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Der treue Zionswächter · 1853-11-25 · 24 (25.11.1853) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
9 (1853)
Issue
24 (25.11.1853)
Date
1853-11-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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94 liebe — diesem Abgott der Zeit— auf^.eine unsanfte Weise begegnet, der unbändigen Sinnlichkeit Zaum und Zügel anlegt und der Weltlust Schranken setzt. Ist es denkbar, daß Jahrtausende hindurch über die Bedeutung eines Verbotes, wir nehmen z. B. n'n an, der 'unsinnigste Jrrthunr obgewaltet habe, und "daß es erst , der Gegenwart aüsgespart wär diesen Jrrthum durch eine bessere Erkenntniß zu zerstreuen? der Gegenwart, in welcher dieser selbige Jrrthum „von der großen Mehrzahl der.Bekenner des Judenthums, trotz der vielen sogenannten Erleuchtung, die ihnen von außenher gespendet wird, mit der heiligsten Begeisterung, die man nur der Wahrheit zollt, umarmt und gepflegt wird? Ist es denkbar, daß in der mehr als zweitausendjährigen -Periode des Talmudismus und Rabbinismus, der Geist immer in denselben Jrrbahnen befangen gewesen sein solle, bis sich endlich eine zweideutige Koriphäe unserer Zeit seiner erbarmte, um ihn auf den rechten Weg zu bringen und zu der so einfachen Annahme, daß das in seiner dreimaligen Wiederholung nichts von seinem natürlichen Sinn verliere, indem diese Rcdupplicationen ein bloßes Spiel des Zufalls seien? daß das eine o-v-nc und das andere v'v' nne keinen Widerspruch involvire, sondern wieder dem Zufalle angehöre? Ist es denkbar, daß Männer, denen die Wissenschaft nicht bloß nicht fremd war, sondern die darin auch erkellirten, wie R. Gamliel,*) der schon astronomischeTafeln hatte und Schemuel Jarchenai,**) der in der medizinischen Wissenschaft florirte u. A., ich sage, ist es denkbar/ daß solche Männer mit Hellem Geiste und scharfem Blick z. B. den den Dernunftschlüssen ganz fernliegenden c'o welcher, was der den logischen Conclustonen analogere'"? nicht vcmochte?7av;>c:w?? — oft eine Leib- oder Lebensstrafe nach sich ziehen konnte,***) wenn sie nicht von der Wahrhaftigkeit der Tradition, von ihrer sichersten Begründung durch die Schrift überzeugt gewesen wären, stillschweigend hätten gelten lassen und auf- und angenommen, ohne sich mit allen Waffen, die die Wissenschaft dem Denker in die Hand giebt, gegen einen solchen unbegreiflichen Grundsatz aufzulehnen? . Wir behaupten, daß, wenn es unleugbare Thar« sache ist, die Tradition habe schon so lange Zeit hindurch als die recipirte Interpretation deS Schriftwortcs gegolten, so müsse schon um deshalb, und wäre sie auch nur das Produkt des menschlichen Geistes, eine Verläugnung derselben wie sie beut' zu Tage stattfindet, zum gelindesten ein leichtfertiges Verfahren genannt werden, das in seiner Verwerflichkeit nicht genug gewürdigt werden kann. *) Rösch Haschänr K.2. §8. '^) Balm Mczia 85 b. -) Kclbub. Raschi 3<r, Hillin SZs, Ramb. Jsch. K. 1 §3. Nachm. Lcpher Hamizw. «ännnts. 2. Wie aber, wenn wir das Vorhandensein der Tradition in einer noch früheren Zeit nachweifen werden? In einer Zeit, da Männer noch lebten, die in göttlicher Vertrautheit standen, und somit den ächten Sinn des Gottes Wo rtes eher zu erfassen vermochten, als wir, wie dann? — In dcw fünf. Büchern M^schc's wird, an Mehren» Stellen von deb S'äbbathfei'e^ geredet;' was aber eigentlich unter Arbeit, die am Sabbath verboten ist, alles begriffen sei, das wird nicht deutlich gelehrt. Unsere Weisen haben bekanntlich den Begriff der Arbeit genau nach den wIb und sirirt, und wir wissen nun, durch welche Arbeit der Sabbgth entweiht wird. Nun lesen wir Nehemias Kap. 10, V. 30, und träten in Eid und Schwur zu wandeln „nach der Lehre Gottes, die gegeben wurde „durch Mvscheh dem Knechte Gottes und zu „halten und zu thun all' die Gebote des Ewigen „unseres Herrn/und 'seine Rechte und seine „Satzungen" (V. 22.) «Und wenn die Völker „des- Landes Maaren und allerlei Nahrung am „Sabbath zum Verkauf bringen, so wollen wir „ihnen nichts abkaufen am Sabbath und an „den heiligen Tagen." (Jbid. K. 13, V.1617.) „Und die Zorim die darin wohnten brachten „am Sabbath Fische und allerlei Maaren und „verkauften den Söhnen Jchnda'ö und Jeru- „schalajim's; da zankte ich mit den Edlen von „Jchuda und sprach zu ihnen: welcher Frevel „ist.! das, den ihr verübet, daß ihr den Sabbath;,eMweiheL?" Wo at^r m -er durck Mvscheh denKnechtGottes gegebenenLehre Gottes ist jemals, frageich, die Rede davon, dass am Sabbath kein Geschäft gemacht, nichts gekauft! werden Dürfe? Ist es nicht klar wie der Tag,' daß schon zu den Zeiten Nehemia'sder traditionelle BegriffderSabbathsfeier vollständig vorhanden war?*) Ferner: Daniel wollte den Wein desbabplonischeKönigs, nicht bloß den er den Götzen opferte, sondern auch seinen Tisch- und Trinkwein roc»nicht trinken. Wo aber wird das in der Schrift verboten? Da das;» wc' erst von der Tradition auf den s>c als inhidirend angewendet und der Lnv von unfern Weisen selbst als ini? verboten wird? Ist es wiederum nicht klar wie der Tag, daß der Genußverbot des nichtisraelitischen Weines, ganz und gar der Tradition angehörig, schon damals in seinem ganzen Umfange vorhanden war? Wie? und was wir in so ferner Zeit als ebendieselbe Interpretation des Gottcswortes erkennen, als die wir heute noch in, der Judenhcit antreffen, sollte nicht zum mindesten dieselbe Berücksichtigung finden, die andern Erzeugnissen des menschlichen Geistes gespendet wird, bei welchen man mit der treuesten Sorgfalt nach dem Grund und der Ursache forscht *) Siche auch Jcs. 28, 13 prd n'rr, Zerm. 17, 20 ff.

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