Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 21 (20.10.1854)
- Date
- 1854-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mr Wahrung -er Interessen des orthodoxen Iudenthums. 10 Jahrgang. 20. Oktober 1854 Jüdisch-pädagogische Studien. Wie der Wanderer sich freuet/ wenn in der Wüste er eine Oase gefunden, wenn er einen Quell gewahrt im heißen Steppenlande, so erfreuten mich Deine Worte, so angenehm überraschte mich Dein Schreiben, nachdem ich so lange nichts von Deinen Verhältnissen, Deinen Beschäftigungen j und Deiner Lebensweise vernommen. Wohl denken kannst Du Dir, sehr oft las ich Dein Schreiben durch, und immer wieder; denn lhcucr ist mir Alles von einem wahren Freunde, wie Du. Jeder Gedanke in Deinem Briefe, erhellet meinen Geist, erfreuet mein Gemüth-, zumal da Du auf dem heiligen Boden unserer wahren ehrwürdigen Religion Dich bewegst; verderblicher kZrrwahn, Jrreljgiösität, Unglaube Dich nicht bethöret, sondern den Satzungen unserer alten Räbbinen mit wahrem Eifer Ku.huldigest, ihre geistige Ueberlegenheit anerkennest, ihre weisen Anordnungen, aus höherer Eingebung erlassen, preisest. Eine leider! so seltene Erscheinung unserer Zeit! — Was Deinen Charakter ferner so schön bezeichnet, in einem herrlichen Lichte hervortreten läßt: Erquickende Worte, eine wahre Sprache der Innigkeit, der Herzlichkeit befindet stch in Deinem an mich gerichteten Schreibeneine Hingebung, eine Freundesliebe, daß man es nicht verkennen kann, daß man es fühlet, wie der Freund zum Freunde spricht, wie Alles vom'Herzen kommet. Unwillkürlich erinnerte ich mich hierbei an unsere schön verlebte Jugendzeit; wenn der Morgen sanft sich erhob in. lieblichem Purpur in östlicher Ferne, das zahllose Sternenheer erblaßte, und die Sonne, die lichtbringende Tageskönigin erschien, da saßen wir zusammen in traulichem Gespräche, uns unterhaltend und beschäftigend mit der Lehre Gottes, gegeben durch Moses am Sinai, womit den ganzen Tag wir uns fast beschäftigten, nur wenig Muße uns gönnten zur Betreibung anderer wissenschaftlichen Studien und Diseiptinen? Und wenn dann ftas müde Licht des Tages zur Ruhe sich neigte, Abendkühle des Tages Hitze vergessen ließ, und ftlle Mond Hinaufstieg, in seinem Silberglanze -'N die Erde beleuchtend, da forschten wir > Altona. > 'IM772 ÄH. wieder in der heiligen mündlichen Lehre, erfüllend das Gebotes vvi' v wni. So in vereintem Betrieb unserer Studien, so in verklärter Einigung auch durchwanderten wir die Bahn der Jugend, nur himmlische, nur reine Wünsche hegend für unser, für der Menschen Wohl, Glück und Ruhe. Da war keine Heuchelei, keine Schmeichelei, keine Verstellung, keine Werkheilig-eitkein Schein, offen ertönte daS Wort von Deinem Munde, Klarheit war jn Deinen Ausdrücken, Gradheit Ln Deinen -Hand lungen, Aufrichtigkeit und Religiosität offenbartest Du im Leben, wie auch heute noch. Wie selten findet man jetzt ferner bei Andern solche Gefühle, solche Gesinnungen? Verzeihen wirst Du mir diese Abschweifung; verzeihen ferner, daß ich Dir nicht schon lange geschrieben, wozu die Pflicht der Freundschaft mich zum Wenigsten doch hätte auffordern sollen, daß ich Dir nicht vor Mehreren Mönchen schon Nachricht gegeben von meisten Verhältnissen, von meinen Absichten, meinen Lebensplanen/meiner Berufswahl, Immer stellten sich meinem Vorhaben, der Erfüllung Deines Wunsches, mächtige Hindernisse entgegen, Beschäftigungen, Bemühungen mannigfacher Art. Wie Du selbst weißt schon von Deinem Berufe, der so viel Thätigkeit, Fleiß und Rührigkeit in Anspruch nimmt, so erheischt das Leben jetzt viel. Mächtig tritt jetzt an den Menschen, der ein gewisses Ziel zu erreichen bestrebt ist, die Pflicht heran, seinen Beruf in allen seinen Beziehungen zu ergreifen, die Anforderungen sind groß, und vor dem Bewerben um ein Amt bedenkt der Gewissenhafte wobl, ob er die Bedürfnisse befriedigen, den Wünschen entsprechen kanift ob er vollständig erfasset seine Pflichten. Dann erst kann man gehörig wirken, seine Zukunft sichern, guten Samen ausstreuen, der zu gedeihlicher Fructu emporschießt. In unserer Zelt sind solche Bedingungen von höchster Nothwendigkeit bei Uebernahme eines jüdischen Lehramtes und mir Recht. Aenn nur wer eingedrungen in die Tiefen der ganzen jüdischen Wissenschaft, betraut und ausgerüstet mit den für die Jetztzeit erforderlichen Kenntnissen, nur ein solcher kann im Berufe des Iudenthums wahrhaft wirken, zur wahr?» Begründung, und rüstigen Beförderung unserer hdiltgen Interessen, die jetzt so