Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 9 (6.5.1853)
- Date
- 1853-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M Wahrung -er Interessen deee orWdorm Juventhuins. 9. Jahrgang. 6. Mai 1853.! Mtona. I ION fVI s Antworte« der Versammlung der israelitischen Deputirten, berufen nach Paris im Juli 1806, auf die Fragen, die ihr auf Befehl Sr. k. k. Majestät vorgelegt wurden. Fortsetzung. - Fünfte Frage: In dem einen und andern Falle, welches sind die Beziehungen, die ihnen ihr Gesetz verschreibt mit den Franzosen, die sich nicht zu ihrer Religion bekennen? Antwort. Diese Verhältnisse sind dieselben wie diejenigen zwischen dem einen, und dem andern Juden. > Wir nehmen weiter keinen Unterschied an, als daß jeder das höchste Wesen in seiner Weise anbetet. Man-hat aus der Äntwört auf'die vorhergehende Frage gesehen, welches die Verhältnisse sind, welche das Dosaische Gesetz, der Talmud, und der Gebrauch uns vorschreiben mit den Franzosen, die sich nicht zu unserer Religion bekennen. Jetzt, wo die Juden keine Nation mehr bilden, und wo sie den Vortheil haben, in die große Nation einvcrleibt zu sein, was sie als politische Erlösung betrachten,'ist es nicht nöthig, daß ein Jude einen Franzosen, der sich nicht zu heitrer Religion bekennt anders behandle, als einen seiner Religionsgenössen. . (Fortsetzung folgt.) Ein Wort über Borträge. . VM Mbbiner Munk zu Pinne. (Beschluß.) Die Gründe, die zur Nebung dieser oder jener einzelnen Pflicht verpflichten nnd.erwecken, bilden, auch wenn sie mit aller Kraft der Beredsamkeit ausgestellt werden, durch sich selbst und allein noch keinen wahrhaft tugendhaften Menschen, so lange nicht auch die Mittel angegeben werden, durch welche jene llcbung befördert und erleichtert werden kann; aber ebenso wenig wird zur Anwendung solcher Mittel sich Jemand entschließen, so lange es ihm nicht aus hinlänglichen Gründen einleuchtet, daß etwas Pflicht, und daß .es insbesondere für ihn Pflicht sei. Durch bloße Aufstellung des Gebotes und durch Hinzusügung schreckender Drohungen an die Uebcrtreter desselben werden nimmer sittlich freie und wahrhaft gute Menschen gebildet, so wenig, wie zur ' echten Moralität auch irgend ein Mensch gefördert werden wilder habe denn zuvor die Stufe der Gesetzlichkeit erstiegen. Gewiß durchaus kein tugendhaftes Denken, Wollen und Handeln wird gefordert, so lange man versäumt, die Bewegungsgründe geltend zu mache», welche schon Vernunft, Gewissen und die gesammte sittliche Natur des Menschen darbieten; aber ebenso wenig wird man Tugendfreunde bilden, es sei denn, daß man die Verpflichi tungs- und Ermnuterungsgründe, die dem Jsraeltzenthume eigestthümlich find, mit Ernst und Nachdruck, mit lichtvoller Klarheit und überzeugender Deutlichkeit hervorzuheben wisse.- Unstreitig also gar zu viel pud mancherlei Hat der Neligionslehrer zu berücksichtigen, wenn er in seinem Kanzelvortrage dahin wirken und mit Erfolg wirken will, daß nicht nur ein gläubiges, sondern auch ein thätigcs Judenthum in seiner ihm anvcrtraüten Gemeinde geschätzt nnd geübt werde. '.. - ES bedarf dazu wahrlich keiner subtilen und psychologischen -Entwicklungen, die nirgends übler angebracht sind, als eben auf der Kanzel; aher man wird wohl auch lercht einsehen, daß dazu mit bunten Floskeln und mit dem ganzen Schwall schöngeisterischer Rednerel ebenso wenig, als mit dem halb mystisch frömmelnden, halb spitzfindigen Gerede über das totale Verderben der menschlichen Natur etwas ausgerichtet fei. Findet der Neligionslehrer es nöthig einzelne Pflichten, oder einzelne diesen entgegenstehende . Fehler besonders hervorzuheben, zu jenen ermunternd, vor diesen warnend: so mache er, was er eigentlich empfehlen, oder wovon er abmahuen will, mehr an Beispiele, deren die heilige Schrift, so viele darbietet, als durch weitläufige Beschreibungen klar, denen der Zuhörer selten ein Interesse abgewinnen kann, aber er hüte sich vor allen Dingen bei dem Vortrage der moralischen Wahrheiten vor jeder Uebertreibung, wodurch überspannte und schwär- ' merische Erwartungen eingeflößt werde». Will man endlich israelitische Tugend fördern, so baue man diese Tugend auf echt israelitischem Gmude, d. h. man hebe dasjenige hervor, wodurch gerade diese Religion Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, und damit zugleich Vertrauen und Eifer zum Guten erzeugt. Auf diese und ähnliche Weise von unfern Kanzeln vorgetragen, wird die Sittenlehre nicht nur sehr wol neben der Glaubenslehre bestehen können, sondern es wird sich zeigen müssen, wie Innig sich beide gegenseitig durchdringen, und wie. gewiß, aber auch in welchem Sinne die wahre Tugend aus dem Glauben hervorgeht.