Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 24 (25.11.1853)
- Date
- 1853-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2625941-2626010-2626034--2723-2627311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zur g a n - - -er Interessen -es orthsdorm IuVkiUliuins. 9. Jahrgang. 25. November 18Z3. I Altona. I T4. Schrift nnd Tradiition. I. Der- Mensch ist selten so begabt, daß er bei Betrachtung irgend eines Gegenstandes bis auf den Grund desselben niedersteige, in der Regel tastet er immer nur an der Oberfläche herum, und bewahrt den ersten Eindruck, auch den flüchtigsten, als einen solchen, der ihm zum Maaßstad der richtigen Würdigung und Beurlheilnng des angeschaüten Dinges dienet. Nur wenigen Auserkorenen iss es vergönnt, sich mit der ganzen Schädfe und Elüsticitär ihres Geistes in die Tiefen des Objekteszu versenken, das von ihnen erkannt werden soss; aber je> reicher ihr Geist ausgestattet ist, je klardr-ihr Antze^schgut, je mehr sie sich ihrem Gegenstände Klir AvfMvrksämkeil gewidmet haben, desto dElich^t<- und bestimmtet tritt ihnew dir Ueberzeugnrig entgegÄi- ^däiß!; de- Mensclisn Wissen ein rrnsicher^s, mangelhaftes, schwankendes sei, das auf sich selbstnichk' beruhen könne, sondern aü ein höheres sichlehnen müsse. Und in der- Tdat reihen sich die 'Erzeugmffo des menschlichen Geistes innig aneinander, >»vitt> die Vergangenheit' Mir ihren Schöpfungen die Basis fiir die Gegenwart, borgt eine Zeit Svtt dör andern, und in gewissem Sinne kann man sägen, alles Wisse» sei' präg m a ti sche Erke nntn ist. Die Natnrs undMeNWengkschichte als die Gebiete, welche am weitesten hin ihren Umfang änsdehnenbeweisen dies am deutlichsten. Da ist ein ewiges Fortfpinneir von Erscheinungen undThütsachen, eine engeGliever^. kette von Ereignissen, deren Anfang in die entferntesten Jahrtausrndezürttckreicht, und so devMensch mir sewew eigenon - Vsrstänvviß heraNKutreten sucht, muß er da nicht dieEvotutisnen und RevolnlLvNen, die Beobachtungen,- Wahrnehmungen und Erfahrungen früherer Epochen mrd Phasen als den Untere hau späterer Erscheinungen und Fakten betrachte«, nicht als die causale Evnnerirät, die keinen leeren Zwischenraum unter-sich duldet. Ist es aber nicht merkwürdig und zugleich den Standpunkt, den die Gegenwart einnimmt, genau bezeichnend, baß man jetzt diese einfache Wahrheit überall zur Geltung kommen läßt, nur nicht, so es sich um die Tradition handelt? Darüber ist man einigdaß die Wissenschaft hinket-sich sehen muß, die Resultate früherer Epochen benutzen, wenn siö selbst etwas Bedeutendes erzielen will; Nur was die jüdischen Weisen uns hinterlassen, das allein soll nicht in Rechüung gebracht werden, soll nicht in die Gegenwart hinüberreichen, und sich geltend machen dürfen. - 2st das Gotteswort, niedergelegt in den Büchern Möscheh's, darum weik es eben ein göttliches ist, ein tiefes, iNhäktreiches, ein solches, das der menschliche Geist nicht erschöpfen kann, warum ist nun der gegenwärtige Mensch mit feiner Cintagsweisheit und Erfahrung so schnell bei der Handdas Näthsel zn lösrn, das Geheimniß zu entschleiern? Ueberall ünterordnet er sich dem Empfangenen und Ueberlieferten, zehrt er an dein Erbtheil der Zeiten, ist ihWdir Vergangenheit der Schlüssel der Gegeir-- wart und Zukunft, und gerade hier will er rabulch rasa machen, se i ne IlnschaünngeN, seine Beobachtungen, soi ne Begriffe se i n e Erkenntnisse denjenigen^ substituiren, die ihm von einem vier tausendjährigen Geschlecht sind übergeben worden? Wir lassen die' : Frage von der Göttlichkeit der Tradition noch ganz aüs'sich beruhen— obgleich wir weiter zeigen werden, wie diese Göttlichkeit der Tradition aus der Schrift selbst hervvrlenchtet und darum uns ebenso Unantastbar sein müsse wie die Schrift selber — allein wir wollen vorläufig davon noch gänzlich absehen^ und uns bloß dciran halten, daß so wie bei jedem ändern Objekte der menschlichen Erkenntnis! eitt' pragmatischer Zusammenhang in den Erzeugnissen des menschlichen Pristes nothwenbig anerkannt werden mnß, daß dies auch in Bezug auf^die träditionellen' WahrheiteN und wären sie auch nur Menschenwerk gelten solle, daß da nicht ein jeder mit einrNr Hederzug die ganze indische Vergangenheit durchstreiche und mit der Autonomie seiner Kritik ihrem alt erworbenen Rechte entgegentrete. Denn wahrlich, unwillkülsslich wird man zu der Annahme hingedrängt, man rette die Tradition nur um deshalb nicht, weil sie genirt, wett sie der Bequemlichkeits,