Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 9 (6.5.1853)
- Date
- 1853-05-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2625941-2626010-2626019--2649-2627222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Wir kommen jetzt zum letzten Punkts womit unsere Abhandlung in Hinsicht auf den von unfern Kanzeln vorzutragenden Inhalt der heiligen Schrift sich zu beschäftigen hak zu Hem, was die Religion ihren würdigen Bekennern verheißt, und was demzufolge diese zu hoffen und zu erwarten haben. Was an frohen Hoffnungen und Erwartungen das Judeüthum in"seineu Bekennern rege macht, das bezieht sich theils auf die gnädige Leitung, mit welcher sich Gott in unfern Schicksalen verherrlichen will, theils auf die Vergeltung der treuen Tugendübung und des kindlichen Gehorsams gegen Gott in dieser und der zukünftigen ' Welt. Eben hier, wo von Belohnungen und Vergeltungen überhaupt, und namentlich von denen, die schon in dem gegenwärtigen Leben erfolgen sollen, die Rede ist, mag der Punkt sein, der die lichtvollste Behandlung eben deshalb nothwendig macht, weil gar viele Vorsicht erfordert wird, um weder dem eigennützigen Triebe Vorschub zu leisten, noch ein falsches Vertrauen zu begünstigen, noch, wo solche Vergeltungen scheinbar ansbleibeu, zu einem Mißtrauen und zu einer Unzufriedenheit, wozu das menschliche Herz nur zu geneigt ist, den Grund zu legen, sondern vielmehr dagegen den Sinn der völligen und reinen Gottergebenheit zn wecken und zu befestigen, der es dem obersten Regierer anheim stellt, wann, wo, wie und in welchem Grade die liebliche Frucht der Gerechtigkeit, oder der bewiesenen Pflichttreue geerndtet werden soll. Nicht minder aber wird gewiß eine lichtvolle Darstellung, so weit sie möglich ist, besonders da erfordert, wo es die Erwartungen der höheren, ewigen Zukunft siiw, ans die wir unsere Zuhörer verweisen. . Zwar können wir ibuLn ja allerdings über die Natur der zukünftigen Güter kein befriedigendes Licht anzünden; aber die Erwartungen selbst, daß es ein zukünftiges Leben und in demselben Güter gebe, die des menschlichen Strebcns werth find, können wir doch, als in Vernunft und Schrift wol begründet, so deutlich Nachweisen, daß gegen sie sich schwerlich noch irgend ein bedeutender Zweifel bei denen erheben mag, die nur hinlänglichen Gründen Gehör zn geben gewohnt find. Wenn irgendwo Vernunftuud Offenbarungsbeweise sich gegenseitig die Hand bieten muffen, so ist eS bei der Lehre von der Unsterblichkeit und von dem Leben nach dem Tode; aber der Unsinnn der heutigen Schwärmerei, die jene Vernunftbeweise von dem Unterricht ausgeschlossen wissen will, ist demnach kaum zu berücksichtigen. DaS Trachten nach dem ewigen Leben wird der israelitische Geistliche allerdings zu wecken suchen, aber sich'wahrlich auch wol hüten, daß er nicht durch phantafiereiche Bilder und Schilderungen eine Sehnsucht -rege mache, die entweder in leere, witzlose Träumerei, oder wol gar in des gegenwärtigen Lebens Ueberdrnß und dessen kaum zu berechnenden Folgen ausartet. Er wird vielmehr daran erinnern, daß, wo wahrer Hiiumelsfinn die fromme Lust erfüllt, da auch wirklich schon das ewige Leben ist, daß es folglich schon auf Erden beginnt, um in einer höheren Ordnung der Dinge vollendeter fortgesetzt zn werden. Dieses ist auch der Sinn jenes in '"> ansgedrückten Wunsches: inTvör i»r>a vüir, ivbw. Wie beim übrigens nach der Individualität des geistlichen Redners der Kanzelvortrag sich gestalten soll, das bleibe, wenn uns Ordnung, Licht und Klarheit nicht anfgeopfert werden, einem Jeden überlassen. Licht ohne Wärme mag fteklich wol nicht befriedigen, aber Wärme ohne Licht ist dagegen entweder ein fackelndes Strohfcuer, das nur auf Augenblicke erhitzt, oder wos gar ein erstickender und betäubender Qualm, bei welchem denen, die darin weilen, am Ende Hören und Sehen vergehen muß. Kalte VerstaUdeLbezriffs gehen freilich, weder volle Ueberzeugung. noch zum Handeln hinlänglichen Antrieb, noch zur wahren Beruhignng ausreichenden und ausdauernden Grund; aber lebhaft aufgeregte Gefühle», denen nichts als verworrene Begriffe und bunte Bilder der Phantasie-zym, Grund? liegt, haben -wahrlich auch noch keinen enrzigen Menschen zum vollen herzlichen Ergreifen der, Wahrheit, und ebenso wenig zur wahren Besserung und zur echten, dairerhasten Beruhigung geführt. Die Logik hat allerdings, wie mit Stecht behauptet wird, noch keinem Menschen zum Himmel verholfen; aber ob es die Vernachlässigung Her Logik und die daraus entsprungene ungründlkche, dunkle und phantastische,' bilderreiche, und süßliche Art zu predigen jemals gethan habe und zn thnn ^vermöge, mag zur Zeit noch zu sehr problematisch sein. Darum müsse sich, und es wird auch gewiß, in einem Jeden der Kanzel würdigenden Dortrage sich beides mit einander verbinden, Licht und Wärme, Anbau des Verstandes und heilsame Pflege des religiös-sittlichen Gefühls. ——<»-S0S-r>- Notizen zur Mische« Geschichte einiger Städte Mährens. (Beschluß.) Alles was der Allbarmherzige geschehen läßt geschieht gewiß mir znm Guten, denn wären die Inden damals m Jglau verblieben, hätten sie gxwiß alle obbemeldeten Unglückssälle auch später nicht nur nntbetroffeu, sondern sie hätten als Inden die Kalamitäten und Gräuelthaten des 30jährigen Krieges noch mehr empfunden, welches auch in den übrigen königlichen Städten ans welchen sie vertrieben lvurden, bei ihren ferneren Verbleiben daselbst, gewiss der Fall gewesen wäre. So aber, da sie durchgäirgig gezwungen waren, nur in Dörfern, kleinen Städten und offenen. Plätzen zn wohiren, waren sie airch von vielen Leiden, denen die größeren königlichen Städte während der feürdlichen Invasion mW Occupation ausgesetzt waren, größtentheils befreit, und hat auch wirklich meines Wissens keine JlHengemeinpe Mähren'S, irgend ein bedeutendes Nuglück oder eine Judenverfolgung aus der Zeit des 30jährigen Krieges in ihrer Geschichte aufbewahrt, außer Kremsir,') wo am Oten Tain ns ff'ria'n (1643) die Schweden ein förmliches Blutbad unter den Juden anrichtctcn, so daß in dem Gebete, welches zur Seelengedächtnißfeier alljährlich am Sabbath vor dem I7ten Tamus in der dortigen Synagoge gehalten wird, außer dem damaligen sehr frommen Rabbineu Rabbi Mordechri. und seiner Frau, noch 30 andere Glauben- Märtyrer namhaft gemacht werden'). ') Siehe Kochbe Jizchak 14tes*Heft, Seite 82—84. 2) Auch hier zu Trebitsch werden im Gebete für das Seelenheil der Verstorbenen (vios, mrw) welches hier nur am heiligen Ver»