Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 2 (21.1.1853)
- Date
- 1853-01-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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6 vorznsuhren, dem charakterlosen Treiben schnöder Volksführer charaktervoll entgegen zu treten, und deren verkapptes Betragen., anszudeckcn und zu beleuchten. Für's Erste muß ich jedoch ersuchen, mir ein Wenig in die Aeußerlichkeiten des Lebens zu folgen, und das Terrain zu cvguosciren, auf welchen wir uns bewegen. Wenn von Vertretern der Orthodoxie die Rede ist; so müssen wir vor Allein Liese kennen lernen, und nach der Behandlung unserer Differenz fragen. Handelte cs sich um eine aufrichtige Aussöhnung von Theorie und Praxis, von Lehre und Leben, so werden wir vom orthodoxen Standpunkte aus eine solche nicht zulaffen uud Anlassen können, weil dieses nach dem Begriffe der Religion letzterer grade widerstreitet. Allein cs wäre daun ein Streit über Prinzipien, und wir würden uiuthig darüber kämpfen. Aber nur ebenbürtige Gegner dürfen in die Schranken treten, denen es Ernst um die Sache ist,, die mit Ecsiuuünzen und Charakter die heilige Gottcssache aufuehmen. Es treten uns jedoch un Leben gar oft Gestalten entgegen, denen' es gar nicht um ein jütisches, acht religiöses Bewußtsein zw rhun ist, die der religiösen Scheu schon lange entbehren, und die überhaupt keinen höheren Sinn für Objecnvität haben, sondern ihre subjective Vergnügungssucht unumschränkt dominircn lassen. Es ist dies erstens die große Schaar der indifferenten, Kausleutc, deren Charakter gariz durch eine unfreie Thärigkcit, Erwerbungssucht, äusgemesscn wird, die zu sehr in diese ihre Fesseln geschlagen sind, als daß sie sich daraus zu einem Höheren, Allgemeinen, zur Gemeinschaft des Glaubens einporschwingeu könnten, oder für letzteren auch nur Interesse hätten. Für sie kauu von keiner Differenz zwischen Leben und Lehre die Rede sein; denn bei ihnen würde dieselbe sich auf Eins rniuu8 Aull rediicircu oder vielmehr in Bezug aus die unendliche Identität ihrer selbst mit den Geboten dcS Llngcnblicks ans Unendlich minus Aull. Differenz aber, wie überhaupt mathematische Operationen kann ja nur zwischen gleichartigen Größen stallsindcn. Diese werden also, wenn sie aufrichtig sind, jene Frage über die Ausgleichung jener Differenz nicht aufnchmcn; wir verlassen sie auch getrost, indem wir ihnen sicie Ausdauer und bleibendes Glück un Erwerb, so wie leibliche Gcsunddeir zu Verwendung desselben wünschen. Aeben diesen abstrakt-sinnlichen Glaubensbrüdenr hat sich seit der neuesten Regeneration der Wissenschaft im Judculbunie cme bereits nicht unbedeutende Zahl von Jüngern herangebildcl, denen cS wiederum nicht um ein religiöses Bewußtsein zu tbun ist; die zwar erhaben über jene rein sinnliche Individuen, für alte übrigen Discipluien sich iuteressireu; die mit der Schärfe der Dialektik allen metaphysischen Fragen sich znwenden; die dem Tempel der Aatnr seine ewige Harmonie und Gesetzmäßigkeit abgelauscht; deueu Licht geworden, von dem schwierigen, plwsioguomischcu uud psychologischen Organen der menschlichen Aaiur bis znm unendlichen Miniaiurbau des Amemngeschlcchts; oder die im: anerkannter Genialität den Coryvbäeu der Mediciu sich anrcihen und