Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 13 (30.6.1854)
- Date
- 1854-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Streiten! Wer hat die Herren angegriffen? Wer hat einen Streit mit ihnen begonnen? Gefragt haben wir in dem würdigsten, der Sache angemessensten Tone, in der öffentlichsten Sache von der Welt, eine offene freimüthige Frage an sie gerichtet, und «den möchten wir sehen, der in unserer Anfrage auch nur Ein achtungswidrigcs, verletzendes Wort aufzuweisen vermöchte, — und sie/ die gänzlich Ünangegriffenen, dürften mir himmelwärts gewandten Augen, in den Mantel eines schweigenden Märtyrthums gehüllt, der Antwort entschlüpfen? 2st aber ihre Gemüthsverfassung so zart, ihr Gedanken- und Gefühlssystem so spinneweben, daß ihnen auch schon der bloße Hauch einer männlich offenen aber bescheiden, berechtigten Anfrage ein Angriff gilt, dann sollten sie die Arena des öffentlichen thatkräftigen Wirkens meiden und lieber ihre «kostbare Zeitin den ungestörten Räumen des die Umbänge wcghcbt, und der entheiligte Muskel einer Gcistcslcichc der Vergangenheit geduldig das Sccirmesser dcö Antiquitätenforschcrs erträgt, und nicht einmal mit der „Anfrage" entgegcnzuckt! „was habe ich dir gethan, daß du mich zum zweitcumale lödtest!" Aber wir „Ignoranten" wir „Sidur Lomdim" seien keiner Antwort würdig! — Wären wir's — seien wir's — mit Bettlerstolz nehmen wir diesen Reichenmanneshohn entgegen, mit Geusenstolz ergreifen wir diese von Hohn uns zugeworfene Titel und gebrauchen sie alS Dokumen tirung unseres Adels und unseres Rechts. Weh' dir Israel, wenn deine „Gelehrten" mit dünkelhaftem Hochmuth also auf die Unwissenden, die Ignoranten, die Sidur-Lomdim, also auf das Volk herabschauen, und cs vergessen, daß den Holzhauer und Wasscrschöpfer Gott herbeirief, um ihn den Fahneneid zur Thora mitschwören zu lassen! Weh' den einstigen mit solchem Hochmuth großgefütterten Lehr- und Nabbineramtszöglingen der zu gründenden, der für Jakobs Hans zu gründenden Pflanzstätte! Das Volk wird labendes Wasser und stärkenden Wein und nährende Milch von ihnen erwarten — sie aber werden nichts anderes haben, als das Salz- und Bitterwasser der vornehm-kritischen. Füllung, und wenn dann die dürre Lippe des verschmachtenden Volkes den salzig bitteren Rand des kritischen Volks zurückstößt — werden sie es mit höhnendem Fußtritt von sich weisen: „Geht, Ihr seid zu dumm, wir können Euch nicht helfen, IhrIgnoranten, Ihr Sidur-Lomdim! geht—" Wie? Wir armen Unwissenden, wir Ignoranten, wir armes unwissendes Volk, wir dürfen nicht zu unwissend sein, um Gut und Blut für unsere Thora zu opfern, um mit opferfreudiger Hingebung für unsere Thora zu leben und zu sterben, viel ernstere Versuchungen jeden. Tag und jede Stunde für unsere Thora zu bestehen als Ihr, hinterm Studirpulre vor jedem rauhen Luftzug des kampf- und sorgenvollen Lebens geschützten Gelehrten — und wir sollten unser heiligstes Gut: die Thora, unsere thenerstcn Pfänder: unsere Kinder für diese Thora, und die Zukunft dieser Thora und dieser Kinder Euern Händen überantworten, und nicht zu der Voranfrage berechtigt sein, ob wir sie auch nach den Überzeugungen unseres Gewissens, den rechten Händen übergeben würden? Nach Eurer Gelehrsamkeit haben wir nicht gefragt; von Eurer jüdischen Gesinnung war die Rede, mußte in unserer zerklüfteten Zeit die Rede sein. Zu welcher Fahne Ihr schwöret, wünschten wir zu wissen, und danach haben wir öffentlich, nicht privatim, anonym und nicht genannt gefragt, weil nur die Oeffentlichkeit der Antwort eine Garantie der Zukunft geboten hätte, und weil nicht wir, N. N. und sondern die Sache, die heiligste Sache, das allgemeinste Interesse Liese Anfrage zu stellen berechtigt war. Jetzt aber fragen wir nicht mehr. Euer Schweigen und 0. L.'s Reden haben genug geantwortet. Wir wissen, woran wie sind. Das alte Indenthum hat Nichts von Ench zu hoffen. Sein Heil muß anderswoher kommen, M7 . -rich7WL' 16. Juni 1851. Der Verein von Freunden der Wahrheit und des orthodorcn Indenthums. -- Moralische Sprüche aus dem Talmud. (Zonsctziuig.) 103) R. Nechawa N. N. Juda sagte: Wer einen Leichenzug begegnet ohne sich demselben anzuschließen und somit gleichsam den Tobten herabsetzr, dem trifft der Vorwurf des weisen Königs (Sp. 17, 5): «Wer des Armen spottet, lästert seinen Schöpfer;" begleitet er ihn aber und erzeigt dem Tobten hiemit gleichsam den letzten Liebesdienst, so ist .auf ihn der Vers anwendbar (Sp. 19, 17): «Wer gegen den Armen (mit dem der Tobte zu vergleichen ist) sich wohlthätig zeigt, leiht gleichsam dem Ewigen" (hat nämlich sicher auf dessen Belohnung zu rechnen, als möchte er gleichsam eine Schuld einzufordern haben.) 101) R. Iosua S. Lewi sagte: Wer auf einen bereits verstorbenen Gelehrten etwas Nachtheiliges spricht, verdient in die Hölle zu fahren. In R. Ismael's Schule wurde in diesem Sinne auch gelehrt, wenn du einen Gelehrten bei Nacht siehst einen Fehltritt begehen, darfst du ihn schon deshalb