Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 8 (28.4.1854)
- Date
- 1854-04-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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30 Ausdruck lang gehegten religiösen Freiheitsschwindels, für den natürlichen Schaum reformatorischen Labvrircns: dann begreifen wir wahrlich nicht, wie wahrheitsliebende Männer an den Träger eines Banners, auf welchem die Devise: „Das Iudcnthnm ist der Fortbildung fähig" geschrieben sieht, zur Beruhigung ihres Gewissens sich wenden konnten. Wie wenig maßgebend aber jene Beschlüsse sind, wie sie nur bestimmt waren, um den Drang ihrer Urheber nach Reformation zum Zwecke der Sickgeltendmackung zu befriedigen, erkennt man unter Anderm auch aus dem Gnadenakte welchen man dem zweiten Neujallrstagc angedeihen ließ. Wenn ein zweiter Festtag überhaupt, als für uns bedeutungslos, in Abgang dekretier werden kann, so könnte ja auch bei dem zweiten Nenjahrstage, dessen Entstehuugsgrund als für uns nicht bindend erklärt werden mag, dasselbe Statt finden. Man wollte aber — vielleicht aus;'-?e> vielleicht um dem Bestehenden nickt gar zu nabe zu treten und mit der Masse der Iudcnheit nicht ganz und gar zu brechen — eine Accomodarion fick gefallen lassen, was aber ehrlichen Reformatoren sehr übel an stellt. Und den Modergeruch der längst abgeschiedenen Rabbiner-Versammlung wolltet Ihr, Männer Mantua's, wieder aus dem Grabe steigen lassen? >oi)7v 'NL vll?,. Ist Euer Iudenthum das rabbiniscke, so befraget nur rabbinisch lebende und lehrende Gelehrte. Ist Euer Iudenthum das reformiere, warum fraget Ihr? Prüfet und urtheilt! T . . . , L . . Moralische Sprüche aus dem Talmud. (Fortsetzung.) 60) In der Nachbarschaft R. Meicr's wohnten einige gottlose Menschen, die ihm durch ihren schleckten Lebenswandel viel Aergcrund Herzlcid verursachten. Er betete daher zu Gott, daß diese sterben sollen. Da gab "ihm hierüber seine weise Frau, Bernria, einen Verweis. Wie! sagte sie, heißt eS denn im Gebete Davids (Pf. 104, 35): „Es mögen die Sünder verschwinden?" Es heißt ja dort vielmehr nur: „Es mögen die Sünden vertilgt werden!" (sie las nämlich „so wird es weiter keine Frevler mehr geben," wie cs dort auch im Nachsatze heißt; bete daher vielmehr daß sie sich bessern mögen. Er befolgte hierauf ihren weisen Rath und sie besserten sich auch wirklich. 61) Diese weise, bibelkundige Frau wurde einst auch von einem Zadukäer gefragt: Warum heißt es (Ies. 54,1): „Frohlocke Unfruchtbare, die du nie geboren,'^ soll sie deshalb frohlocken, weil sie nie geboren? Hierauf entgegnete sie: Unwissender! lese doch den Nachsatz dort: «Denn mehr werden die Kinder dieser Verlassenen, als die der Vermählten sein, spricht der Ewige." Der Vordersatz muß daher nur so verstanden werden: Frohlocke Israel, inwiefern du, einer Unfruchtbaren gleich, keine Kinder für die Hölle (wie ihr es seid) geboren hast. 62) Ein Zadukäer fragte auch einst R. Abuhu.- Da Davids Flucht vor Saul weit früher als seine Flucht vor Absalvn siartgefunden hat, warum wurde denn diese schon im 2ten, jene aber erst im 57sten Kapitel besungen? Hierauf antwortete R. A , daß nur deshalb Davids Flucht vor seinen Sohn gleich nach dem von ihm im 2ten Kapitel (das.) besungenen, im Geiste vorausgeschenen Völkeraufstand unter Gag und Magag besungen wird, damit, wenn Jemand diese vorausgesagte Völkcrempörung gegen Gott etwa mit den Worten in Zweifel ziehen wollte: Wie ist das nur denkbar, daß ein Unterthau sich so gegen seinen Herrn, wie diese Völker gegen Gott den Herrn des Weltalls, vergessen sollte? man ihm hierauf gleich erwidern könnte, daß auch die Empörung eines Sohnes gegen seinen Vater, wie die des Absalon gegen David, unglaublich geschienen hätte, und dock hat sie in Wirklichkeit stattgefunden, so wird auch diese Völkererhebung, so unglaublich sie auch scheinen möge, einst stattfinden. 63) R. Jochanan N. R. Simon S. Iochai sagte: Die Worte welche Salomo (Spr. 31, 26) vor der biedern Frau sagte: „Mit weiser Rede öffnet sie ihren Mund und auf ihrer Zunge ist sanfter Unterricht" sind auf die begeisterte Seele Davids anzttwendeu, welcher für jede der fünf verschiedenen Lcbensepochett, dieer so wie jeder Mensch hienieden durchmachen mußte, das Lob Gottes besungen hat. 1) Auf seinen Aufenthalt im Mutterleibe sagte er (Pf. 103, 1): „Meine Seele benedeie den Herrn, all mein Inneres seinen heiligen Namen (worunter er auch seinen zeitweiligen Aufenthalt im innern Schooße seiner Mutter verstanden hat. 2) Auf seinen Eintritt in die Welt, wo er zuerst das Sonnenlicht erblickte, die Sterne und Planeten betrachtet hat, rief er aus (das. 20, 21): „Lobt den Ewigen, ihr seine Engel! Heldcnkräfte die ihr ihm gehorchet, seinen Willen zu vollstrecken, benedeiet den Herrn, ihr seine Heere! 3) Auf seinen Zustand als Säugling, dem seine Nahrung aus der Mutterbrust auf die anständigste Weise reichlich zufließt, deutete er mit den Worten (das. 2) hin: „Benedeie meine Seele den Herrn, und vergiß nickt alle seine Wohlthaten (auch die nicht dieer dir als zarter Säugling erzeigt llat.) 4) Auf seinen Standpunkt in der menschlichen Gesellschaft als Mann und Regent, wo er zwar oft zu seinem größten Leidwesen das freche Treiben der Frevler mit ansehen mußte, am Ende aber dock ihre Strafe und ihren Unfall auch vorauösah, rief er begeistert aus (das. 104, 35): „Verschwinden