Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1854-10-06 · 20 (6.10.1854) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
10 (1854)
Issue
20 (6.10.1854)
Date
1854-10-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2625941-2626037-2626057--2835-2627444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 theilö aufdrangt, müßt Ihr nicht erröthen, das zu lehren, was Ihr selbst nicht haltet? Was soll, was kann die Frucht Eurer Belehrungen sein? Worte nur die vom Herzen kommen, strömen dem Herzen zu — sagen unsere Weisen — und welchem Born entquillen die Euern? Soll etwa die Kraft der Zunge, die manchem unter Euch zu-Gebote steht, das ersetzen, was Euren Worten nickt aus der Seele zufließt, so bedenkt, daß der erste und größte Lehrer Israels schwerer Zunge war, zu zeigen, daß die Macht der Wahrheit, und nicht die des Wortes die Herrschaft des Glaubens gegründet. Aber selbst Eure Lehren denen Ihr Eingang verschaffen wollt, wohin zielen sie? Moralische Lehren, wie die der Erhabenheit Gottes und seiner Eigenschaften, sind nicht mehr Israels alleiniges Eigenthum, denn — freuen wir uns darüber — sie haben sich aus dem Lager Israels Bahn gebrochen durch die Finsteruiß des Herbenthums, und sind auch zur erhebenden Lehre anderer erleuchteten Völker geworden. Nur solche Lehren jedoch sind es, die Ihr in den Bereich Eures Lehrerbcrufs zieht. Was Israel aber von andern Nationen auszeichnct, dieGotteslehrc, welche an seine egyplische Befreiung erinnert, darauf ihre Verpflichtungen gründet und daran ihre Vorschriften reiht, diese bleiben von Euch verschwiegen, oder werden bis zur Unkenntlichkeit umgemodelt, damit Ihr und Eure Jünger ja in Eurem Leben nicht als Israeliten erkannt werdet. Was nützt es dem Israeliten aber, daß er zu keiner andern Religionsgemeinschaft sich bekennt, wenn er eben so wenig Israelite ist? Belehrt die, welche Seelennahrung bei Euch suchen, wie sie in Wahrheit als echtgläubige Israeliten gelten können; belehrt sie ihre Hauser zuGottestcmpeln umzuschaffen, worin sie alsdienende Priester dem Gottesdienste im Gesammtlebcn verstehen, so habt Ihr Euern Beruf als Scelenhirten erfüllt, so, aber auch dann nur, könnt Ihr auf den Ruf guter Glaubenswächter Anspruch machen. Selbst verstanden jedoch müssen dabei Euer Leben mit Eurer Lehre und Euere Worte mit Euren Gedanken in Einklang stehen, wenn Ihr nickt als Heuchler verachtet, als Lügner gebrandmarkt sein wollt. IV. Endlich, m.Th.! ist es die Zeit der Belehrung, welche ich als letzte Rücksicht in der Vorschrift unseres Tertes hervor gehoben. Sie ist angedeutet durch den Ausdruck nc „am Ende der sieben Jahre." Es ist der menschlichen Sinnesart eigen, am Ende einer Sache einen Rückblick auf ihren Verlauf zu thun, um gleichsam in süßer Wehmuth sich die Vergänglichkeit alles Irdischen zu veranschaulichen. Und dieser Rückblick und seine Folgen eignen sich dazu den Sterblichen in denjenigen mild ernsten Seelenznstand zu versetzen, der ihn für höhere Eindrücke empfänglich macht, indem dadurch sein Blick von der vergänglichen Gegenwart des Erdenlebens abundderkünftigenUttsterblichkeitzugewendct wird. Wenn nun für die großartige Belehrung, wie sie unser Tert vorschreibt, das Ende des größeren siebenjährigen Zeitabschnittes der aoor als geeigneter Zeitpunkt erkoren war, um durch einen weitreichenden Rückblick Die Weihe des Geistes zu erhöhen, so ist es für uns des IahrcS Ende, welches geeignet ist zu solchem Ernste unsere Seele zu stimmen. Und heute um so mehr, da des Jahres Ende mit dein der 7WVL zusammenfällt. Darum mußte ich, m. Th.: IhrHerz betrüben, den Verfall von Israels Glaube bei vielen seiner Söhne und Töchter, in welchem Spiegel, ach! manches trauernde Eltern-Hcrz auch die seinigen erkennt, in Wahrheit zu schildern, damit er inniger beherzigt werde, undder Wille sich entflamme, möglichst beizutragen, die Verirrten in den Schoos des Glaubens zurückzuführen. Ernst mahnt der Kreislauf der Zeit an des Lebens Vergänglichkeit. Darum eile wer zur Wiederherstellung Israels Glaubensheiligkeit etwas beitragen kann, die Hand an"S Werk zu legen, denn immer tiefer wird die Kluft die jetzt schon Israel in zwei Läger spaltet, immer gefährlicher wird der Verfall der Lebenshciligkeit im Religionsgebäude des von Gott geheiligten Priestervolks. Noch mehr aber eite, wer am eignen Wandel zu bessern hätte, so schnell wie möglich dieses zu vollbringen. Für das was heute vernachlässigt worden, ist morgen vielleicht schon die Zeit vorüber. Schon ist bald wieder ein Ring der Lcbenskette zurückgelcgt, die vou der Wiege bis zum Grabe reicht, und die oft, ach! nur kurz gespannt ist. Wie Mancher vielleicht steht diesem schon näher als er wähnt. Niemand aber darf unvorbereitet sich abrufen lassen vom Tummelplätze dieser Erde, um sündenbelastet vor dem höchsten Nickterstuhle zu erscheinen. Darum, m. Th.! beherzigen Sie die Lehre: ernste Buße erweitert des Lebens Gränzen, und schafft böses Verhäugniß in freudige Zukunft um; inbrünstiges Gebet befittigt den Geist zum Aufschwung zu Gott und zur Erhebung über die Mühseligkeiten des Daseins; milde Spenden, freundlich den Mangelleidenden dargereickt, öffnen des Himmels Gnadenpforten, aus welchen ein glückliches Jahr Ihnen zuströmen möge! — Amen! -»ÄSKv—— Aus Lübeck. Bis zum Jahre 1818 verfuhr die mit der Leichenbestattuttg nach der rel. gesetzlichen Vorschrift .'"rc o i"> 2'c, ohne daß die Behörde ein Hinderniß in den Weg legte. Von hier an ward durch Scnats-Decret den Israeliten ein Llstündiges Säumen aufgetragen und mit dem Ende vorigen Jahres sollte dieser Termin auf das Dreifache ausgedehnt werden." In dem vom Rabbiner über die Zulässigkeit verlangten Gutachten setzte derselbe nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.