Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 16 (11.8.1854)
- Date
- 1854-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62 II. So wenig auch unsere Gottesliebe von Nebenrücksichten getrübt sein darf, so streng es auch der Herr untersagt, einen Götzen neben ikm zu verebren, und somit auch das Bestreben durch unser Witten Menschenbeifall neben dem seinigen erwirken zu wolle», verpönt sein müßte, so würde dieses jedoch nur von einer solchen Menschenehre gelten, deren Ziel nur unser Ich, nicht aber die dadurch zu erzielende Vervollständigung und Kräftigung unserer Gotteöliebe und Tugendreinheit ist. Aber auch nur in diesem letztgenannten Sinne wird menschlicher Beifall empfohlen, nur nach einer solchen Anerkennung der Mitwelt sollen wir streben, die geeignet ist, der Frömmigkeit zur Stütze zu dienen. Zlnc'vi'w v"pr. „Ihr müßt rein vor Gott und Israel sein" empfiehlt ^cv seinen Gläubigen, und in welchem Sinne geschieht dieses? Die Söhne und o'?, gelüsten nachdem weidenreichen Lande diesseits des Jordans und werden darum der Lieblosigkeit gegen' ihre Mitbrüder und des Eigennutzes beschuldigt, als wollten sie die Früchte der bisherigen Kriege allein genießen, jenen aber die mit der Erobrung des Landes jenseits des Jordans verknüpften Mühen und Gefahren allein überlassen. Auch nachdem die Beschuldigten diesen Verdacht von sich abgewälzt, durch das Versprechen, gewaffnet an der Spitze ihrer Brüder hinüberzuziehen zur. Erobrung ihres Erblandes, und auf dieses Versprechen gestützt, ihre Bitte gewährt wünschten, jetzt schon das diesseitige Land als Eigenthum in Besitz zu nehme», sagte zu ihnen, ihr müßt so rein vor Israel sein, wie ihr es vor Gott seiet. Noch lastet der Verdacht der Selbstsucht und der Lieblosigkeit auf euch. Ist guch dem Herrn die Reinheit euerer Absicht bekannt, und ist cs ihm, dem Allwissenden, auch offenbar, daß ihr getreulich euer Versprechen lösen, und im Kampfe bei euren Brüdern bis zum Ende aushalren werdet, so wohnt ein solches Bewußtsein doch den Kindern Israel, welche nickt in die Zukunft zu lesen vermögen, nichtein, und es könnte dadurch verderbliche Zwietracht in eurer Mitte entstehen. Eure Bitte kann darum keine Gewährung finden, früher eigenthümlichen Besitz von eurem Erdkunde zu ergreifen, alS bis auch das gesammte Israel sein Erbthcil in Besitz genommen, denn ihr müßt rein vor Gott und Israel sein. — Ist somit brüderliches Zusammenhalten und Entfernung aller Zwiespalt hier klar das, was r-cv mir dem menschlichen Beifall neben dem göttlichen bezwecken wollte, so findet dieser Grundsatz auch im alltäglichen Leben seine Anwendung. Bist du dir auch keine Schuld bewußt, hast du auch genau dein Herz erforscht und gefunden, daß es rein vor Gott sei, so mußt du dennoch auch danach trachten, wie du auch vor Menschen rein erscheinst, und jeden falschen Verdacht von dir abwälzcst, oder im Voraus unmöglich machst. Verdacht erzeugt Lieblosigkeit, diese erzeugt Zank und Hader und endlich den Haß und die Zwietracht, welche Ruhe und Glück hienieden zerstören, und den himmlischen Vater betrüben, der liebevoll für die Glückseligkeit seiner Kinder seine Welt gegründet. Du mußt aber, Erdensohn! fernerauch darum deine Unschuld vor Menschen kund geben, wenn sie auch Gott bewußt ist, weil dein Beispiel deinen Mitbruder anregt. Man sucht, wie die Erfahrung lehrt, so gerne am Leben seines Mitbruders zu mäkeln, nicht immer aus Lieblosigkeit, sondern häufig auch, weil man darin eine Befriedigung seines Gewissens für seine eigne Fehler zu finden glaubt. Ist ja auch der, welcher als frommer und vollkommner als ich gilt, nicht von Fehlern und Vergehungen rein, warum sollte ich es sein müssen? So denkt mancher Sünder, der sich hinter der Erniedrigung seines Mitmenschen verschanzt, und sich in diesem Verstecke sicher glaubt. Ich will nicht das Gehaltlose einer solchen Selbsttäuschung erst aufzudecken suchen, der Einsichtsvolle bedarf einer Widerlegung nickt. Uns genügt zu wissen, daß so mancher dieser Täuschung sich überläßt, und dadurch die mahnende Stimme seines Gewissens zum Schweigen bringt. Die sicherste Wirkung dagegen aber ist, daß du bei allen deinen Handlungen, jeden Schein von Schuld von dir abwälzest, damit du vor den Augen der Menschen so schuldlos und rein wie vor Gott befunden werdest. Du erzeigst deinem sündhaften Bruder damit den größten Liebesdienst, denn du erzielst seine Besserung vielleicht, wenn er sich nickt mehr überreden kann, du seiest Sünder und Fehlender wie er. Du ehrest deinen Himmelsvater, indem du ihm Kinder vom Abgrunde des Verderbens rettest, und seiner Vatcrliebe wieder zufuhrst. Eine solche Unschuld wollten die Beschuldigten kund geben, indem sie sagten: „Gott, der Ewige weiß es und auch Israel soll es wissen, daß nicht Abfall oder Untreue gegen Gott unsere Absicht sei. Bei jener Beschuldigung stand nicht wie bei der ersten, welche v'-ü'b? und Stamm erduldet batten, Bruderliebe auf's Spiel; es war nicht menschliches Interesse, dessen Verletzung man sie beschuldigte, sondern es galt der Gotresverehrung und dem Religionsdienst, und doch wollten auch vor den Angen der Menschen sie gerechtfertigt erscheinen, damit ihr vermeintliches Beispiel nickt zu Sünden verlocke, damit kein Abtrünniger sich je hinter ihr vermeintliches Beispiel verschanze. Endlich aber ist es auch noch Erstarkung in der Glaubenstrene, waS der Erdensohn hienieden im menschlichen Beifall seines Wirkens suchen kann und soll. Ein weiser Lehrer gab einst seinen Schülern den letzten Segen, dahin lautend, daß sie stets Gott so viel als die Menschen fürchten mögen. „Nicht mehr?" war ihre Frage. „Mir genügt dieses schon," seine Antwort. In schwachen Stunden, wo