Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 25 (10.12.1852)
- Date
- 1852-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 Recht, wenn man den übenvicgenden Hang zü diesen Grliiidsätzcn, Bestrebungen und Zwecken den Geist der Zeit nennt; er ist wirklich die Unsichtbare Kraft,' welche das Zeltaller beseelt und m Bewegung setzt, durch die es zu einem lebendigen, wirksanrcn Und selbstständigen Ganzen wird. Glücklich, wenn die Grundsätze' die ein Zeitalter äufgenolmnen hat, vernünftig' und wahr, wenn die Bestrcbnngtn, die es äußert, pffichtmäßig und edel; wenn die Zwecke die cs verfolgt, würdig, und der Menschlichen Bestimmiing gemäß sind'; der Geist der Zeit ist dann gilt; ein böbeE vom Himmel stammender Hailch belebt dann Alles, und Verherrlicht sich durch die rübnllichfteu Thaten. Dagegen wird der Geist dcd Zeit in eben dem Grade verkehrt und verderbl ich^ in lvelchein unrichtige Grundsätze Beifall finden, pflichtwidrige Bestrebungen herrschend werden lind die Wirksamkeit der Menschen eine Richtung auf Dinge nimmt, die gar kein Ziel derselben sein sollest. Sei der Geist eines Zeitalters gut und edel, oder schlecht und verderbt; sein Einfluß auf die Zeitgenossen wird zwar mächtig genug, aber unmerklich sein. Was die Luft, welche wir arhmen, dem Körper ist. das ist der Geist der Zeit der Seele. Ohne daß wir's merken, werden wir von jener gestärkt, oder angesteckt. Webe Allen, die ein verderbter Geist der Zeit umweht! Haben sie ibn nicht als einen Feind kennen lernen, den man von sich abwehren und bckämpfcu muß, so ist es um sie geschehen. Wie sehr dies von dem Geist innerer Zeit gilt, ist bekannt; er muß in mcbr als einer Hinsicht für verderbt erklärt werden. Ein Wort der brüderlichen Ermunterung zu einem Kampfe, der die gemeinschaftliche Sache aller Freunde des Guten ist, wird also nicht überflüßig sein. Es sind drei Hauprübel welche der verderbte Geist der Zeit an sich hat, nämlich Irrt hum, Selbstsucht und Sinnlichk eit; seine Grundsätze sind falsch, seine Bestrebungen eigennützig und seine Haudlllngcu nnwürdlg und entehrend. Jrrthum, Meinungen und Grundsützc, welche der Wahrheit widersprechen, sind das Erste, wodurch sich der verderbte Geist der Zeit zu crkeunen gielu,^ die^Mwedep.atts^etner.^allgemM 'v.trhre.itrtchZkyr wisscubeit, oder ans einer verkehrten, übelgeleitetcn Ausbildung entspringen. Im ersten. Fall ist das Zeitalter abergläubig, im ' andern ungläubig; der verderbte Geist der Zeit ist nicht selten in einem und eben demselben Zeitraum bei der großen, vernach- 'Nässigien Menge ein Geist der Unwissenheit und des Aberglaubens in den böbern nnd gebildeten Ständen hingegen ein 6)erst der Viclwiffcrei und des. Unglaubens. Die Bemerkung, grade dies sei der Geist nnscrer Zeit, wird sich Ihnen, tl>. L., von seihst aufdringcn. Ist der große Hause iü Absicht auf Erkennlniß .nicht zurückgeblieben m'n ppz Dvrill während die höhere Dtände mit einer Unvorsichtigkeit fortgeschritten sind, die ans Abwege aller Art fiihren mußte? Haben wir dieses Verderben nicht um so mehr zu fürchte», da der Geist der Zeit ein erfinderischer gewesen rst, seine Irrchümcr zu verbreiten, als in uisteru Tagen?' Er predigt fi, ans Kanzeln und Kathedern; er verbreitet sie zu dicken Bänden imd zu fliegenden Blättern; er bekleidet sie mit allen Reizen der Beredsamkeit und der Dichtkunst - er west; ihnen iistondertieit durch tausend für unschädlich gehaltene Leiercren den