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Der treue Zionswächter · 1851-07-18 · 2 (18.7.1851) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
7 (1851)
Issue
2 (18.7.1851)
Date
1851-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s Briefe über orthodoxes Zildenthum. / (Beschlitß.) ' . / ' ' Wenn diese Neuzeit nun von den gegnerischen Parteien im Indenthnm spricht, so sind cs vorzüglich zwei Worte, mit welchen man den verschiedenen Charakter der dämpfenden uäker anzngel'cn pflegt: Stillstand und Fortschritt; mir jenem kenuzcichnet mau das orthodoxe, mir diesem das deterodore Indentl'nm. Lasse darüber miich anssprecheu. Mir scheint es m der Llmt, daß diese beiden Prädikate nicht ganz unpassend für den Inhalt der Bestrebungen und, die sich nun. sakrisch ans jüdischem schiel kund, geben. Das orthodoxe Indentl'nm repräsentirt den Stillstand, freilich nicht jenen ihm angemnlheten, der einer trairrigeit Versumpfung gleicht, woraus alles Leben geschwunden ist, und der inir eiliger Stagnation den Flügelscklag des Geistes hemmt nnd das vnlsircnde Herzblnt ins Stocken bringt, sondern den Stillstand der in sich ruhenden Schwerkraft, die Concentralion alles Lebens und Handelns in sich selber, die unerschütterliche Beharrlichkeit ewiger Wabrbeiren, die, eben weil sie die Wahrheit sind, den unverrückbaren Standpunkt behaupten, aus welchen Israel seine vierlausendjabrige Geschichte hingcbanel. Auch das Naturgesetz in ein solcher Stillstand, der keinerlei Modlsikationen und Wandlungen znläßr, auch das Naturgesetz überdauert in seiner Unwandelbarkeit Ieitcn nnd Geschlechter, und wir adoptiren gern ein Prädikainent, das dem orthodoxen Standpunkt einen nickt unangemessenen Ansdruck gicbl. Auch für das betcrodoxe Indeni-".un liegt in dem Worte „Fortschritt" ein prägnantes Merkzeichen. Fortschritt ist das Verlassen des Punktes, von dem man ausgegangen, das Anigebcn bereits eingenommener Positionen, nm sich neue zu schaffen, es ist das Princip der Veränderlichkeit damit ausgesprochen, die Schöpsnngen tragen die Garantie ihrer Cxistens niemals in sich, sondern sic sind von äußern Verhältnissen und llmsiänden abhängig, nnd dadurch unterscheidet es sich sveeisisch vom orthodoxen Indcnthuin. Dieses trägt seine Stütze in sich selbst, in seiner geschichtlichen Existcns, daS betcrodoxe Indembnm hingegen ans;er sich, in der Ergebung und Untcrwerfnng untcrdaS Leben. DieHctcrodorie ist die Sklavin der Zeit, die der lannischen Dame demütbig die Schleppe nachrrägt, und ängstlich jedem Winke lauscht, die Orthodoxie ist die Herrin der Zeit, sie bewältigt nnd unterwirft sie sich, sie läßt sich aus keine Koneessionen ein, was vor vier Jahrtausenden Recht und Geltung batte, das bat von seinem Werrbe auch henke noch nichts ciiigebüßt, sie gestaltet das Leben nach sich, .zielst ihm Form nnd Bestimmtheit, während die Hclcrodoxie gerade das Umgekehrte rhilt, sie läßt sich vom Leben gestalten, und nimmt von ihm Zweck und Bedeutung an. Auch darin offenbart sich die Differenz der Parteien im Indenthnme, daß die Orthodoxie sich immer fester und tiefer in den historischen Boden eingewurzelt, daß sie sich in unmittelbarer Verschlingung und Verkettung mit der jüdischen Vergangenheit weiß, deren Gedankcnkomplex nnd Lehrsatz der Gegenwart nnd aller Zukunft als Ausdruck der göttlichen Wahrheit in der