Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 24 (26.11.1852)
- Date
- 1852-11-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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94 er fuhrt und leitet die Natur, nicht die Natur ihn; daher sagt die Schrift, zur Bezeichnung des rechten Gottes: „er, der Dich aus Aegypten, jenem Sclavenhause geführt." Durch jene Geschichte ward offenkundig dargelegt, daß Gott, hoch über Welt und Natur stehend, trotz dem natürlichen Gange der Dinge, doch die Unschuld und das Recht retten kanu .— darum,' Drusch, liebe diesen Vater, wirf Dich ihm zu Füßen, als Deinem einzigen Erretter in der Noth, — und wenn auch die Räder roher Naturkräfte, mißbrauchter menschlicher'Gewalt heftig 'um Dich schmettern, und wenn auch die Triebfedern heimlich und fein angelegter List sich wider Dich in Bewegung setzen, uud ihren scharf berechneten Gang, um Dich zu vernichten, geben, — zage nicht! aus diesem Vernichtungsgrund kann Dich dennoch Gott reißen und retten, er, der einst Israel erlöst! Ucber Zeit, Raum und Naturgesetz hast Dn Deinen Gott getragen, und noch höher muß er bei Dir stehen, über der geistigen Kraft Deiner eigenen Darstellung; suche nicht in dem Bilderkabinette Deiner Phantasie, um ibn etwa so oder so darzusteüen, davon warnet die Thora scharf, sie sagt: besser kannst Du Gott nicht darstellen, als wenn Du gehest durch alle Reviere der Welt, vom obersten Gewölbe des Himmels, bis zum unterirdischen Keller, wo die Flnthen rollen, und sagst, nirgends finde ich, Herr, Deines Gleichen; nicht treffender stellst Du Gott dar, als wenn Du Farbe, Pinsel und Darstellnngskraft wegwirfst und sagst, kein Styl paßt zur Darstellung Gottes, weder der Styl des Erhabenen, Feierlichen, „des Himmels von oben," noch der Styl des Lieblichen, Sanften, wie „die Blume auf der Erde unten," noch der des Wchmüthig-Nübrenden, deS Mclancholtsch- Düstern. wie „daS Bild der von Tiefe zu Tiefe fallenden Gewässer." Erkennst Du so Gott an, so bast Du auch den wahren Gott erkannt, Du hast Deinen Glauben weder zu beschränkt, uoä> zu hoch über Dich binaufgclrageu, hast Gott weder zu tief in Dich hiveingesetzl, noch setzest Du ihn zu weit aus Dir hinaus, das Verhältnis zwischen Dir uud Gott ist nunmehr klar, einfach und rein; kein Mitlelwesen, keine Macht, noch vergötterte Kraft steht zwischen Dir und Gott, mit der Gvtteswürde ist auch Deine Menschenwürde bergestellt. „Nein, Du bückst Dich nicht, und dienst nicht abgöttisch verehrend irgend emem Wesen,, außer Gott." — Wie Du Dir Gott denken sollst, das weißt,Du, nach allem bier Gesagten, nunmehr am Besten: als einen Vater und Erzicbcr nämlich, der mir aller Kraft die geistige und sittliche Vollkommenheit des Menschengeschlechts fördert, die Schlacken davon abweisend, und das Edle, Gute segnend und schützend; „er ist ein eifervoller Gott," sagt die Schrift, d. b. nicht ein Gott des Zornes und Grimmes, sondern der warmen Liebe, des eifervollen Strebens für das Wohl der Menschheit; „er denket," sagt die Schrift, „au die Krümmung der Väter bei den Kindern bis ins dritte and vierte Geschlecht," b., wo selbst Vater, Sobn uud Enkel über die Sünde weggestorben, und der Fehl und die Krümmung aus des Vaters Seele und Blut in die des spätesten Nachkommens gegangen und gcbeim vergraben liegt, wie unter dem stummen Lcichensteiu des Hingeschiedenen, so. in der Herzcnsfalte deS noch Lebenden, der Herr denkt der Krümmung, und hebt sie heraus und hervor. daß .das Menschenherz doch am Ende gerade, lauter und rein werde. — Und wie in der Besserung des Schlechte», so ist auch Gott unermüdlich in der Förderung des Guten: „er schafft Huld, Tugend und Gnade, die sich nur aufTugend stützt an Tausenden," d. h., wo selbst die Tugend eines edlen Vaters, wie Funken, einer einstigen, großen Flamme, über taufende Geschlechter, dunkel und klein hinausgeworfen liegt und schon un Verglimmen ist, — der Herr eilt herbei und zündet den verloschenen Glanz, das ausgehende Licht wieder an — denn er ist Vater und Erzieher der Menschheit. Israel, so begreife Deinen Gott, sind darotz. halte fest an seinem Gesetz, er und sein Gesetz lebt ewig! Menschheit, begreife diesen Gott, und verzweifle darum nicht, wenn auch die Well und die Sittlichkeit Deines eignen Herzens aus ihren Angeln treten wollen! Zeitungsnachrichten. H o l st e i ir. Altona. Dieser Tage ist der würdige, den Lesern dieser Blätter, durch seine gediegenen, den Stempel der achtelten Religiosität, wie der tiefsten Wissenschaftlichkeit an sich tragenden Arbeiten, hinlänglich bekannte Rabbiner Dr. Cohn aus Oppeln zum Oberrabbiner zu Maslrichl und des Herzogthums Limburg ernannt worden. Wie cs im Allgemeinen vom religiösen Standpunkte ans, stets als ein freudiges Ereiguiß begrüßt werden muß, wenn zumal größere jüdische Gemeinden und Verbände durch die Berufung wahrhaft gelehrter und frommer Rabbiner ihre eigene Anhänglichkeit an jenen unwandelbaren Grundsätzen des gläubigen Inventhums beurkunden, so sind die, diese Wahl begleitenden Nebeunmstäude, noch besonders der Art, daß sie als Lichtpunkt, in der so weil verbreiteten lrosttosen Dunkelheit unserer religiösen. Zustände betrachtet, als solche mitgetheilt zu werden verdienen* Bekanntlich wird die Vereinigung von und oiw, wenn sie noch beule, selbst im beschränktesten Maaßstabc, irgendwo im Kreise der Zudeuheil sich denken läßt, nirgends mehr heimisch gesunden als in Holland. Wenn aber wie hier, bei königlicher Erncminng des Rabbuien als Staatsdieners, die größere Hälfte des Fixum von 1000 fl. vom Staate gezahlt, selbst die Kosten der Uebersiedlung in uiuuisiccnter Weise mit vergütet, dahingegen die ausdrückliche Bedingung hinzngesügl wird, daß der Rabbiner seinerseits htesür verpflichtet sei, allen dem theologischen Studium des Talmuds sich widmenden Jünglinge» des Herzvglhums unentgeltlich lalmudischen Unterricht augedeihen zu lassen, dann freilich möchten wtr in jener Vereinigung der werthvollsten Unterpfänder geistigen wie körperlichen Wohls von Neuem die Ucberzeugung bestätigt sehen ir-r- 'v, daß wahrhaftes Verdienst, wie cs noch gesunden, so in der Thal auch noch anerkannt uud gewürdigt wird. Großherzogthum Baden. Karlsruhe. Dieser Tage verschied plötzlich in Folge eines Schlagansalles der Großh. Oberrath Hr.- Naphtali Epstein, der »