu streben hat,, höchst nachtheiligen Einfluß zu bringen drohten und brachten. Wie manche Vereine haben wir vornehmlich in jüngster Zeit erstehen sehen, welche eine Negation aller Grundgesetze der Erdenwelt erzielten. Hinter der heuchlerischen Larve bergen sich oft die Geister der Tücke und List, man sucht durch Vorgehen guter Zwecke u. s. w. sich Anhang zu gewinnen, um den Individuen, die sich dem Vereine anschlossen, oder sich ihm unterordneten, das Heiligste zu entziehenen. Ein solcher Eifer führt auf bedauerliche Abwege. Nur als eine Verirrung des menschlichen Geistes können wires bezeichnen, wenn er in selbstconstituirtcn Formen das wahre Leben zu finden meint und in diesen dauerndes Glück bieten zu können vermag. Von der Religion muß ein jedes menschliches Streben ausgehen, nur durch sie kann wahres Glück der Menschheit zu Stande kommen, sie verleiht allen Gesetzen bindende Kraft. --»-SS4-«- Der Juden Handel und Wandel. hon die Römer betrachteten den Handel als Würde einer kriegerischen und weltbeherr- *ion. Die nordischen Stämme, die seit werung des fünften uud der folgenden Jahrhunderte an die Stelle der Römer getreten und dieselben zu einem untergeordneten Volke erniedrigt hatten, hegten gegen Handel uud finanzielle Interessen noch größere Verachtung. Der freie Mann war Grundbesitzer, die übrige Bevölkerung bestand aus Leibeignen, Bauern oder Staatsbürgern, deren Betriebsthätigkeit mehr industriell als commerciel, jedenfalls nichr finanziell sind. Auf diese Weise kam wie von selbst der Handel und namentlich der Gcldhandel in die Hände des Volkes, das zuerst in seinen eignen Augen überall Fremdling war uud damals mehr als je von den Christenvölkern als Feind und Fremdling betrachtet und immer mehr von allem Grundbesitz und Landbau ausgeschlossen würde. Der Handel artete der Lage nach, in welcher der Jude sich befand, bald aus in unedeln Kleinhandel, ihre Geldspeculationen oft in sogenannten Wucher. Wenigstens!) at sich der Ausdruck des Hasses und der Verachtung hierüber erst-nr der Christenheit und besondes im Mittelalter hören lassen. Um nun diese Beschuldigung von Wucher be. greifen und gehörig beurtheilen zu können, ist eS nöthig, daß man sowol die Beschaffenheit der Zeit in welcher sie ihren Grund hat, als die Natur und bas Schicksal des Volkes Israel selbst in ihrem Zusammenhänge betrachtet.! Seiner Natur und seinem Ursprung nach war das Volk Israel ein Hirtenvolk, eine landbauende, keine handeltreibende Nation. Und auch hier gilt die schon öfters wiederholte Bemerkung, daß der Jsraelite nur in seinem Vaterlande recht Jsraelite ist. Die Umwandlung Israels in ein Händelsvolk steht größtentheils im Zusammenhänge mit seiner Fremdlingschaft. Noch unnatürlicher wurde der Zustand der Nachkommen Abrahams, als sie der angeführten Umstände wegen von allem Grundbesitz beinahe ausgeschlossen waren. Es ist daher nichts natürlicher, als daß sie in ihrer allgemeinen Zerstreuung auf der ganzen Erde, von dieser ihnen ganz eigenen Stellung unter den Völkern Gebrauch machten, um hauptsächlich Handel zu treiben. Zeitungsnachrichten. Dänische Monarchie.