Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 1 (2.1.1852)
- Date
- 1852-01-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Israelbernfe, nach meiner Meinung, ans'- innigste verbunden ist, mir denke, und die ich ansgcdrückl habe, w eil wir Israeli c e n s i n d , müssen wir Israelilen sei n u n d bleiben. Es ist im Wesen des Menschen eine zwiefache Leite: die materiale und die spirituale, beide sind an bestimmte Gesetze genau gebunden, der Körper bat das t>tatnrgcietz, der Geijl, das Vcrnnnftgesey als Normen ihrer Tbätigkell; man nennt jenes auch das physische, dieses das moralische Gesetz. So wie nun der Körper dem physischen Gesetz mit Nolbwendigkett unterwerfen ist, so unterliegt der Geist mit Notbweudigkei: dem moralischen Ge sich. Da nun aber, was die Vernunft gebietet, notbwcndig vom Menschen gewollt werden muß, wie ist es da mit der Freiheit des Menschen? Allein die Gebote der Vernunft sind eben nur von moralischer Nolbwendigkcit, und der Mensch ist insofern frei, als er nicht physisch zur Erfüllung derselben gezwungen wird. Hier haben wir nun den Aufschluß. Was für den Menschen die Vernunft, ist für den Israeliten die Offenbarung ') die Gebote beider wollen mit Nolhwendigkeil geübt sein, allein diese Noll-wendigkeit schließt darum die Freiheit nicht aus, weil sie sich nicht p s vsische r Mittel zu ihrer Verwirklichung bcdteul, sondern nur moralisch wirkt, so wie die Vernunft den Menschen moralisch nörhigt, das Gute zu wollen, eben eine solche moralische Nölhigung übt die Offenbarung auf den Israeliten aus, ihr Gesetz zu erfüllen, und in dem Maastc, als der Mensch von den Vcrnunftgebotcn sich moralisch nicht lossagen kann, ebenso kann cs der Israelit nicht in Bezug ans die Offenbarnngszcsetzc, denn das Eingehen Israels in den Gotteslmnd, seine hierauf erfolgte Vereidigung hat die Angehörigkeit Israels an seinen von Gott ihm gewordenen Beruf zur Nothwendigkeit, wenn auch zur moralischen nur, erhoben. (Fortsetzung folgt.) Angezeigt von S Iadesohn, Rabbiner zu Lzernijewo. (Beschluß.) In diesen beiden Kapiteln, welche 62 Leiten einnebmen, . sucht der Verfasser darznlbnn: Wie sebr die Zcremonial-Gesetze dazu geeignet sind, selbst demjenigen Inden, der nicht gebildet genug ist den inneren Werth der erhabenen Lebrc von Gott und der Natur zu erfassen, dennoch im steten Vertrauen ans Gott zu erstarken, und ibm ein Dasein zu bereiten, in welchem alle Vorfälle des Lebens nicht vermögen seine heitere Leelenstimmung zu trüben. Er wandelt stets vor Gott und mit Gott und was ibm auch widerfährt, er bleibt dabei, daß cs zu seinem Besten sei. Wahrlich, wären unsere vielfach gebildeten Rabbinen der neuesten Zeit auch nur Anhänger der Natur-Religion, sie würden nicht so leicht den Stab über alles Zeremonielle brechen und seine Abschaffung laut und widcrholt predigen, oder gar in ihren ') Liebe den zweiten Brief. chimcren Schriften von den Zeremonien, wie von einem Herz und Geist verderbenden Unsinne sprechen. Hören wir, was der Anhänger der Natur-Religion Seite 96. 55. 90. dieser Schrift über den daspricht: „Der Sabbatb, nach der Verordnung der Schrift, daß der 7. Tag der Woche jedesmal cm Ruhetag sein soll, ist ein Fest ganz eigenthümlicher Art". Unter Ruhe muß hier nicht eine absolute Untätigkeit verstanden werden, denn absolute Ruhe tst in der That nicht besser als. der Tod, und so würde denn dieses Gesetz dem Beobachter desselben jedes seiner Lebens-Jahre um nicht weniger als 52 Tage verkürzen. Die Ruhe von der hier die Rede ist, soll das Gleichgewicht andenten, zwischen der körperlichen und geistigen Thätigkcit, welches Gleichgewicht im Laufe der Woche gestört wird, und am 7. Tage wieder hergestellt werden soll. Der Mensch ist, wie bereits erwähnt der Bürger zweier Welten, der Welt des Gegenwärtigen so wohl, wie der des nächsten Folgelehens. Es schien daher angemessen, daß der Erdenbürger einen verhältnißmäßigcn Thcil seiner Lebenszeit Len Zuständen des zweiten Lebens znwendet. Die Rabbiner sagen in dieser Beziehung figürlich: der Jude habe am Sabbath eine zwiefache Seele, welches so viel heißt, als daß an diesem Tage die Scelenthätigkeit verdoppelt werden soll. Hierin liegt der Hauptzweck, weshalb der Sabbath in Israel angeordnct worben. Damit nun dieser geistige überirdische Genuß allen Angehörigen Israels gleichmäßig zügetheilt werden möge, ist das Gebot ergangen, daß am Sabbath keinerlei Art von Arbeit verrichtet werden darf, denn nur so war es möglich, daß auch die dienende Klasse in der Gesellschaft die Muße gewinne, die zur Erreichung jenes Zweckes erforderlich ist. Dieses ist zugleich der Grund, weshalb an diesem Tage kein Feuer angezündct werden darf, und daß sogar das Thier von aller Arbeit befreit bleiben müsse, um nämlich das Kochen, das Betreiben der Feidarbcit n. s. w. zu verhindern. Indem also alle Werkthätigkcit ruht, bleibt die ganze Zeit zum Lehren und Lernen, zum Nachdenken über sich selbst, zur eignen moralischen Vervollkommnung für jeden Mann, für Groß und Klein, für Arm und Reich, für Herrn und Diener ununterbrochen disponibel. Der Sabbath macht alles gleich. Der Unterschied der Stände hört wenigstens für diesen Tag auf und kann daher in dieser Beziehung nicht ohne allen Einfluß ans die übrigen sechs Tage der Woche bleiben. Auf diese Weise bewirkt der Sabbatb eine Einheit und Gleichheit unter allen Gliedern der Familie und des Hausstandes, welches ohne dies wol schwerlich jemals Hervorgcbracht werden könnte. Cap. 5 macht den Schluß mit der Darstellung einiger Grundzüge der Natnrreligion, dessen Inhalt für uns Anhänger de« Judenthnms kein Interesse bietet. Wir bedauern sehr, daß dem Verfasser eine gründliche Kenntnis; des Talmuds und der rabbinischen Schrift abgehet, was aus der Acußerung desselben über den Gebrauch des Palmenzweiges und des Paradiesapfels am Laubhüttenfest klar hervorgehet, und glauben wir, auch bebaupten zu können, daß wenn dieses Wissen ibm nicht abgmge, derselbe auch sich znr Naturreligiou nicht bekannt Härte.