mit, scharfen, geistigen .Augen den Gebrechen des menschlichen LeibcS uachspüren; oder die mit bewunderungswürdiger Gewandtheit zur Collatien der Gesetzgebungen für kritische Ncchrssälle begabt sind; oder die endlich als liebenswürdige Schriftsteller Pen rauschenden Beifall aller Schöngeister sich erwerben; die aber aus Bequemlichkeit und Heuchelei der Religion den Rücken gewandt haben, und sie theils ignoriren, theils sogar anseiuden. Auch diese gehen ganz auf ihrem Beruf, der Glaube ist für sie nichts Substantielles, es kann also wiehelltzit-von. Liner Differenz die Rede sseis^ auch - W» der kleinen Schaar-er beiden erwähnten Kläffen unserer religiösen Gesellschaft, denen ihr Beruf noch mcht ganz den Glauben verlöscht hat, müssen wir auch noch Viele äbsorbircu, die yach.Wem eigenen Geständnisse von irgend'einem Prv»«kk^eWe^ls Ä«Liv cipatiön, Beförderung u. s. w. geleitet, sich, auf den Kampfplatz religiöser Interessen begeben. Ihr Prinzip ist Eigennutz und Charakterlosigkeit, ihr religiöses Leben Mr ein Scheisileä-n, und für uns ohne Bedeutung' Wir wenden uns nun zu allen Arten der sogenannten jüdischen Theologen, als da sind: Ober-, Unter-, Bezirks-, Kreis-, Land-Rabbiner, Prediger, Neligions- Und Volkslehrer rc. rc. Hier stoßen wir ganz besonders auf das Losungswort: „Lehre und Leben", man versucht beide Substanzen zn ver>öhneli, und so „die Erde,! die Erde des Herrn sein zu lasten, uud den Himmel den Menschensöhnen zn geben": Daß diefts Streben nicht auf dem jüdischen Boden drwächsen, sondern aus dem allgemeinen Bedürfnisse unseres--Jahrhunderts nur aus ihn übertragen ist, haben wir oben gezeigt. Will wollen im Folgenden nur Nachweisen, wie-man demselben auf diesem Gebiete zu genügen pflegt. Wenn die Reltgivsen von Stande und Beruf, wie diejenigen sind , welche uns jetzt beschäftigen, Mit Ernst und Gesinnung zu Werke gehen; so gilt es, wie -gesagtblos einen entscheidenden Kampf zwischen Orthodoxie- und ernster Heterodoxie, und wir werden mit -dem- Beistände Gottes und beseelt von dem Mnrh religiöser Kämpfer den Kampfplatz betreten. — >»aaSocc<« - lieber die Beharrlichkeit im Glauben. Von E. - So wie jedes dem Genüsse weltlicher Ruhe, zeitlicher Glückseligkeit gewidmete Gebäude, wenn anders es nicht durch jeden Windstoß vom Einsturze bedroht sein soll, ein Fundament haben, ans feste Grundpfeiler gestützt sein muß, und je mehr cs von änßercr schädlicher Einwirkung gefährdet ist. je schwerer sein innerer Gehalt lasten» je ausgedehnter sein Umfang werden soll, um so behutsamer bei seiner Begründung zu Werke gegangen, um so tiefer dessen Grundstein gelegt werten muß, um so mehr Festigkeit die es stützenden Pfeiler haben müssen; so war auch unser allweiser Schöpfer bei der Aufführung des. die ewige Ruhe, die ewige Glückseligkeit seiner geln'blcn Menschenkinder bezweckenden Nelizionsgebäudcs. wol wissend. welchen Scürincu cs im Laufe der Zeiten ausgesctzt sein, wie schwer cs auf so manchen feiner Träger tasten, welche Ausdehnung dasselbe erhalten werde, solches auf festen Grund zu stellen, mit unerschütterlichen Pfeilern zu stützen bedacht. Den heiligen Gesetzbüchern mußte» daher große Ideen zur Einleitung dienen, wichtige Belehrungen, gehaltvolle Glaubenssätze zu Grunde gelegt werden. Wir mußten zuerst ein-