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Der treue Zionswächter · 1850-05-04 · 18 (4.5.1850) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
6 (1850)
Issue
18 (4.5.1850)
Date
1850-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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.138 dadurch die Anerkenntniß gleicher Individualitäten immer mit strengerer Nothwendigkeit hervor, bis sie endlich sich Raum schafft und zur Geltung kömmt. Die Emancipation der Juden ist nicht Vas Resultat einer revolutionären Bewegung, sondern der von dem Geiste der Geschichte still hingesponnene Gedanke der Menschenbefrdiung, nicht das Werk einer durch den Moment beherrschten und umgestalteten Weltanschauung, sondern die aus den Tiefen der Zeit langsam äufsteigende und endlich zu Tag sich stellende Forderung der Ebenbürtigkeit und Gleichberechtigung der Menschen im Staate. Was die Revolution so plötzlich zum Vorschein brachte, war schön lange vorher Ln den Geniüthern vorhanden, es lag als Zunder da aufgehäuft, die Revolution war der elektrische Funke, der Licht und Flamme brachte. Das Judenthum freilich, das in Gott seinen Ursprung und seine Vollendung hat, brauchte erst keines tausendjährigen geschichtlichen Prozesses, um zu einer solchen Wahrheit zu gelangen; es hat mit seinem Beginne sofort die Marime ausgesprochen, „du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst." (3. M. 19, 31), aber die von ihm verkündigten Wahrheiten durchdringen langsam den Boden der Menschheit, Jahrhunderte, Jahrtausende gehen, oft erst vorüber, bevor ihre Frucht van aller Welt gepflückt und genossen wird, und die beglückendste aller Wahrheiten, daß die Erde voll sein wird der Erkennrniß des einigen Gottes, soll ja erst zur Zeit des Messias den vollendeten Ausdruck haben. Die Emancipation der Juden, ist die Verwirklichung jenes Freiheit schaffenden Gottgedankens. . „Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst, u. w as wir in der Gegenwart erlangt, ist die Frucht des -in der ältesten Vergangenheit angekeiMten Körnleiys „auch den Fremdling sollst du nicht drücken," (. 2. M. 23, 9). Von uuserm Standpunkt überhaupt ist jede Revolution eine aus einer unsittlichen Idee entspringende Aeußerung?der rohen Gewalt, das „Fürchte Gott, mein Sohn! und den König." (Spr. Sal. 24, 21) ist uns ein heiliges Wort, ein unser Verhalten gegen die höchste Obrigkeit streng und genau regelndes Gesetz, und wenn unsere Weisen den Segensjpruch über den König dahin normirtcn nni) vT» ->cab, so haben sie dadurch ausdrücklich der Königswürde eine himmlische Weihe gegeben; u. ich für mein Theil würde von ganzem Herzen auf eine Freiheit verzichten, die ihr V.prhan- . deirsein einer reyolutLonäxrn, .darum unsittlichen Macht verdanken sollte. Aber wir haben schon.gesagt, die Emancipation d. Juden" war eine geschichtliche Nothwendigkeit, eine in der menschlichen Natur .». in demWesen des sittlichen Staates gegründete Berechtigung, und sie mußte sich Bahn brechen u. sie wird sich Bahn brechen, da wo ihr der Weg noch immer verhemmt wird. Mit dieser Anschauu von der Emancipation der Juden wenden Mir uns zur Beantwortung der Frage, ist die Liebe zu uuserm Vaterlande durch die Befreiung von vielhündertjährigem Drucke eine größere, eine iy unserem Gemüthe begründetere geworben? Und wir sagen, nein! Unsere Eltern bleiben dieselben Eltern, ob sie mit Strenge oder Zärtlichkeit uns begegnen, und der gute Bürger muß in j e d em Falle die Achtung vor dem Gesetz des Vaterlandes bewahren, wenn es ihn auch, wie einst den Sokrates, zum Giftbecher yerurtheilt. Das Vaterland hat in dem Juden zu jeder Zeit einen treuen Sohu gefunden. Er eilte auf die blutigen Felder der Sch lachten, um sein Leben dorr zu lassen, obgleich er mit dem Bewußtsein in den Tod ging, daß seine Aufopferung für das Vater!aud den zurückgebliebene» Glaubenöbrüdern 'immer noch nicht die Erlösung aus der Schmäöh uud der stiefmütterlichen Hintansetzung vor -Men Zandern i Stäatsbürgern bringen 'Werve. Dier^iebe züm: Waterlande darf nichd nach dem« bemessen -mud «tatsächlich geübt werden, was es uns giebt oder nimmt, sondern sie muß so ganz Unabhängig vvü dessen Gaben bleiben, ' daß-sie allem Einflüssen gegennber ungeschwächt sich forterhatrem kann.:;Niemand wird, behaupten/, daß wir vor; ünsettr/Emäueipatiön schlechtere Staatsbürger gewesen sind daß wir Minder' bereit mraren, - den höchsten-Preis des Lebons^^ das; Leben -selbst -- als blutendes Opfer 'auf feinen Altar uiederzulegen; wir sind durch r unsüre^Befreiung.um keinen Grad in der Liebe zum VaterlandLireicher geworden, denn das ist ein angeborues Gefühl, ein.Mturtrieb, an dem nichts zu ändern ist, Gott hat so -eingerichtet in uuserm Herzest, daß es Mit allen seinen Fasern den Boden umklammert,; auf welchem; seine ersten Empfindungen erwachten, auf dem der erste Schmerz, die erste Freude seine Suiten und wir könnten dieses Gefühl nicht zum Schweigen

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