Religion Israels gilt und gelten wird, ihr Recht ist cm legitimes, während die Heterodoxie den geschichtlichen Loden unter den Füßen immer mehr verliert, sie arbeitet nur für die gegenwärtige Stunde, für das Bedürfnis: des 'Tages, sie schreitet so lange ffprt und fort, bis sie aus dem Indcnlhnm chinansgeschrilten ist, üicln lo^uumurl — z . s G . Ich bin ein solcher.Orthodüxe>gewvrden, oder vielmehr, ich bin wieder Jude geworden, die Pforten des heiligen Gotlesrempels haben sich mir geöffnet, um an seinem Altäre den Gott unseres alten Stammes anznriifcn. Ich bin ans meinem Irrlbnm erwacht, in welchem ich so lange befangen war, und der mich so viele Iackre in dem Wahne erhielt, Las Judeifthum sei etwas Zeitliches und müsse seinen Inhalt mit der Zeit imd in , der Zeit wandeln lassen. Gottlob! dieser Wahn ist vorbei, was Euch abgelebt, morsche Trümmer scheint, ist für mich volles, glütktgcs Leben, ist für mich der duftige. Kranz, der sich ewig verjüngt und mir frischeu'Blüthcn den Weg unseres Erdcnwallens bestreut. Es sind keine Gräber, über die ich schreite, keine Grüfte, zwischen denen sch weile, es sind vielmehr' die ewigen Werke des unsterblichen Gottesgeistcs, in deren Zanbcrschrift ich mich vertiefe nnd Nahrung für meine Seele suche und finde. Das Indcnthluu — es ist wahr — hat seine tiefsten.Wurzeln m der Vergangenheit, aber seine Äste breiten sich über die Gegenwart, so wie über alle Zeiten. Sollte das Indenthnm nach Raum und Zeit sich richten nnd den verschiedenartigen wechselnde» Gestaltungen des Lebens und der Geschehnisse Einfluß gestatten, wir hätten dann nicht mehr ein Indenthnm, sondern mehrere, ein morgenländischcs, abendländisches, ein mittelalterliches gegenwärtiges und wer weiß, wie viele andere noch. Und weißt Du denn nicht, daß unser Gesctzlchrcr Moschheb in prophetischer Voraussicht die einstige Zerstreuung Israels kannte: „und Gott wird dich zerstreuen unter alle Völker, von „einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde." (5. B. M. 28, 64, coul. 5. B. M. 4, 27), und wir finden nicht, daß Mosehch für dasselbe ein anderes Indcntbnm in Bereitschaft gehalten hätte; hat er doch selbst den. dritthalb Stämmen geradezu gestattet außerhalb des heiligen Landes zu wohuem: „nudelst das Land unterworfen vor dein Ewigen nnd „ihr( kehret hernach zurück, so seid ihr schuldfrci vor „dcm Cwigcn nnd vor Israel, und dieses Land bleibe „euch zum Besitz vor dem Ewigen." (4. B. M. 32, 22), ohne sie von der Verpflichtung frei zu sprechen, die sic an das von ihm ans GollcS Befehl verkündigte und gelehrte Indenthnm. für alle Zeiten knüpfte: / „und nicht mit euch allein schließe/ich Liesen Bund nnd „diese Vereidigung, sondern mit dem, der heute mit „uns ist vor dem Ewigen unserm Gott, als mit dem, „der nicht mit uns ist." (ö. B. 14). Wärm die mosaischen Institutionen nur von lokaler und temporeller Gültigkeit, warum wurde überhaupt bei einigen nur der Besitz des Landes zm Bedingung gemacht? zeigt dies nicht augenscheinlich, daß eben diese ausdrücklich genannten keine andern aber, örtliche Bedeutung haben sollten, weit die übrigen Gebote, als mm von den Israeliten unzertrennlich sind, wo nnd ivann er sich befindet? Ihr sprecht so viel von der Allgewalt des Lebens, wie cs sich tm Gegensatz zur Religion stellt, , und

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