schnellsten Umlauf zu verschaffen, und sie bis in Lix Hütten des Volkes zu bringen. Diesen verderbten Geist der Zeft, den Jrrthum zu bekämpfen, muß jeden wahren Israeliten obliegen, es für seinen Berns hakten. Allem entgegen zu arbeiten, was der Wahrheit und der Wohlthat ünirrts Geschlechts für die Ewigkeit nachtbeilig werden könnte. Mit einem Ernst,' der nie schont, mir einem Eifer, der keine Gefahr schenk, Nut einer Standhaftigkeit, die sich von keinem Winde der Lehre, wie ein. Rohr, hin nnd wieder wehen läßt, verfolgen wahre ZSraelile» deck Jrrthum, welche Gestalt er auch annehmen mag. ' Dies wird uns um so'gewisser gelingen, wenn wir zugleich für bie'Tngend wider die Selbstsucht kämpfen. Wer Alles'nur äus sich und'seinen Vvrthftl bezieht; wer sich gleichsam zunt Äittekpuilkte des Ganzen macht, und selbst seine Mitmenschen als blvße Werkztnge seiner Absichten.,betijachtet; bei) ihoz entspringt Alles, .aus der ,uftr§msten Quelle, die ein menschliche Herz vergiften kam;; für den Edelmuth nnd die Uueigennützlgkeit der Lugend fehlt ihm selbst der Sinn. Verderbter kam; also der; Geist der Zeit nie wepden, als wenn die Selbstsucht seiy herrschender Fehler wird. Es giebl nichts, was wahre. Israeliten mehr beschäftigte, was ihnen so. viel Schmerz und Kummer verursachte, was sie zu so schweren Opfern nöthigte, wogegen sie bis znm letzten Hauch so ununterbrochen kämpfen müßten, als der selbstsüchtige Geist der Zeit. Es "kann nicht besser werden ans Erden, es ist keine Tugend, keine Veredlung der Menschen, keine Frömmigkeit möglich, ss lange er zu herrschen fortfährt. Die nothwendige Folge des Eifers, nnt welchem wahre Israeliten wider die Selbstsucht streiten, ist endlich noch ein Kampf für würdigen Genuß wider die Sinnlichkeit. Etwas Anderes, als Befriedigung der Sinnlichkeit hat die Selbstsucht nicht znm Zweck; alle ihre Maßregeln und Unternehmungen sind darauf berechnet, sich irgend .einen Genuß zu verschaffen. Durch einen Hang zum Vergnügen, der keine Schrankenkennt; der Alles, die Religion selbst nicht ausgenommen, nur von der Seite faßt, wo er seinen Neigungen schmeichelt, und ihm einen süßen Genuß gewährt; durch eine solche gräuzenlose Ueppigkeit, die irdische Freude für den einzigen und höchsten Zweck deS Lebens erklärt, vcrräth sich der verderbte Geist, der Zeit am meisten; er kann nicht mehr ausarten, nicht tiefer stiften, als wenn er sich in eine solche Begehrlichkeit verwandelt. Herabwürdigung, tiefe Herabwürdigung der menschlichen Natur tft AU-s, waü dem verderbten Geist der Zeit eigen ist; statt richtig zn denken, im Jrrthum schwärmen, statt wohlwollend und edel zn bandcii.. Alles gierig an sich reißen, statt mit Besonnenheit und Winde zn genießen, durch Ueppigkeit sich erniederigen. Und so ist es denn offenbar, in einem unverkennbaren Widerspruch, in einem ernstlichen, unablässigen Kampfe nut Allen;, was der verderbir Geist der Zeit an sich hat, befinden sich währe Er vertheidigt den Irrtbnm, sie wirken im Dienste der Wahrheit; er wird überall von niedriger Selbstsucht getrieben, und sie dringen auf Uneigennützigkcit; er schwelgt in Vergnügungen, und be meidin jede Lust, die der Geist Gottes durch ihr Gewissen für unerlaubt erklärt. Wer soll nicht, eilen, an dem Kampfe wider den verderbten Geist der Zeit Tbcil zu nehmen? Wollen Sie über das allgemeine Verderben unnütze Klagen verlauten lassen? Nein, Streiter Gottes wider Jrrthum, wider Selbstsucht und