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Der treue Zionswächter · 1854-03-17 · 6 (17.3.1854) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
10 (1854)
Issue
6 (17.3.1854)
Date
1854-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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22 NI. Noch, rn. F.! bleibt uns aber, nachdem wir bereits die Wahrheit und die Wichtigkeit des Erlösungsglaubens dargethan, eine dritte Rücksicht zu beleuchten übrig, nämlich auch die Nützlichkeit dieses Glaubens, selbst für unser jetziges Staatenleben darzurhun. Schon der Erzverfuhrer hatte sein Werk der Zerstörung deS Glaubens Israels damit begonnen, daß er Israel an Erfüllung des Gebotes unseres Textes, des dreimal jährlichen Besuchs des Gottestempels, hinderte; er hatte, in richtiger Würdigung der Wichtigkeit dieses Gebotes als größte Stütze des Glaubens, das Werk seiner Verführung damit begonnen, daß er das Volk überredete : „Ihr seid lange genug nach Jerusalem gewandert, diese goldene Kälber, Israel! sind deine Götter, die deine Erlösung aus egypttscher Sklaverei bewirkt." Dieselbe Sprache ungefähr fuhren auch die Verführer unserer Zeit im Munde. Ihr habt lange genug um die Rückkehr nach Jerusalem gebetet, und von ihr Erlösung gehofft. Burgerthum und Freiheit, Israel! sind fortan die goldnen Götzen, die dir Erlösung bringen, mit welchen aber ein solches Glauben, Wünschen und Beten wie dein bisheriges sich nicht verträgt. Doch, m. F.! gesetzt auch es wäre dies, gesetzt auch dieser Glaube stände im Widerspruch mit den Gaben, die die milde Hand des Staats seinen Söhne» spenden will, dürften wir einen Glauben, gestützt auf GokteSwort, unveränderlich wie der Erhabene dem es entflossen, dürften wir, sage ich, einen solchen Glauben, irdischem Gewinne zum-Opfer bringen? Wiegen alle Güter des Daseins, wiegen Kronen selbst, die Pflichten auf, die wir dem Allvater schulden? Steht aber in der That dieser Glaube, diese Hoffnung, die Israel Jahrtausende schon beseelt, in Widerspruch mit Vaterlandsliebe, mit Bürgerpflicht und Tugend? 'Nimmermehr. Schon im babylonischen Exil, dessen Zeitraum nur auf 70 Jahren bestimmt war, ließ der Herr dem vertriebenen Israel durch den Propheten N'v-,' (v'2) sagen: „Bauet Häuser und bewohnt sie, legt Gärten an und genießt ihre Frucht, schließt Ekebündnisse und vermehrt euch, sucht das Beste der Stadt, dahin ich euch vertrieben habe, betet für sie zum Ewigen, denn mit ihrem Wohlsein ist auch euer Wohl begründet." War dieses des Herrn Vorschrift schon für einen Zustand, der sicher schon nach einigen Iahrzehend endete und eine Rückkehr nach Jerusalem erfolgte — um wie viel mehr muß sie für den unsrigen Geltung haben, dessen Ende nur des Herrn Allwissenheit kennt? Kann somit nicht auch der Israelite jetzt von reiner ^Vaterlandsliebe durchglüht sein, kann er nicht alle Bürgertugenden üben, unbeschadet dem Glauben, einst vor dem Angesichte Gottes wieder in seinem Heiligen Tempel zu erscheinen? Sollte wol das Heil seines jetzigen Vaterlandes ihm weniger am Herzen liegen, weil seiner Hoffnung ei» schöneres Vaterland reiner Seligkeit blüht? Verachtet denn der an eine ewige Zukunft Glaubende aller Nationen die Güter des Daseins, und haben sie darum weniger Interesse für ihn, weil er emst in der Ewigkeit, wichtigere Guter, schönere Freuden zu erhalten hofft? Ja, im Gegentheil, kann dieser Glaube nur dazu beitragen, das Burgerthum im Israeliten zu veredlen. Ist Religion ja die Stutze des Staats, sind die Gläubigen ja stets seine besten Bürger. Zu allen Zeiten, selbst unter größtem Drucke, waren Israeliten, die Dulder sur den Glauben, den treuen ordnungsliebenden Unterthanen beigcsellt. Muß dem Staat daher nicht strenger Glaube, der in seinen Israeliten ihm bisher getreue Unterthanen erhalten, erwünscht sein? Muß ihm ein Glaube nicht erwünscht sein, der den Blick nach höheren Gütern lenkt, und dadurch vermögend ist, der uns, wenn auch mit Unrecht, zum Vorwurf gemachten Gewinnsucht zu steuern? Und endlich, ist dieser Glaube etwa selbstsüchtig, ist er lieblos gegen Mitmenschen und Mitbürger? Fußt er ja einzig auf Propheten- Verheißungen; und sprechen diese nicht, wie die angeführten Stellen zeigen; von Belehrung, Beglückung, Beseligung aller Völker? Darum, m. B.! lassen Sie uns, aller Vepfuhrpngsversuche ungeachtet, fest und unwandelbar an dejn Glauben Hallen, dessen Wahrheit, Wichtigkeit und Nützlichkeit wir eben erforscht, und lassen Sie uns sodann heute wieder aus voller Seele mit unfern Vätern und Urvätern beten: hcri n n her!>pc' her„Laß, o Herr! das Licht deines Antlitzes uns wieder strahlen, und für deine Opfer wollen im erhabenen Tempel wieder den heiligende wir darbringen." — Amen! ——oHY-K»- Moralische. Sprüche aus dem Talmud. Von Joachim pollack, Rabbiner zu Trebitsch. (Fortsetzung.) 55) Raba trug seinen Kinder» folgende drei Dinge zur Beobachtung auf: I) kein Fleisch auf der Handfläche zu schneiden, um sich nicht, wie Einige glauben, hiedurch etwa eine gefährliche Handverletzung zuzuzichen, nach Andern aber, um nicht hiedurch, auch bei einer nur unbedeutenden Verletzung, doch eine Störung bei der Tafel zu veranlassen; 2) sich auf kein heidnisches Bett zu setzen, womit er ihnen nach Einigen nur verbieten wollte, sich nicht des Nachts, gleich einem Heiden, zu Bette zu begeben ohne vorher das Schema gelesen zu haben^ nach Andern aber keine, wenn auch schon bekehrte, heidnische Frau zu heirathen. Noch Andere nehmen dieses Verbot ganz buchstäblich, sich nämlich bei keinen Heiden auf ein Bett oder Sopha zu setzen ohne es früher genau untersucht zu haben, um sich nicht hiedurch jener Gefahr auSzusetzen, der

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