Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 3 (30.1.1852)
- Date
- 1852-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 die Völker sollten dadurch, daß Israel Gottes Gebote erfüllt, zur Einsicht kommen, daß der Name Gottes ans Israel rubet und vor ibm sich fürchten, da doch diese Gebote mebr oder minder der bloße Abklatsch ihrer eigenen waren? Wir begreifen ferner nicht, wie Moscheh, wenn er den Einflüssen der Zeit eine Macht aus feine Lehre gcwäbrl hätte, also, daß er derselben nachgab und die l'cidnischeu Elemente in seinen Institutionen walten ließ, den Best bl batte geben können: „Das ganze Wort, das ich euch gebiete, dieses bätet zu tbun, du sollst nichts binzufügen und nichts davon verringern." Im Gegentbeil Härte er ja gerade, um den endlichen Durchbruch der monotheistischen Erkenntuiß bei seinem Volke zu ermöglichen, gestatten müssen, je höher das Volk in dieser Erkenntnis; stieg, desto mehr von den ihr innewohnenden heidnischen Elementen hinwegznschaffen, oder wenn das Volksbewußtsein durch eine andere Zeit ein anderes geworden, auch in die Lehre solche Momente wieder hineinzulragen, die dem Volksbewnßlsein entsprechend waren, nicht aber zu gebieten denn dieses Gebot ist doch der Nkkomodatiouslbcorie straks zuwider, und läßt sich nur dadurch erklären, weil das „Wort", als von Gott ausgegangcn, schon eo ipso vollkommen sein muß, und daher jede Veränderung, jedes Hinzuthun oder Hinwegnebmeu, noihwendig ausschlicßt. Nach jener Gesetz leugnerischen Ansicht aber wäre das Gegentbeil dieses Gebotes am ehesten an seinem Platze gewesen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Preußen. Aus dem Eroßhcrzogthum Posen. „Wozu so viele Schächter, spricht Gott." -nrn» In Bei den bcmgcn Angriffen, die das Judcntbnm in der neuesten Zeit zu widerstehen batte, ist stets die gefährliche Klippe, woran das alte, aber festgcbauete Schiff zu zerschellen droblc, die materielle Macht dcS Feindes. Denn in der Regel sind es die gefüllten Geldsäcke, die im häuslichen Kreise von allen unerlaubten, wie erlaubten Vergnügungen übersättigt sind, nun auch von den hciliaeu, öffentlichen Institutionen verlangen, daß sie ebenfalls ihren Stimcn kitzeln möchten; darum sollen in der Snnagogc auch Kircbenzcsang oder gar Orgelklang die Andachisstnnde aussüllen, weil diese, schon der Neuheit wegen, ergötzlicher sind; darum soll auch die deutsche Predigt soviel als möglich sich dem salbungsreichcn, lutherischen Stnlc näbern, damit sie als Abwechselung von den groben, fröhlichen Genüssen, ein sogenannter geistiger Genuß werde, indem sie säurt die Saiten des Gefühls berühre und wie ein tragischer Roman dem Auge einige Thränen ermesse, ohne, daß der Verstand sich ernstlich Rechenschaft geben kann, warum sic entflossen. Aus demselben Grunde müsse jede reelle Belehrung, jede Auslegung des göttlichen Gesetzes, jeder Erläuterung biblischer oder talmudischcr schwierigen Stellen aus ') 5. B. M. 13, 1. vergl. auch idlä 4, 2. ihrverbannt bleiben, da solche Anregung des Verstandes sehr leicht die Regung des weibischen Gefühls verdrängen kann. Ucberhaupt bedarf ja der Mann der Belehrung nicht; sein Mammon, seine Wollust sind ja seine Götter, und diesen sich anzuschließcn, weiß er am besten. Die Melodien des Chors und die ölglattcn Worte des Predigers sind mehr ein Weihrauch für Weiber und Kinder. Sind nun diese "Dinge einmal für ein Vergnügen anerkannt, so können sie auch einem solchen Gcldanstokraten niemals zu theuer erscheinen, zumal er sich dadurch vor der Welt documentirt, daß er zum intelligenten Theil der Gemeinde gehört, und wer weiß, ob ihm nicht dafür irgendwelche Zeitschrift öffentliche Lobsprüche ertheilen und ihn als Beglücker des Iudenthums ausrufen werde. Traurig aber ist cs, wenn durch Mißbräuche, bereit Schaden jetzt mehr denn früher fühlbar sind, solchen Menschen in die Hände gearbeitet wird; es gelingt lbnen ohne große Opfer eigner Mittel ihr verderbliches Ziel zu erreichen. Dieses nämlich geschieht durch daMn seligen Mißbrauche den die meisten Rabbiner unserer mit den Vortheilcn der zu mp'-rai 7-w'nr an alle Diejenigen, die ein solches Zcugniß zu haben wünschen und — die Gebühren bezahlen. (Beschluß folgt.) Oesterreich. Wien, im Januar. Wir könnten grollen und schmollen mit der Jabrcswitterung. — Bis Januar wetteiferten Schnee und Frost und Wind; bis Januar — und gerade in jenen schauerlich kalten Tagen sahen wir unsere Glaubcnsbrüder in Massen und Hausen nnt Weibern und Kindern herausführen und fahren aus den Mauern der Residenzstadt — wie Verbrecher und Sünder — und jetzt, nachdem ziemlich die jüdische Bevölkerung gelichtet imd geschichtet, und recht viel . Platz und Raum in den Gassen und Häusern ist, jetzt kommen Witterungen, die einen Frühling nach sich kommen lassen und zu bringen scheinen. Wir können und dürfen und wollen nicht jene Maßregel tadeln, wir würden aber Dank dafür gewußt und gebracht habenwenn die Art und Weise eine erträgliche und menschliche gewesen wäre. In dieser schweren Noth bewährte sich aufs Glänzendste der mildlhätige Sinn unserer Glaubcnsbrüder — Jeder half, gab, rettete, wen und wo er konnte. — .Zwei ehrenwerthe Herren, Albert Pappenheim und Karl Mazel schonten weder.Frost noch Wetter und sammelten für die Unglücklichen und viele Tausende wurden au viele Hunderte vertheilt!! Namentlich und vorzüglich botHerrJ. Deutsch , Wechsler, seinen bedeutenden Einfluß auf und rettete Viele ganz und einige zum Tbcil, je nach Verhältnissen und! Umständen, nicht zu gedenken seiner vielen milden Spenden.! Sr. Ehrw. Hr. Rabb. Lasar Horowitz schrieb eigenhändig einen Dank an die obenbenannreu zwei Herren Sammler, und krönte diesen schönen Akt mit seinem priestcrlichen Segen. Der Wortlaut des Dankbriefes ist folgender: Hochzuverebrcndcr, Wohlgeborncr Herr! „Wenn Mildtbäligkeit und Wohlwollen als die Hauptbedingnisse zum Fortbestände der menschlichen Gesellschaft geeignet sind, wenn diese erhabenen Eigenschaften als die Ergebnisse der